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Kritik: French Exit (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der sehenswerten Comedy-of-Remarriage "Die Liebenden" (2017) bescherte der Regisseur Azazel Jacobs dem Achtzigerjahre-Star Debra Winger ("Ein Offizier und Gentleman", "Zeit der Zärtlichkeit") ein willkommenes Hauptrollen-Comeback. Ähnliches gelingt ihm nun in "French Exit" mit Michelle Pfeiffer. Die dreifach Oscar-nominierte und vielfach preisgekrönte Schauspielerin (geboren 1958) war zwar nie gänzlich von der Leinwand verschwunden; dennoch waren die großen Parts seit Robert Zemeckis' "Schatten der Wahrheit" (2000) recht rar.

"French Exit" basiert auf dem gleichnamigen Roman des kanadischen Autors Patrick deWitt aus dem Jahre 2018 – und bereitet Pfeiffer die Bühne für eine One-Woman-Show voller Exzentrik. Die von ihr verkörperte New Yorker Society-Lady Frances Price, die das Erbe ihres verstorbenen Gatten aufgebraucht hat und deshalb ihren Lebensstil ändern muss, lässt an Figuren aus dem Kosmos von Tennessee Williams denken. Der erzählerische Ton erinnert indes an die skurrilen Werke von Wes Anderson, insbesondere an "Die Royal Tenenbaums" (2001), sowie an John Irvings Bestseller "Das Hotel New Hampshire". Frances gerät trotz ihrer eigentümlichen Art nicht zur Karikatur. Pfeiffer verleiht ihr eine enigmatische Aura und nutzt jede Szene, um elegant zwischen Witz, Bosheit und leiser Tragik zu changieren.

Gewiss ist Frances das klare Zentrum der Geschichte. Doch "French Exit" lebt auch von der Interaktion zwischen der Protagonistin und deren Umfeld. Insbesondere die unkonventionelle Mutter-Sohn-Beziehung zwischen Frances und dem orientierungslos erscheinenden Malcolm wird originell eingefangen. Lucas Hedges ("Manchester by the Sea") als Malcolm, Imogen Poots ("Broadway Therapy") als dessen Verlobte sowie Danielle Macdonald ("Dumplin'") und Valerie Mahaffey ("Sully") als neue Bekanntschaften tragen in herrlichen Dialogpassagen dazu bei, dass der Film zum unterhaltsamen Charakterstück wird. Und dann gibt es da noch eine Katze, die das Ganze in magische Gefilde treibt. Schön!

Fazit: Eine eindrückliche Leistung von Michelle Pfeiffer, die von einem guten Skript, einer stilvollen Inszenierung und einem tollen Ensemble unterstützt wird.




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