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Garagenvolk
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Kritik: Garagenvolk (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Garagenvolk" ist das Debüt der russischen Filmemacherin Natalija Yefimkina, der auf der diesjährigen Berlinale sein Debüt feierte. Die Produktion des Films nahm insgesamt drei Jahre in Anspruch, der Dreh selber dauerte 30 Tage und fand zwischen Sommer 2017 und Winter 2018 statt. Gedreht wurde in einigen kleinen Orten und Städten nördlich des Polarkreises.

Differenziert und mit viel Sorgfalt beobachtet Yefimkina all die kauzigen, liebenswürdigen Männer, die sich in der Siedlung sowie in ihren Garagen, die als Art Mikrokosmos fungieren, eingerichtet haben. Darunter der Schrottsammler Ilja, der seine Garage als Produktionsstätte nutzt, der Künstler Pavel oder Viktor, der seine Garage in mühevoller Kleinarbeit um einige Stockwerke ergänzt hat. Ihnen allen kommen wir näher und wir lernen sie besser kennen, da Yefimkina genau zuhört, unauffällig beobachtet und zuvorderst die richtigen Fragen stellt.

Angenehm ist, dass der Zuschauer die Infos über die Geschichte, Hintergründe, Schicksale und persönlichen (Leidens-)Geschichten der Männer zu weiten Teilen über die Gespräche und Unterhaltungen untereinander erfährt. Klassische Elemente fast aller Dokus, darunter Off-Kommentierungen und Interviews, auf die die Filmemacherin bewusst verzichtet, fehlen. Aber man vermisst sie auch nicht. Die Stimmung und die Erkenntnisse erschließen sich rein durch die Beobachtungen. Beachtlich ist zudem, wie sehr sich die Männer öffnen und ihren "Garagen-Nachbarn" von den individuellen Schicksalen und Traumata berichten – immerhin ist trotz der Zurückhaltung Yefimkinas ja stets die Kamera mit dabei.

Einer der Bewohner leidet unter einer Parkinson-Krankheit, weshalb er seine Arbeit verlor. Ein anderer musste den Tod zweier Ehefrauen verkraften, die Krankheiten zum Opfer fielen. Doch "Garagenvolk" spendet auch Hoffnung, etwa wenn die Männer voller Zuversicht und mit glänzenden Augen von ihren Wünschen und Träumen erzählen.

Fazit: Betont schlicht und unaufdringlich realisierter, sehr menschlicher Film über einen besonderen Schlag eigenbrötlerischer, sympathischer Zeitgenossen.




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