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Kritik: Small World (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der polnische Regisseur Patryk Vega widmet sich in "Small World" einem düsteren, für die verantwortlichen Täter leider sehr einträglichen Kapitel bzw. Geschäft internationaler Kriminalität: dem Kinderhandel. Jahr für Jahr werden weltweit über 1,5 Millionen Kinder zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung oder des Organhandels entführt. Genau darauf will Vega mit "Small World", der in Polen viel Aufmerksamkeit erregte, verweisen und den Blick auf die Opfer lenken.

"Small World" ist keine leichte Kost und das liegt natürlich vor allem an seinem Kernthema und den Informationen, die er vermittelt. Schmerzliche, aber wahre Infos über Themen wie menschlichen Sklavenhandel, Pädophilie und Kindesentführung. Hin und wieder legt Vega seinen Handelnden die mahnenden, informierenden Sätze etwas zu offensichtlich und gewollt in den Mund, das hat dann leicht etwas von Zuschauerbelehrung. Andererseits aber geht es hier auch um gesellschaftlich höchst relevante, zentrale Themen und kriminelle Taten, die nicht genug aufmerksam bekommen können.

Passend zur beklemmenden Thematik und der düsteren Tonalität findet Vega eine unheilvolle, dringliche und immer wieder von grauen Farbnuancen bestimmte Bildsprache, die sich als stimmig und kohärent erweist. Die Action- und Kampfszenen sind mit wackliger Handkamera gefilmt, was dem Geschehen eine ungeheure Dringlichkeit und Unmittelbarkeit verleiht. Im Zentrum dieser Szenen steht meist der großartige Piotr Adamczyk als Robert Goc, der hier nicht als strahlender Held erscheint. Vielmehr als schwer durchschaubare, innerlich zerrissene Person, die ihrerseits das ein oder andere dunkle Geheimnis hütet. P

iotr Adamczyk spielt einerseits mit würdevoller Zurückhaltung, nur um diese Passivität hin und wieder sowie völlig unerwartet durch seine unbändige Energie und Willenskraft zu durchbrechen. Die Schicksale der Mädchen und Teenager zeigt "Small World" nie explizit, aber er deutet sie an: auf Bildern, in Erzählungen oder in kaum zu ertragenden Szenen, die die Opfer nur kurz und vor den eigentlichen Misshandlungen mit ihren Peinigern zeigen. Den Rest und die weiteren Abläufe kann sich der Zuschauer denken. Und das ist brutal genug.

Fazit: Mutiger, von einer alptraumhaften Stimmung durchzogener und gut bebilderter Thriller, dessen rauer Erzählton und rasante Inszenierung im Gedächtnis bleiben.




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