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Kritik: Land (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Umwelt ist nicht nur ein Wahlkampfthema, das Kino beschäftigt sich seit Jahren mit ihr. Egal, ob Klimawandel oder Energiewende – zu jedem Themenkomplex gibt es den passenden Dokumentarfilm und nicht nur einen, unzählige davon. Umweltthema Nummer eins dürfte aber wohl mit deutlichem Abstand die Lebensmittelerzeugung sein. Die Herangehensweisen daran sind ganz unterschiedlich. Fast alle Filme darüber sind aufklärerisch, einige missionarisch, manch andere rein beobachtend. So reduziert wie "Land" ist kaum einer.

Der Titel ist Programm. "Land" zeigt nicht nur den Grund und Boden, auf dem Landwirtschaft und Viehzucht betrieben werden, sondern auch das Landleben drumherum: Dorffeste, Rummelplätze, Spaßbäder, Skihallen – irgendwo im Nirgendwo und oft direkt von Landwirtschaft umgeben. Zu Wort kommt niemand. "Land" kommt völlig ohne Interviews aus. Das unkommentierte Nebeneinander dieser Welten macht Assoziationsräume auf. Irgendwann wirken auch die Menschen nur noch wie Rädchen in einem gut geölten Getriebe, den Pflanzen und Tieren, die sie produzieren und verarbeiten, gar nicht so uneins. Auch sie sind auf ihre pure Funktionalität beschränkt in einem System, das auf Wachstum aus ist.

Eines Kommentars oder auch nur irgendeiner Erklärung bedarf der Regisseur Timo Grosspietsch nicht, um bei seinem Publikum Unbehagen auszulösen. Er reiht lediglich perfekt kadrierte, symmetrische Einstellungen von Masthallen, Molkereien oder Pflanzenfarmen aneinander. Mit einem idyllischen Landleben, das am Zeitschriftenstand propagiert wird, hat das nichts zu tun. In den zum Teil vollautomatisierten Betrieben findet der Mensch (so gut wie) nicht mehr statt.

"Land" blickt auf einen Teil unserer gegenwärtigen Landwirtschaft. Es sieht aus wie ein Blick in eine düstere Zukunft. Die großartige Musik des Jazzpianisten Vladyslav Sendecki tut ihr Übriges. Ein passender, beunruhigender Soundtrack zu einem schaurig-schönen Film.

Fazit: In seinem Dokumentarfilm zeigt Timo Grosspietsch landwirtschaftliche Betriebe von innen – unkommentiert, perfekt kadriert, symmetrisch ins Bild gerückt. Die Sterilität und schiere Funktionalität sind erschreckend und werden wunderbar von Vladyslav Sendeckis beunruhigender Musik ergänzt. Ein nüchterner Blick auf unsere Gegenwart, der wie ein schaurig-schöner Blick in die Zukunft erscheint.




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