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Coppelia (2021)

Bildgewaltiges Ballett: Steven de Beul, Ben Tesseur und Jeff Tudor haben das gleichnamige Stück in einer Mischung aus Real- und Animationsfilm adaptiert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
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In ihrer kleinen, malerischen Stadt betreibt die junge Swan (Michaela DePrince) ihren eigenen Saftladen. Sie schwärmt für Franz (Daniel Camargo), den Betreiber einer Fahrradwerkstatt, wovon dieser allerdings nichts weiß, weil die zwei sich in unterschiedlichen Freundeskreisen bewegen. Gerade als sich die beiden näherkommen, erscheint Doktor Coppelius (Vito Mazzeo) auf der Bildfläche. Der Arzt eröffnet eine gigantische Schönheitsklinik, in die die Stadtbewohner, darunter auch Swans Mutter (Glynis Terborg), der Bäcker (Irek Mukhamedov) und die Bürgermeisterin (Darcey Bussell), in Scharen strömen. Schlimmer noch: Franz hat bald nur noch Augen für Doktor Coppelius' künstliches Wesen Coppelia. Nun liegt es an Swan, ihren Geliebten aus den Fängen des Doktors zu befreien.

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Erst kam das Märchen, dann ein Ballett, nun dessen Verfilmung. 1816 veröffentlichte E. T. A. Hoffmann seine Schauergeschichte "Der Sandmann". Darin geht es um einen Studenten, der sich unsterblich in eine mechanische Puppe, die er für ein echtes Mädchen hält, verliebt und darüber beinahe seinen Verstand verliert. "Der Sandmann" zählt zu Hoffmanns bekanntesten Werken und ist allein in der Musik zahlreich adaptiert worden, unter anderem in Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" (1851). Léo Delibes machte 1870 das komische Ballett "Coppelia oder Das Mädchen mit den Glasaugen" daraus, das jetzt verfilmt wurde.

Die Regisseure Steven de Beul, Ben Tesseur und Jeff Tudor nehmen sich einige Freiheiten gegenüber der Vorlage. Ihre Version der Geschichte, die 2021 beim Festival d’Animation in Annecy Premiere feierte, ist nicht originalgetreu, sondern basiert auf einer Aufführung des Niederländischen Nationalballetts aus dem Jahr 2008. Darin wurde die Handlung modernisiert und an unsere Gegenwart angepasst. Aus dem Bösewicht Coppelius, einem Spielzeugmacher, wurde ein Schönheitschirurg. In der Verfilmung treibt das Regietrio, das auch gemeinsam das Drehbuch verfasst hat, diese Idee auf die Spitze. Denn die Schönheit, die der sinistre Doktor seinen Kundinnen und Kunden verpasst, ist nur aufgesetzt. Ein optischer Trick wie aus einer virtuellen Welt – und damit auch ein Kommentar auf unsere Mediennutzung zwischen Foto-Filtern und Avataren.

Die Umsetzung dieser künstlichen Welt voller vollständig am Computer erzeugten Figuren ist indes das größte Manko. Sie kommt so künstlich daher, dass die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschritten wird. Das ist schade, da der Rest des Films durch seine Mischung aus Tanz und gezeichneten Kulissen überzeugt. Allerdings nie vollends. Denn die Inszenierung all dessen birgt ein weiteres Problem. De Beul, Tesseur und Tudor setzen zu sehr auf übersichtliche Tableaus, die alles wie auf einer Theaterbühne zeigen, und zu wenig auf filmische Mittel wie beispielsweise einen rhythmischen Wechsel der Einstellungsgrößen und die Dynamik des Schnitts. Dadurch wird man bis zuletzt das Gefühl nicht los, abgefilmtem Theater zuzusehen.

Fazit: Die Ausgangsidee, Tanz, Animation und Film miteinander zu verbinden, ist großartig. Deren Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig. In ihrer ebenso eigenwilligen wie ambitionierten Adaption des gleichnamigen Balletts setzt das Regietrio Steven de Beul, Ben Tesseur und Jeff Tudor zu wenig auf filmische Mittel, wodurch ihr Film stets ein bisschen zu sehr nach abgefilmtem Theater aussieht.




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Land: Niederlande, Belgien, Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Animation, Märchen, Tanzfilm
Länge: 82 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 03.03.2022
Regie: Steven de Beul, Ben Tesseur, Jeff Tudor
Darsteller: Darcey Bussell als Mayor, Daniel Camargo als Franz, Igoné de Jongh als Ballet Teacher
Verleih: 24 Bilder, SquareOne

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