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Kritik: A Dark Song (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Liam Gavins Langfilmdebüt hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ab Juli 2016 tourte der Spukhaus-Horror rund um den Globus und machte vornehmlich auf Festivals für den phantastischen Film Station. In Deutschland ist er mehr als fünf Jahre nach seiner Weltpremiere jetzt in ausgewählten Kinos zu sehen und hat nichts von seiner Faszination verloren.

Die Kategorie des Spukhaus-Horrors trifft es allerdings nicht ganz, ebenso wenig die eines Teufelsanbeter- oder Dämonenbeschwörungs-Films, denn Gavin, der das Drehbuch für seinen erstaunlichen Erstling selbst geschrieben hat, macht darin vieles anders als aus vergleichbaren Horrorstreifen gewohnt. Zunächst einmal nimmt er das vorgeführte Ritual ernst. Es handelt sich nicht nur um ein tatsächlich existierendes Ritual, es dauert auch mehrere Monate, in deren Verlauf nicht nur die handelnden Figuren, sondern auch das Kinopublikum jegliches Zeitgefühl verliert.

Schon diese Prämisse lässt einem beim Zusehen die ersten Schauer über den Rücken laufen. In Gavins Film ist zunächst alles eine Nummer größer: Das Ritual wird nicht in einem einzelnen Zimmer, sondern in einem riesigen Herrenhaus vollzogen, das während des Rituals nicht verlassen werden kann. Und es wird nicht in einer einzigen Nacht durchgeführt, sondern erstreckt sich über mehrere Monate. Beste Voraussetzungen also, denn der Schrecken kann hinter unzähligen Türen und in der Zusammensetzung dieser außergewöhnlichen Zweckgemeinchaft lauern.

Liam Gavin macht daraus zum Glück keine handelsübliche Horrorware, in der sich hinter jeder Ecke ein jump scare versteckt. Sein Film ist klaustrophobisches Kammerspiel und psychologischer Horror, denn zunächst passiert nichts. Gruselig ist nicht die Welt, die sich hinter der für uns sichtbaren Welt verbirgt, sondern der Umgang der handelnden Personen miteinander. Der wahre Horror besteht darin, was die von Catherine Walker gespielte Sophia bereit ist, über sich ergehen zu lassen. Auch als die Portale schließlich geöffnet sind, erzählt und inszeniert Gavin das mit Bedacht. "A Dark Song" ist kein Film, der einen permanent aus dem Kinositz reißt, sondern ganz langsam immer tiefer darin versinken lässt.

Fazit: "A Dark Song" ist ein erstaunlicher Erstling. Mit geringem Budget und innerhalb von 20 Tagen gedreht, zeigt Regisseur Liam Gavin, dass es für atmosphärisch dichten Horror nicht viel bedarf. Ein gruseliges Set, zwei gute Schauspieler und ein Ritual, das der Film ernst nimmt, genügen. "A Dark Song" bietet Horror, der ganz allmählich einsickert und auf den man sich einlassen muss.




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