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Meine Wunderkammern
Meine Wunderkammern
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Meine Wunderkammern (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit diesem Dokumentarfilm begibt sich die Regisseurin und Drehbuchautorin Susanne Kim ("Trockenschwimmen") in die Gefilde kindlicher Fantasie. Die vier Kinder, die sie porträtiert, nehmen das Publikum in ihre Traumwelten mit. Bei der visuellen Ausgestaltung und Inszenierung haben sie sich kreativ eingebracht und auch die Lieder, die gesungen werden, mitentwickelt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus dokumentarischer Betrachtung des realen Alltags und aus Spielszenen. In einer Art Rahmenhandlung begibt sich die zehnjährige Doro auf die Suche nach Kindern, die plötzlich in einem blauen Licht verschwinden. Auch ihre Meerschweinchen sind mit ihnen fortgegangen. Wo ist der geheime Ort, zu dem Erwachsene keinen Zugang haben? Begleitend zum Film entstand auch ein Virtual-Reality-Projekt, das Betrachter*innen noch unmittelbarer in die Fantasieräume mitnimmt.

Kim macht auf die Not von Kindern aufmerksam, die soziale Ausgrenzung erfahren, weil sie ein wenig anders sind. Sie funktionieren entweder in der Schule nicht so schnell und so reibungslos, wie das die Ideale der Leistungsgesellschaft vorschreiben, oder sie werden wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft gemieden und herabgesetzt. Indem Kim die Kinder von sich erzählen lässt und ihren Traumwelten zu einer filmischen Form verhilft, will sie den Blick auf ihren inneren Reichtum und ihr Potenzial lenken. Roya, Elias, Joline und Wisdom haben so viel mitzuteilen und so viele schöne Ideen, die es anzuschauen und auszuprobieren lohnt. Es gibt allerhand gespielte Szenarien, in denen sich Kinder als blaue Käfer verkleiden oder auf ein weißes Floß stellen und bunte Animationsfiguren, die sich ins Bild schmuggeln.

Das filmische Geschehen malt aus, wie es ihnen gelingen könnte, die Mauer der Isolation zu durchbrechen, den erlebten sozialen Stress zu überwinden. Dieses gut gemeinte Konzept wird jedoch selbst einen inneren Zwiespalt nicht ganz los. Indem nur Kinder mit Problemen ausgewählt wurden, engen die Nöte den Blick doch wieder ein. Um wirklich eine emotionale Fallhöhe aufzubauen und Kritik am Umgang mit Kindern, am Anpassungsdruck und fehlenden Verständnis zu üben, hätte es ein radikaleres Konzept und vielleicht auch eine größere Nähe zu den Kindern selbst gebraucht. Hier mündet das Geschehen zwischen den Mutmachliedern doch etwas rasch in die pädagogische Absicht des Trosts und der Integration.

Fazit: In diesem Dokumentarfilm von Susanne Kim öffnen vier Kinder ihre Fantasiewelten für das Publikum. Mit kreativ ausgeschmückten Spielszenen und bunten Animationsfiguren setzt die gemeinsam mit den Protagonist*innen entwickelte Handlung ein Gegengewicht zur Wirklichkeit, in der die Kinder soziale Ausgrenzung und schulischen Stress erfahren. So lenkt der Film die Aufmerksamkeit auf die Fähigkeiten und das Potenzial der Kinder, die sich danach sehnen, angenommen und positiv gesehen zu werden. Diesem Anliegen ist nicht zu widersprechen, aber die pädagogische Botschaft rückt selbst allzu rasch in den Mittelpunkt.




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