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Kritik: Titane (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem Body-Horror-Film "Raw" legte die französische Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Ducournau im Jahre 2016 ein ebenso eindrückliches wie unkonventionelles Spielfilmdebüt vor. Ihr Nachfolger "Titane" vermag diese Wucht sogar noch zu toppen. Bei der 74. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Cannes wurde das feministische Fantasy-Werk mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Es lassen sich deutliche Spuren von David Cronenberg erkennen. Insbesondere die Erotik-Groteske "Crash" (1996) kommt unweigerlich in den Sinn. Dennoch gelingt Ducournau etwas ganz Eigenes – nicht zuletzt deshalb, weil sie (wie schon bei "Raw") die queeren Aspekte des Cronenberg-typischen Körperkinos hervorhebt.

Mit Alexia verfügt "Titane" über eine sehr ungewöhnliche Hauptfigur. Sie ist eine Serienkillerin – und auch im Umgang mit sich selbst äußerst rabiat. Während der Auto-Fetischismus in "Crash" in erster Linie satirische Züge trug und psychologisch nicht näher vertieft wurde, widmet sich Ducournau der Objektophilie mit entschieden mehr Hingabe. Sowohl dramaturgisch als auch auf audiovisueller Ebene beschreitet Ducournau einen individuellen Weg. Die Sperrigkeit eines Arthouse-Dramas geht dabei eine Symbiose mit harten Genre-Momenten ein; Grenzen werden ausgelotet und neu gesetzt.

Agathe Rousselle kann mit einer furchtlos anmutenden Hauptrollen-Darbietung als echte Entdeckung bezeichnet werden. Und auch die Annäherungen zwischen Alexia und dem Feuerwehrmann Vincent, stark gespielt von Vincent Lindon ("Der Wert des Menschen"), sind schauspielerisch exzellent.

Fazit: Ein furioser, herausfordernder Trip in beeindruckenden Bildern mit einer grandiosen Schauspielleistung im Zentrum.




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