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Kritik: Windstill (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Windstill" ist das Spielfilmdebüt der Drehbuchautorin und Regisseurin Nancy Camaldo, das seine Premiere auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 feierte. Erzählt wird vom Leben zweier Schwestern – zunächst in parallelen Handlungssträngen, später vereint am Ort ihrer gemeinsamen Kindheit. Das Werk schildert eine Slice-of-Life-Story; es liefert einen Ausschnitt aus dem Alltag seiner Hauptfiguren und lebt von der präzisen Beobachtung, der feinsinnigen Schauspielführung und der eindrücklichen Verkörperung.

So gelingt es Camaldo, die Frustration und Überforderung der jungen Mutter Lara in intensiven Momenten zu vermitteln. Giulia Goldammer, die 2019 in einem Nebenpart in der Komödie "Und wer nimmt den Hund?" zu sehen war, bringt die Gefühle und die psychische Belastung von Lara überzeugend zum Ausdruck, ohne hierfür viele Worte zu benötigen.

Die drei zentralen Figuren in "Windstill" – Lara, ihr Freund Jakob und ihre Schwester Ida – sind komplexe, widersprüchliche und nicht zwingend sympathische Charaktere und gerade deshalb so glaubhaft. Der Film hakt keine Plot-Points ab, sondern lässt sein Personal treiben. Er ergreift nicht Partei, bewertet und verurteilt nicht, sondern schaut einfach nur ganz genau hin. Die Arbeitssituation von Jakob und dessen Versuche, als plötzlich alleinerziehender Vater eines kleinen Kindes zurecht zu kommen, werden ebenso eindringlich festgehalten wie das schwierige, von Verletzungen geprägte Verhältnis zwischen den Schwestern.

Neben Goldammer und Thomas Schubert ("Atmen", "Wintermärchen") überzeugen auch Barbara Kroszka als Ida und Anselm Bresgott ("Druck") als deren Aushilfe und Lover Rafael auf dem Bauernhof in Südtirol. Ida wirkt freier und selbstbewusster als Lara – aber rasch wird deutlich, dass auch ihr Leben in letzter Zeit nicht nach Plan verlief. "Windstill" schlägt zuweilen einen rauen Ton an und ist dadurch nah an der Wirklichkeit.

Fazit: Ein glaubhaft erzählter, fein beobachteter Film mit interessanten Figuren und toller Besetzung.




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