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Der Siebzehnte
Der Siebzehnte
© dejavu filmverleih

Kritik: Der Siebzehnte (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer Sinn für skurrile Geschichten hat, wird bei diesem Spielfilm möglicherweise auf seine Kosten kommen. Mal sieht man Daniel mit Bella, mal Daniel mit Bellas Partner Andreas im Bett herumalbern, dann wieder gehen die Drei zusammen ins Grüne. Eine zusammenhängende Handlung gibt es hier nur in Ansätzen, das Regieduo Saskia und Ralf Walker ("Sprache: Sex") legt mehr Wert auf die Betrachtung einzelner Situationen, die sich wie Schnipsel aneinanderreihen. Eine logische Anordnung, etwa entlang einer Zeitachse, ist dabei nicht wichtig. Die Inszenierung spiegelt die Offenheit, mit der die Charaktere ihre Beziehungen gestalten und spontanen Ideen folgen.

Wer die Charaktere sind, was sie ausmacht, scheint unwichtig, nur um ihr Verhalten und ihre Wünsche im Moment geht es. Die Dreiecksbeziehung, die Bella, Andreas und Daniel leben, wirkt wie eine experimentelle Fantasie, eine Frage ans Publikum, wie es denn wäre, Bisexualität und erotisch erweiterte Freundschaften als etwas Selbstverständliches aufzufassen. Diese drei Freunde haben sich eine naive Unbekümmertheit bewahrt, die sich nicht um Konventionen schert. Man sieht es den Darsteller*innen an, dass sie viel Freude am improvisiert wirkenden Spiel haben. Ob die manchmal von Kichern begleiteten Dialoge auch einen Sinn ergeben, der sich Außenstehenden erschließt oder sie fesseln könnte, scheint eher Nebensache zu sein.

Aber immer wieder blitzt in diesen offenen Konstruktionen, die lauter unpassende Einfälle bis zur Zerfaserung zulassen, Witz auf. Lange stehen Bella, Andreas und Daniel einmal auf einer Dachterrasse in Wien herum, da sagt Daniel, man müsste mal ringen, "etwas Körperliches". Das Zentrum des ganzen Films scheint der spontane Grillabend im Grünen bei der Wildschweinjägerin zu sein. Das Geschehen steht eigentlich für sich, wie es so die unterschiedlichsten Leute versammelt, die sich nicht kennen und auch im Gespräch mehr Missverständnisse und Sackgassen produzieren, als eine Stimmung, die verlässlich trägt. Der alte namenlose Mann sagt zur Erheiterung des Kinopublikums immer, was er über die anderen denkt. Manche Szenen weisen eine Nähe zur Realität auf, die Vergnügen bereitet, andere aber bewirken mit ihrer Versponnenheit oder weil sie unvermittelt abgebrochen werden, dass der ganze Film irgendwie rätselhaft anmutet.

Fazit: Der Spielfilm von Saskia und Ralf Walker mäandert um die Dreiecksbeziehung eines Paares mit einem langjährigen Freund. Die Charaktere, die vom Regieduo und Devid Striesow mit Spaß am Herumalbern und an improvisiert wirkenden Dialogen gespielt werden, leben oft ganz im Moment. Dabei fahren sie ihre Antennen aus für spontane Begegnungen oder folgen eigenen Eingebungen, die sich keinem Plan zu fügen scheinen. Die oft skurrile, mal witzige, mal rätselhafte Handlung und die Inszenierung springen munter von einem Puzzleteil zum anderen, so dass ein Plädoyer für mehr Neugier und Offenheit im Alltag entsteht.




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