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Deutsche Filmstarts: "After Love" setzt Schmachtreihe fort

Jannis Niewöhner stapelt als Felix Krull hoch

Gleich drei deutsche Produktionen drängen in dieser Woche auf die hiesigen Leinwände: Neben Familienfilmen wie "Wickie und die starken Männer - Das magische Schwert" und "Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft" ist sicherlich auch Jannis Niewöhner als Felix Krull in Detlev Buck's neuer Adaption des Thomas Mann-Romans interessant. Junge Damen werden mit Interesse hören, dass der dritte "After..."-Teil startet, während Marvel-Fans das 25. MCU-Abenteuer "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" verfolgen wollen. Eine proppevolle Kinowoche - was lohnt den Besuch? Und wann lässt man die Geldbörse besser stecken?

"After Love"
Drama
USA
99 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Spart Euch das Geld!

Die Fernbeziehung eines Paares (Josephine Langford und Hero Fiennes Tiffin) führt zu Missverständnissen und Eifersüchteleien.

Unglaublicherweise sind wir nun schon beim dritten Teil der "After..."-Reihe angekommen, und besser ist es nicht geworden. Bislang haben es alle drei vorangegangenen Filme von Regisseurin Castille Langdon, die allesamt nicht sehenswert sind, nur zu einer Disc-Premiere geschafft. "After Love" kommt auf die Leinwand, obwohl er sich qualitativ "perfekt" ins bisherige Schaffen Langdons einfügt. Warum "After We Fell" - so der Originaltitel - hierzulande ins Kino kommt, lässt sich leicht erklären. "After Passion" sahen 2019 rund 1 Million Zuschauer und selbst im vergangenen Corona-Jahr kam "After Truth" auf 941 000 Besucher. So geht es also weiter mit konstruierten Konflikten, überstrapazieten Klischees, nervigen Figuren und idiotischen Wendungen. Die Kritiker wenden sich im Grausen von der Constantin-Produktion ab. Das US-Drama basiert auf dem Roman "After We Fell" von Anna Todd aus dem Jahr 2014. Eine weitere Buchverfilmung - "After Ever Happy" - befindet sich bereits in der Nachproduktion, ein Prequel "Before" und eine weitere Fortsetzung sind angekündigt - Erbarmen!

Unser Kritiker Andreas Köhnemann verhängt die Höchststrafe und vergibt einen von fünf Sternen! Er schreibt: "Eine soapige, mit erotischen Einschüben versehene Nichtigkeit, die in ihrer Spannungs- und Humorlosigkeit jeglichen Reiz verloren hat. Schlecht geschrieben, ambitionslos in Szene gesetzt und überwiegend schwach gespielt."

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"Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings"
Fantasy
USA
132 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein junger Sino-Amerikaner (Simu Liu) aus Los Angeles muss sich seiner verdrängten Kindheit stellen, als er in die Machenschaft der mysteriösen "Ten Rings"-Organisation verwickelt wird.

Mit dem 25. Abenteuer aus dem Marvel Cinematic Universe wird es ernst für die Erfolgsreihe. Die alten Superhelden sind ausrangiert, jetzt muss dieser US-Fantasy-Film ganz auf eigenen Füßen stehen, wenn auch die Ten Rings in "Iron Man" zumindest erwähnt wurden. Aber Walt Disney Studios müssen nicht bange sein, denn der von ihnen engagierte Regisseur und Drehbuchautor Destin Daniel Crettin ("Just Mercy") hat augenscheinlich alles richtig gemacht, wie die begeisterten Kritiker und enthusiastischen ersten Zuschauerreaktionen belegen. Sein aufregender Beitrag mit der erstmals 1973 erschienenen Comic-Figur Shang-Chi folgt der bekannten Marvel-Formel, eröffnet dem MCU aber auf mehr als eine Weise neue Perspektiven.

Unser Kritiker Björn Schneider rät zum Kartenkauf: "Clever inszeniert, bildgewaltig in Szene gesetzt und mit spektakulären Stunts angereichert: Der Film bringt frischen Wind ins MCU."

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"Wickie und die starken Männer - Das magische Schwert"
Animation
Deutschland
81 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Mit einem von seinem Erzfeind Sven erbeutetem Schwert, das alles in Gold verwandelt, hat Wikingerchef Halvar seine Frau versehentlich zur Goldstatue gemacht. Zusammen mit seinem Sohn Wickie müssen er und seine Mannschaft versuchen, eine Heilung für den Fluch zu finden.

Der französische Regisseur und Drehbuchautor Éric Cazes gibt mit diesem deutschen, indes auf Englisch gedrehten Animationsstreifen sein Spielfilmdebut, hat er bisher doch ausschließlich für das Fernsehen gearbeitet - darunter auch für die neue "Wickie"-Fernsehserie in den Jahren 2013 und 2014. Optisch ist die Universum-Produktion ansprechend, aber trotz reichlich Action gibt es auch viel Leerlauf und keine inhaltlichen Überraschungen in dieser weiteren Adaption der Kindergeschichte des schwedischen Autoren Runer Jonsson aus dem Jahr 1963. Die ersten Kritiken sind gemischt.

Unser Rezensent Falk Straub senkt den Daumen: "Der Film kommt in einer ordentlichen Optik daher, die mit internationalen Produktionen allerdings nicht mithalten kann. Das Ganze ist spannend und Action-reich, allerdings nicht annähernd so charmant wie frühere Adaptionen. Denn der für 'Wickie' so entscheidende Humor geht in diesem bunten Action-Feuerwerk unter."

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"Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft"
Komödie
Deutschland
97 Minuten
FSK 0

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Die Freunde eines inzwischen zum Teenager gereiften Schülers (Oskar Keymar) werden versehentlich auf Miniaturgröße geschrumpft.

Und noch ein dritter Teil, bei dem ebenfalls die ersten Parts rund um 1 Million kleine und große Besucher für sich gewinnen konnten. Nachdem 2015 die Lehrerin und 2018 die Eltern geschrumpft wurden, sind in dieser deutschen Komödie jetzt die Freunde dran. Für Regisseur Granz Henman ist es der erste Kinofilm seit seinem "Teufelskicker" aus dem Jahr 2010. Der Humor ist nicht der starke Teil der DCM-Produktion, dafür ist er aber teilweise spannend und Action-reich und bietet einige originelle Tricks. Die ersten Kritiken sind gemischt.

So auch das Urteil unseres Kollegen Falk Straub: "Der Film bietet kaum Neues, dafür viel Altbewährtes. Das Ensemble wurde beibehalten, und so trifft das Publikum ein letztes Mal auf liebenswerte Figuren, die in bunten Sets und mit mal mehr, mal weniger überzeugenden Spezialeffekten eine nette, aber eben auch erwartbare Geschichte durchleben. Solide Familienunterhaltung."

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"Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"
Drama
Deutschland
114 Minuten
FSK 12

Unsere Emfpfehlung: Reingehen!

Einem jungen Mann (Jannis Niewöhner) gelingt Ende des 19. Jahrhunderts dank seines Talents für falsche Identitäten der Aufstieg in die Adelsschicht.

Der unvollendet gebliebene, gleichnamige Roman von Thomas Mann, an dem er von 1910 bis 1913 und von 1950 bis 1954 gearbeitet hatte, war bereits 1957 mit Horst Buchholz erfolgreich verfilmt worden, gewann den Deutschen Filmpreis und wurde für den Golden Globe nominiert. Regisseur und Drehbuchautor Detlev Buck ("Rubbeldiekatz") muss sich mit seiner Adaption davor nicht verstecken. Er nutzt den Roman als Besteckkasten für seine ganz eigene modernisierte Version und entwickelt ihn angemessen leichtgewichtig weiter. Wenn auch nicht alle Elemente in diesem deutschen Drama zusammen finden, bleiben doch prächtige Ausstattung und glänzende Schauspieler im Gedächtnis. Die ersten Kritiken für die Warner Brothers Pictures-Produktion sind positiv.

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"Malignant"
Horror
USA
111 Minuten
FSK 16

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Eine Frau (Annabelle Wallis) entdeckt, dass ihre grausigen Alpträume entsetzliche Realität sind.

Nach seiner eigenen Idee hat Regisseur James Wan ("Aquaman") diesen US-Horrorfilm inszeniert, der vergangenes Jahr zum Corona-Opfer und eineinhalb Jahre verschoben wurde. Aufgrund seiner bisherigen Erfolge genießt der Filmemacher offenbar kreative Narrenfreiheit, denn dieses bluttriefende Finale unerhörter Action und Brutalität mit der irrwitzig unverfrorenen Auflösung muss man gesehen haben, um es glauben zu können. Die Warner Brothers Pictures-Produktion ist visuell herausragend, unterhaltsam und macht keine Gefangenen. Erste Kritiken und Zuschauerreaktionen sind positiv.

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"French Exit"
Drama
Kanada
113 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Der nahende Bankrott bringt eine New Yorker Lebedame (Michelle Pfeiffer) dazu, ihr versnobtes Domizil in Manhattan zu verlassen und samt Sohn (Lucas Hedges) und Kater sowie einer letzten Tasche voller Geld nach Paris zu flüchten.

Selten waren sich die Kritiker so einig: Der möglicherweise einzige Grund, sich dieses kanadische Drama anzusehen, ist die grandiose Hauptdarstellerin Michelle Pfeiffer, die für ihre Leistung eine Golden Globe-Nominierung erhalten hat. Ansonsten hängt es von der Bereitschaft des Zuschauers ab, sich auf eine Abfolge mehr oder minder skurriler Szenen und eine Reihe nicht sehr sympathatischer Charaktere einzulassen, dass die Sony Pictures-Produktion nicht zum Geduldstest wird. Das intelligent geschriebene Drehbuch mit seinen bissigen Dialogen stammt aus der Feder des kanadischen Schriftstellers Patrick DeWitt, der hier seinen eigenen gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2018 adaptiert hat. Regie führte der amerikanische Filmemacher Azazel Jacobs. Die Kritiken sind gemischt, die Zuschauermeinungen eher ablehnend.

Unser Rezensent Andreas Köhnemann gehört zum Pro-Camp: "Eine eindrückliche Leistung von Michelle Pfeiffer, die von einem guten Skript, einer stilvollen Inszenierung und einem tollen Ensemble unterstützt wird."

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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