oder
Bori
Bori
© barnsteiner-film © Landfilm

Kritik: Bori (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Bori" legt die 1988 geborene Regisseurin Jinyu Kim ihr Spielfilmdebüt vor. Im Zentrum ihres Werks steht die elfjährige Titelheldin, die als Einzige in ihrer vierköpfigen Familie nicht gehörlos ist – und sich deshalb zuweilen fremd vorkommt. Die Frage "Warum kam ich als eine, die anders ist als meine Familie, auf die Welt?", die in Coming-of-Age-Geschichten häufiger verhandelt wird, erfährt in dieser Konstellation eine neue Variation, die auf kluge Weise von Inklusion sowie vom Zusammenhalt innerhalb der Familie erzählt.

Zu den Stärken des Films zählt die Unaufgeregtheit, mit der das Leben von Bori, ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder eingefangen wird. Wir sind dabei, wie die Familie morgens erwacht, wie sie am Frühstückstisch sitzt, wie sie auf ein Fest geht und wie sie den Großvater besucht. In sämtlichen Szenen wird die enge Beziehung zwischen den Familienmitgliedern deutlich. Ohne belehrend anzumuten, gelingt es "Bori", vieles über die Erfahrungen von Gehörlosen zu vermitteln. So erklärt Boris Vater seiner Tochter etwa, dass er als Kind oft verspottet wurde und dass sich somit einiges im Umgang mit Gehörlosen verbessert hat. Zugleich lässt der Film erkennen, dass es noch immer zu Diskriminierungen kommt – auch wenn diese teilweise weniger offensichtlich geschehen.

Darüber hinaus hat das Werk zahlreiche schöne, warmherzige Momente zu bieten – wenn etwa der Schulalltag von Bori gezeigt wird oder wenn Bori, nachdem sie ihre Familie auf einem großen Straßenfest verloren hat, in einer Polizeistation landet und sich dort mit einer jungen Polizistin anfreundet, die Sojanudeln bestellt, um das verängstigte Mädchen zu trösten. Die Hauptdarstellerin Ahsong Kim liefert eine durchweg tolle Leistung.

Fazit: Ein zarter, liebevoller und gut gespielter Film, der sich seinem Thema mit Feingefühl widmet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.