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Who's Afraid of Alice Miller? (2021)

Drama des begabten Kindes: Schweizer Dokumentarfilm über das schwierige Verhältnis des Therapeuten Martin Miller zu seiner berühmten Mutter.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Alice Miller, 1923 als Alicja Englard in Polen geboren und 2010 in Frankreich gestorben, zählte zu den bekanntesten Schweizer Psychologinnen. Ihr Buch "Das Drama des begabten Kindes" (1979), das in unzählige Sprachen übersetzt wurde, machte sie weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Zeitlebens trat Miller als Advokatin für Kinderrechte auf und engagierte sich gegen Kindesmissbrauch, schrieb diesbezüglich etwa an Politiker wie den britischen Premierminister Tony Blair oder an Kirchenoberhäupter wie den Papst.

Erst nach Millers Tod kam an die Öffentlichkeit, dass ihr Sohn Martin, der seiner Mutter beruflich gefolgt ist und heute als Therapeut arbeitet, von seinem Vater, dem Soziologen Andreas Miller, jahrelang psychisch und physisch misshandelt wurde, während Alice Miller tatenlos zusah. Nach dem Tod seiner Mutter begab sich Martin Miller auf Spurensuche. Der Regisseur Daniel Howald hat ihn in seinem Dokumentarfilm dabei begleitet.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Wer hat Angst vor Alice Miller?" lautet der Titel dieses Dokumentarfilms ins Deutsche übersetzt. Und wer Martin Miller sieht, diesen gewaltigen Mann, neben dem Irenka Taurek, die Cousine seiner Mutter, wie ein Kind ausschaut, der wird nicht glauben, dass Martin Miller vor irgendetwas Angst hat. Doch auch dieser Mann war einmal ein Kind und hatte Angst vor seinem Vater, der ihn schlug, und vor der Mutter, die ihm mit Gefühlskälte begegnete.

Für seinen Dokumentarfilm hat Daniel Howald Martin Miller auf seiner Spurensuche begleitet. Der Sohn der berühmten Psychologin Alice Miller, die dem Film den Titel gibt, ist inzwischen selbst Therapeut. Seine traumatische Kindheit verfolgt ihn bis heute. Die Spurensuche wird immer stärker zu einer Art Therapie, je länger sie dauert, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht. Denn Martin Miller scheint lange Zeit unversöhnlich mit seiner 2010 verstorbenen Mutter.

Martins Suche beginnt in den USA, wo er die Cousine seiner Mutter besucht. Irenka Taurek ist die letzte Holocaust-Überlebende aus Martins Familie und kurz nach den Dreharbeiten gestorben. Der Film ist ihrem Andenken gewidmet. Martin trifft Irenka in Warschau wieder, wo seine Mutter während des Zweiten Weltkriegs im Untergrund des Ghettos als Lehrerin unterrichtete, und fährt mit Irenka in Alice Millers Geburtsort Piotrków Trybunalski. Hier wie dort steigen sie gemeinsam mit Historikerinnen und Historiekern in die Archive und versuchen mehr über Martins Eltern in Erfahrung zu bringen. Dabei fördern sie auch Dinge zutage, die Martin bislang nicht wusste.

Daniel Howald hat seinen Dokumentarfilm recht klassisch gestaltet. Er folgt seinem Protagonisten chronologisch auf dessen Spurensuche, die ihn zwischendurch nach Berlin führt, wo er sich mit dem Therapeuten seiner Mutter unterhält. In den stillen Momenten liest die Schauspielerin Katharina Thalbach aus dem Off Briefe vor, die Alice Miller ihrem Sohn geschrieben hat. Deren Inhalt ist zunächst bitterböse und schlägt erst zu Millers Lebensende hin einen einsichtigen und versöhnlichen Ton an.

Howalds Film erzählt vom Schweigen vieler Holocaust-Überlebender und von den Traumata, die die Elterngeneration auf die zweite Generation vererbt hat. Sein Film zeigt aber auch, dass eine Versöhnung – selbst über den Tod hinaus – möglich ist.

Fazit: Der Dokumentarfilm "Who's Afraid of Alice Miller?" begibt sich zusammen mit seinem Protagonisten auf Spurensuche. Regisseur Daniel Howald ist ein sensibler Film über die Aufarbeitung eines Kindheitstraumas, über eine verschwiegene Familiengeschichte und über eine späte Versöhnung geglückt.




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Land: Schweiz
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 101 Minuten
Kinostart: 11.11.2021
Regie: Daniel Howald
Darsteller: Alice Miller, Martin Miller, Anna Dodziuk
Verleih: Arsenal

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