oder
Remi - sein größtes Abenteuer
Remi - sein größtes Abenteuer
© Filmverleih

Kritik: Remi - sein größtes Abenteuer (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die abenteuerliche Geschichte eines Findelkindes, das mit einem Straßenkünstler durch Frankreich zieht und dem Geheimnis seiner Herkunft auf die Spur kommt, steckt voller Drama. So kann es in diesem Kinderfilm, der im 19. Jahrhundert spielt, auch richtig traurig werden. Aber die berührende und spannende Odyssee des Knaben Rémi, der in dem Straßenkünstler einen gütigen Ersatzvater auf Zeit findet, erzählt vor allem von der Kraft der Liebe. Auch ein elternloses Kind kann Fürsorge und Geborgenheit erfahren und später, wie die Rahmenhandlung zeigt, anderen jungen Menschen schenken.

Der Roman "Sans famille" von Hector Malot aus dem Jahr 1878 wurde im Lauf der Jahrzehnte schon öfter verfilmt, aber mit diesem Werk von 2018 ist Regisseur und Drehbuchautor Antoine Blossier eine reiz- und stilvolle neue Adaption gelungen. Die Geschichte, die ein wenig an "Oliver Twist" von Charles Dickens erinnert, lebt von der Beziehung zwischen Rémi und dem Straßenkünstler. Daniel Auteuil spielt den Mann, der sich Monsieur Vitalis nennt, seit er seinem Leben als gefeierter Geigenspieler den Rücken gekehrt hat, mit viel Herz. Obwohl er Rémi als Sänger auftreten lässt, ist er das Gegenstück zu den in vielen Romanen und Filmen vorkommenden Charakteren, die arme Kinder in ihre Obhut nahmen, um sie gnadenlos auszubeuten und zu misshandeln.

Auch Maleaume Paquin, der junge Darsteller Rémis, weiß zu überzeugen mit seinem natürlichem Spiel und Charme. Rémi schenkt Monsieur Vitalis, der schwer an einem Schicksalsschlag trägt, die Liebe eines Sohnes. Um dieses Duo gruppieren sich eine Reihe weiterer Figuren, die beiden erfahren Unterstützung, aber auch Not und Verfolgung. Die Klassenunterschiede werden deutlich, wenn Vitalis und Rémi bei einer reichen Familie auftreten, die einen Kindergeburtstag feiert. Rémi soll unterhalten, aber nicht mit den Gästen mitspielen.

Obwohl so viel geschieht und die Schauplätze oft wechseln, wirkt der episch erzählte Film nie unruhig. Die Kostüme, die Städtchen mit engen Gassen und steinernen Häusern, die Landschaften, durch die Vitalis und sein Zögling wandern, die Scheunen und Mühlen, in denen sie schlafen, lassen einen sinnlich ins Geschehen eintauchen. Heulende Wölfe kreuzen auf und Vitalis’ Hund muss sich wiederholt bewähren. In diesem sehenswerten Kinderfilm mischen sich Ernst, Gefühlswärme und Optimismus auf gelungene Weise.

Fazit: Antoine Blossiers Verfilmung eines Romans von Hector Malot aus dem Jahr 1878 bietet Abenteuer und ernstes Drama für Kinder und Familien. Im Zentrum der fesselnden Geschichte eines Findelkindes steht dessen herzliche Beziehung zu einem Kleinkünstler, der mit ihm durch das Land wandert und es als Gesangstalent auftreten lässt. Der französische Filmstar Daniel Auteuil und der Jungdarsteller Maleaume Paquin ergeben ein Duo, das auf lebhafte Weise harmoniert. Eingebettet ist die ereignisreiche, aber nie unruhig wirkende Geschichte in reizvolle Landschaften und die Kulissen einer vergangenen Epoche.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.