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Hochwald (2021)

Drama über einen jungen Außenseiter in einem Südtiroler Dorf, der um seinen Freund trauert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Mario (Thomas Prenn) träumt von einer Karriere als Tänzer. Der gelernte Konditor jobbt in seinem Südtiroler Heimatdorf als Aushilfe, wo er gerade gebraucht wird. Er spritzt sich heimlich Drogen und steht dem Metzger für etwas Geld sexuell zu Diensten. Sein Kindheitsfreund Lenz (Noah Saavedra) kommt aus Wien zu Besuch und erzählt, dass er nach Rom zieht, mit einem Begabtenstipendium. Er will Mario mitnehmen und mit seinem Künstleragenten bekannt machen. Mario fährt mit. Sie feiern in einer Schwulenbar in Rom, die von islamistischen Terroristen gestürmt wird. Lenz stirbt im Kugelhagel und Mario kehrt ins Dorf zurück.

Man redet im Dorf über die Beziehung der beiden Männer und Mario ist mit seinem Schmerz allein. Er fährt oft nach Bozen, um sich Heroin zu spritzen und trifft dort zufällig Nadim (Josef Mohamed), den er aus der Ausbildungszeit kennt. Der junge Moslem verteilt den Koran an Passanten und nimmt Mario in seine WG gläubiger Männer mit. Dort predigt der Imam (Kida Khodr Ramadan) über das gottgefällige Leben. Mario hört mit widerstreitenden Gefühlen zu, ist aber willkommen. Im Dorf feinden ihn die Leute wegen seines neuen Umgangs an.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In ihrem aufsehenerregenden Regiedebüt erzählt Evi Romen nach eigenem Drehbuch die Geschichte eines Außenseiters in einem Südtiroler Bergdorf. Mit nüchternem Realismus und ohne Mitleid beobachtet sie, wie sich der junge queere Mario im Alltagsgrau an seinen Traum vom Tanzen klammert. Dann überlebt er einen Terroranschlag, bei dem sein Freund erschossen wird und rutscht noch tiefer in die Isolation. Wie er in seiner Not Wege einschlägt, die andere nicht verstehen und vielleicht nicht einmal er selbst, schildert die Südtirolerin Romen mit viel Sinn für Zwischentöne und scheinbar Ungereimtes. Gerade weil der Film darauf verzichtet, die Handlung mit erklärender Logik zu begradigen, vermag er zu berühren und zu überzeugen.

Warum spritzt sich Mario Rauschgift, worauf wartet er in diesem Dorf, in dem es so wenig für ihn gibt? Zeugte er bei dem Dreier, den Lenz und er mit Claudia hatten, das Kind, das sie nun von ihm fernhält? Die Ausgangslage des Helden ist undurchsichtig und seine Überlegungen bleiben es weiterhin. Mal setzt er seine silberweiße Lockenperücke auf und tanzt gelöst mit großer Disco-Geste, wie einst John Travolta. Dann wieder wirkt er unscheinbar als jemand, der im sozialen Gefüge des Dorfes ganz am Rande steht. Thomas Prenn spielt Mario beeindruckend als Charakter, in dessen wortkarge Empfindsamkeit sich ein trotziger Zug mischt. Seine Queerness, sein Interesse an Männern werden wie beiläufig gestreift, ganz so, als sei sich Mario nicht sicher, wem er sich im Dorf zeigen könnte.

Mit der Trauer um seinen erschossenen Freund beginnt für Mario die innere Abnabelung vom Dorf, in das er aus Rom zurückkatapultiert wurde. Das Dorf ist vereint in der Wut auf Muslime, weil ihre Religion auch die der Terroristen von Rom ist. Auch Mario formt die Hand zum fantasierten Schuss auf die Gläubigen, die den Koran am Bozener Bahnhof verteilen. Aber Nadim, seine Mitbewohner und der Imam stellen eine Männergemeinschaft dar, die Marios Wünschen mehr als alles entgegenkommt, was er im Dorf erlebt. Man nimmt sich seiner an.

Die Kamera verweigert den touristischen Blick auf Bozen und die ländliche Umgebung. Alles wirkt rau, oft ein bisschen schäbig und gar nicht anheimelnd. Wenn er allein in der Mehrzweckhalle tanzt oder mit der Perücke auf dem Kopf durch den Wald springt, flirtet Mario mit einer Freiheit, die viele Gesichter hat – Sehnsucht nach Liebe, nach der Ferne, nach dem Tod. Aber die Momente, in denen Mario tanzt, sind kurz. Auch in seiner Selbstbefreiung blüht er weniger auf, als dass er Abschied nimmt.

Fazit: In ihrem Regiedebüt erzählt Evi Romen das berührende Drama eines jungen Außenseiters in einem Südtiroler Bergdorf. Weder mit seinem Traum von einer Karriere als Tänzer, noch mit seinem Interesse für Männer passt der unsichere Held in seine traditionelle Umgebung. Nach dem Tod seines Freundes probiert er trauernd Wege, die auf Unverständnis stoßen. Dieser Film beeindruckt, weil er die raue und widersprüchliche Realität nicht erklärend vereinfacht.










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Land: Österreich, Belgien
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 107 Minuten
Kinostart: 07.10.2021
Regie: Evi Romen
Darsteller: Thomas Prenn als Mario, Noah Saavedra als Lenz, Marco di Sapia
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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