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Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war
Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war
© missingFilms

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war (2019)

La mafia non è più quella di una volta

Schreiend komische Dokumentar-Groteske über die Beziehung von Italiens Süden zur Mafia, die darüber hinaus so echt wie unfassbar istKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Regisseur Franco Maresco kehrt nach seinem letzten Film über Silvio Berlusconi und dessen (mögliche) Beziehungen zur Mafia in seine Heimat im Süden Italiens, Palermo, zurück. In erster Linie möchte er dort über Festivitäten zu Ehren der vor 25 Jahren ermordeten Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino berichten. Bald aber läuft er seinem alten Bekannten, dem halbseidenen "Event-Manager" Ciccio Mira über den Weg, der bisher eher als Casa Nostra-Apologet bekannt war. Nun scheint er sich gewandelt zu haben, er will im Problemviertel ZEN ein großes Festival für Falcone und Borsellino veranstalten und schart dafür alle unmöglichen Künstler um sich, die diese Bezeichnung nicht verdient haben. Maresco möchte von denen (und auch anderen Bewohnern Palermos) hören, wie sie sich von der Mafia distanzieren - jetzt, wo sie doch an einer Feier für zwei legendäre Mafia-Gegner teilnehmen. Doch niemand traut sich vor der Kamera "Nieder mit der Mafia!" oder ähnliches zu sagen - warum?

Neben diesen Vorgängen und der aberwitzigen und chaotischen Planung und Vorbereitung auf das Festival begleitet Maresco auch Letizia Battaglia, eine andere Tochter der Stadt, bekannte Fotografin und seit jeher Anti-Mafia-Aktivistin, die sich ob der beschriebenen Zustände in ihrer geliebten Heimat Palermo irgendwo zwischen Wut, Verzweiflung und Hoffnung befindet.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Es fällt bereits schwer, den Wahnsinn, den "Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war" abbildet, in Worte zu fassen. Hier gilt, was man oft hört, und doch nur selten stimmt: Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben. Knappe 2 Stunden blickt man ungläubig auf die Bilder und fragt sich: Das kann doch nicht wahr sein?! Das muss geskriptet sein! denn kaum hat man eine solch kabarettreife Darbietung gesehen - mit der Pointe, dass das hier Gezeigte echt und wahr und nicht fiktiv ist.

Wo Maresco seine Protagonisten findet, bleibt ein Rätsel, wie die sich dazu hinreißen ließen, unfassbare Dinge vor der Kamera zu sagen, ebenfalls. Diese Dokumentar-Satire wirkt wie aus Zeit und Raum gefallen, ohne Sinn, erschafft einen eigenen Mikrokosmos, der wie die Parodie einer Parodie wirkt. Vergleichbar ist das etwa mit "Tiger King", bei dem man auch oft ungläubig vor dem Bildschirm saß und sich fragte, ob und wie es das wirklich geben kann.

Neben dem enormen Unterhaltungswert, den "Die Mafia...", bietet, bleibt schließlich auch die ursprüngliche Absicht von Bedeutung, die der Regisseur mit dem Dreh hatte: Der Beziehung des Süden Italiens zur Mafia nachzuspüren bzw. der Stimmung in der Bevölkerung in seiner alten Heimat. Dass es vielen "ganz normalen Leuten" auch heute offenbar noch schwer fällt, von den Machenschaften der Casa Nostra zu distanzieren, wirkt aus der Ferne bemerkenswert und befremdlich.

Stilistisch kann Maresco auch mit einigen Assets aufwarten, die den Film zu einem kreativen Kunstwerk werden lassen: Zum einen muss viel Planung und dramaturgisches Geschick dahinterliegen, dass sich normale Menschen so entblößen, und viel Fingerspitzengefühl, das in dieser direkten Form mit der Kamera einzufangen. Ein formaler Kniff ist die schwarz-weiß-Färbung der Bilder (oder Bildsegmente), sobald Ciccio Mira zu sehen ist. Und die beißend-ironische Kommentierung des Gezeigten bringt eine zusätzliche humoristische Qualität ein.

Fazit: Alles in allem ist "Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war" ein enorm unterhaltsamer und sehenswerter Film geworden, der menschliche Abgründe und Exzentrizitäten erforscht, unfassbare Charaktere porträtiert und den Süden Italiens als Ort außerhalb von Raum und Zeit darstellt, in dem ganz eigene Gesetze gelten: Faszinierend.




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Land: Italien
Jahr: 2019
Genre: Dokumentation
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 26.08.2021
Regie: Franco Maresco
Darsteller: Letizia Battaglia, Ciccio Mira, Matteo Mannino
Verleih: missingFilms

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