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Schocken - Ein deutsches Leben
Schocken - Ein deutsches Leben
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Schocken - Ein deutsches Leben (2020)

Schocken, Al Gvul HaKonsensus

Gelungene Doku, die detailreich in die Vergangenheit blickt und das bemerkenswerte, erfolgreiche, deutsch-jüdische Leben des Salman Schocken abbildetKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Salman Schocken - Kaufhausgründer, Unternehmer, Büchersammler, Herausgeber, Intellektueller, Philanthrop, Ostjude, Deutscher: "Schocken - Ein deutsches Leben" porträtiert eine ungewöhnliche Karriere eines ungewöhnlichen Menschen, der es als armer Einwanderer aus Polen zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Ostdeutschland aus zu Wohlstand und Reichtum gebracht hatte und das Leben vieler Menschen mitprägte. Er, der nur 4 Jahr Grundschule absolviert hatte, behielt sich zeitlebens einen ungeheuren Wissensdrang und wurde - als Autodidakt - ganz nebenbei einer der wichtigsten Büchersammler und Kunstförderer seiner Zeit. Nicht nur das: Mit seinem Bruder Simon gründete er um 1900 die Kaufhauskette "Schocken", die es sich zur Aufgabe machte, qualitative und stilvolle Ware auch der (aufstrebenden) Arbeiterklasse zugänglich zu machen. Dieser humanistische Zugang prägte jahrzehntelang auch die Unternehmenskultur der Schockens, die sich erheblich von der anderer Großunternehmer unterschied: Im Mittelpunkt stand die Belegschaft, nicht der Profit. Vor dem Auftieg der Nazis wanderte Salman Schocken in das israelische Palästina aus, um sich dort eine neue, sichere Existenz aufzubauen, aber seine geistige Heimat blieb immer Deutschland. "Schocken - Ein deutsches Leben" erzählt diese ungewöhnliche und inspirierende Geschichte eines eigenwilligen Außenseiters, die Vorbild für viele sein kann.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Schocken" zeichnet sich durch präzise Recherche und Darstellung aus: Nicht nur ergänzen viele Archivaufnahmen und Videos das Erzählte, auch Zeitgenossen, Bekannte, Verwandte kommen (in Rückblenden oder in Interviews) zu Wort. Salman Schocken erscheint als bemerkenswerter Mann, der es trotz alles andere als vorteilhafter Startbedingungen zu Wohlstand und Einfluss brachte, diese aber nicht zum Selbstzweck werden ließ, sondern in erster Linier versuchte, damit "Gutes" zu bewirken. Triebfedern waren sein unstillbarer Wissensdurst und seine Liebe zu Kultur und Qualität, wie einer seiner Enkel erläutert. Doch auch "distanziert" und "unnahbar" sei er gewesen, weil er stets mit seiner Arbeit beschäftigt war - und trotzdem kein kühler Egoist, sondern auch immer das Wohlergehen seiner Familie im Blick habend.

"Schocken" erzählt, wie der Untertitel nahelegt, von einem "deutschen Leben", das so zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus möglich und üblich war: Salman kam zwar als "ungebildeter Ostjude" nach Berlin und wurde von den etablierten, großbürgerlichen Deutschjuden der Zeit skeptisch bis abschätzig betrachtet, erarbeitete sich aber innerhalb kurzer Zeit Ansehen durch seine unternehmerlischen und philanthropischen Tätigkeiten. Und das nicht nur unter der "Elite", sondern auch bei den "einfachen Arbeitern", die er mit seinen Projekten in erster Linie in den Fokus nahm. Nicht nur wollte er Qualitätsware für jedermann zugänglich und erschwinglich machen, sondern auch Kleidung, Möbel und später Literatur. Trotz allem bleibt die Figur, die sich aus dem filmischen Porträt schält, ein Enigma, und so mag es auch nicht wenigen von Schockens Zeitgenossen gegangen sein.

Neben der Darstellung eines einzigartigen Charakters zeichnet sich der Film als historisches Dokument aus, das eine vergangene Epoche wiederauferstehen lässt, aber auch erahnen lässt, wie sich die Zeit nach dem 1. und vor dem 2. Weltkrieg für jüdische Bürger Deutschlands angefühlt haben muss: Gezeigt werden die Auswüchse eines wachsenden Antisemitismus, die auch vor Salman Schockens Imperium, seinem Lebenswerk, nicht Halt machten. Insofern ist "Schocken - Ein deutsches Leben" nicht nur für historisch interessierte Zuschauer sehenswert, sondern auch als Schul- und Schulungsfilm äußerst wertvoll, da er die Konsequenzen der NS-Herrschaft in Deutschland plastisch abbildet.

Fazit: Ein solide gestalteter und gut recherchierter Dokumentarfilm, der eine große, deutsche Karriere in den Blick nimmt, von der man als durchschnittlich geschichtsinteressierter Zuschauer bisher mitunter wenig wusste. "Schocken" ist nicht nur Porträt einer überragenden Persönlichkeit, sondern auch einer Zeit, die in vielen Belangen sowohl Vorbild, als auch Warnung für die Gegenwart sein kann.




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Land: Israel, Deutschland
Jahr: 2020
Genre: Dokumentation
Länge: 75 Minuten
Kinostart: 04.11.2021
Regie: Noemi Schory
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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