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Das Starke Geschlecht (2021)

Regisseur Jonas Rothlaender mit einer auf Interviews basierenden dokumentarischen Versuchsanordnung über männliche Sexualität, Machtverhältnisse und Geschlechterklischees.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Regisseur Jonas Rothlaender konfrontiert in seiner dokumentarischen Versuchsanordnung verschiedene Männer mit anonymen Statements anderer Männer. Die Themen: sexuelle (Grenz-)Erfahrungen, traditionelle Rollenbilder und das gegenwärtige Verständnis männlicher Sexualität. Die Folge ist, dass die Interviewten im Anschluss selbst beginnen, sich offen und freimütig über ihre eigenen Erfahrungen zu äußern. Und über ihre Sexualität nachzudenken. Welchen gesellschaftlichen Idealen sieht sich das männliche Geschlecht verpflichtet und haben "typische männliche Traditionen" heute überhaupt noch Bestand?

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Ein Faible für die verbale Erarbeitung von Antworten sowie Interviewsituationen an sich benötigt man hier unbedingt, besteht doch Rothlaenders Film zu weiten Teilen aus Rezitationen, Gesprächs- und Frage-Antwort-Situationen, die sich über 100 Minuten hinziehen. Vor einer schwarzen Wand lesen die befragten Männer Texte vor, die die Aussagen anderer Männer enthalten. Mal tun sie das direkt in die Kamera, mal kommen die vorgetragenen Textauszüge als Voiceover aus dem Off, mal lesen die Interviewten Satz für Satz ab, mal geben sie Passagen mit eigenen Worten wieder.

Und immer wieder stellt der Regisseur seine (Zwischen-)Fragen, hackt nach und ist aus dem Hintergrund zu hören. Sein Umgang mit den Männern ebenso wie seine Herangehensweise sind mutig und beachtlich, schafft er es doch, den Protagonisten innere Befindlichkeiten, ihre Ängste, Sorgen und Vorstellungen rund um Sexualität, Machtstrukturen, geschlechtliche Stereotype und Männlichkeit zu entlocken.

Gut ist, dass "Das starke Geschlecht" Männer verschiedenen Alters (etwa zwischen 30 und Mitte 50) vor der Kamera und bei ihren Äußerungen bzw. Überlegungen versammelt. So entsteht ein mannigfaltigeres, umfänglicheres Bild von männlichen Ansichten und dem Verständnis vom Mit- und Nebeneinander der Geschlechter über verschiedene Altersstrukturen hinweg. Klar wird, dass viele Männer völlig falsche Erwartungen an sich selbst haben und falsch einschätzen, was Frauen eigentlich wollen und wie diese wiederum "Männlichkeit" und "männlich" definieren. Und dass nach wie vor davon ausgegangen wird, als "echter Kerl" dürfe man keine Schwächen zeigen – wie auch immer diese aussehen mögen.

Fazit: Vielschichtiges, hintersinniges filmisches Experiment, das auf kluge Weise Sexualität, Geschlechterrollen, männliche Machtstrukturen und gegenwärtige Stereotypen von Männlichkeit verhandelt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 26.05.2022
Regie: Jonas Rothlaender
Verleih: missingFilms

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