oder
Kinder der Hoffnung
Kinder der Hoffnung
© Film Kino Text © Die FILMAgentinnen

Kritik: Kinder der Hoffnung (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In ihrem Dokumentarfilm "Kinder der Hoffnung" blickt die Regisseurin Yael Reuveny auf ihre Vergangenheit in Israel zurück und macht zugleich eine sehr persönliche Bestandsaufnahme, indem sie ihre eigene aktuelle Lebenssituation betrachtet und zudem die Menschen aufsucht, mit denen sie im Jahre 1988 eingeschult wurde und für ein Klassenfoto posierte. In alten Super-8-Aufnahmen lässt sie die damalige Zeit wieder aufleben. "Mit uns sollte ein Traum in Erfüllung gehen", kommentiert sie die Bilder, die etwa zeigen, wie eine Gruppe von Achtjährigen über die Liebe zum eigenen Land, zum Staat Israel, singt.

Die heute 40-jährige Reuveny verließ ihre Heimat vor einer Dekade und ging nach Deutschland. Eindringlich schildert sie uns via Voice-over, wie sie sich im Widerspruch des Exils gefangen fühlt. Sie ist Teil einer Patchwork-Familie und hat keine Kinder zur Welt gebracht, weshalb sie glaubt, den Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, nicht gerecht worden zu sein. Ebenso beeindruckend fallen die kurzen Porträts der Frauen und Männer aus, die einst mit Reuveny zur Schule gingen. In angenehm natürlichen Gesprächsmomenten, in denen die Befragten gelöst wirken und sehr offen und ehrlich von ihrem Alltag und ihren Gefühlen erzählen, wird deutlich, was diese Generation bewegt. Wir erleben die Ex-Mitschüler*innen auf dem ehemaligen Schulhof, in ihren jetzigen Wohnzimmern, in Lokalen, bei der Arbeit oder beim Spielen mit den Kindern. Die beruflichen Wege, die sie eingeschlagen haben, sind höchst unterschiedlich – und doch gibt es verbindende Elemente.

"Ich habe im Verlauf meines Lebens eine Liste abgehakt, um meinen Eltern und meinem Umfeld zu gefallen", heißt es an einer Stelle. Irgendwann sei dann die Erkenntnis gekommen: "Wow, ich habe alles getan, was man mir gesagt hat, aber ich habe das Gefühl, etwas verpasst zu haben." Solche Einsichten über gesellschaftlichen Druck, über vorgelebte Rollen und die Suche nach dem individuellen Glück werden von Reuveny auf faszinierende Weise festgehalten.

Fazit: Ein einfühlsamer Blick auf die Geschichte und die Gegenwart Israels mit persönlicher Note und spannenden Interviews.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.