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Niemand ist bei den Kälbern (2021)

No One's with the Calves

Landfrust statt Landlust: Sabrina Sarabi hat Alina Herbings gefeierten Debütroman verfilmt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Christin (Saskia Rosendahl), Mitte 20, ist bei ihrem alkoholkranken Vater (Andreas Döhler) aus- und zu ihrem langjährigen Freund Jan (Rick Okon) und dessen Eltern auf deren Bauernhof gezogen. Dort kümmert sie sich um die Kälber, wenn sie sich mitten in der mecklenburgischen Provinz nicht gerade zu Tode langweilt. Nachts fährt sie schon mal spontan nach Hamburg, wo sie gern eine eigene Wohnung hätte, und kommt erst frühmorgens wieder zurück. In ihrem Auto liegt immer eine Flasche Hochprozentiges griffbereit, um sich das triste Landleben schönzusaufen. Als der deutlich ältere Windkraftingenieur Klaus (Godehard Giese) für einen kurzen Augenblick in ihr Leben tritt, krempelt das ihr Leben um.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Das Landleben ist vor allem bei gestressten Großstädtern beliebt. In der Abgeschiedenheit der Provinz suchen sie Ruhe und Erholung. Für viele, die dort aufwachsen, ist das Leben die Hölle. Was gestresste Großstädter als Ruhe empfinden, bedeutet für Dorfbewohner Langeweile und Perspektivlosigkeit. In ihrem von der Kritik gelobten Debütroman "Niemand ist bei den Kälbern" (2017) hat Alina Herbing dieses Gefängnis aus Monotonie aus der Sicht einer jungen Protagonistin beschrieben. Regisseurin Sabrina Sarabi ("Prélude") hat den Roman mit Saskia Rosendahl in der Hauptrolle der 24-jährigen Christin verfilmt.

Rosendahl ist einmal mehr umwerfend. Die 1993 geborene Schauspielerin, die zuletzt schon einer der wenigen Lichtblicke in Dominik Grafs vermurkster Kästner-Verfilmung "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" war, trägt auch diesen Film über all seine Schwächen hinweg. Die sind so offensichtlich, dass es einen ein wenig verwundert, dass hier niemand eingegriffen und sie vor dem Start der Dreharbeiten korrigiert hat.

Der Film ist zu lang, voller unausgearbeiteter Figuren, die der Handlung lediglich als erzählerische Krücke dienen und verwehrt dem Kinopublikum jegliche Innensicht. Sarabi hat ihre Faszination mit der Protagonistin aus Herbings Roman wie folgt beschrieben: "Diese merkwürdige junge Frau, die sich so absolut bescheuert verhält, aber etwas total Sanftes hat, hat mich sofort gefesselt." Doch während die Leser:innen des Romans der Hauptfigur in den Kopf schauen konnten, unterhält sich Christin im Film nicht einmal mit ihrer besten Freundin über ihre Gefühle und Wünsche.

Prinzipiell ist das kein schlechter Ansatz. Schließlich gilt die alte Schreibregel "Show, don't tell", also etwas nicht zu erzählen, dass man stattdessen auch einfach zeigen kann, noch stärker für das audiovisuelle Medium Film als für Prosa. Dabei kommt es freilich darauf an, was man und vor allem wie man es zeigt. Hier enttäuscht Sarabis Adaption, weil sie die wenigen visuellen Leitmotive nur ganz beiläufig und nicht cineastisch genug ins Bild rückt, und wirft unweigerlich die Frage auf, ob sie all das nicht auch eine halbe Stunde kürzer hätte zeigen können.

Um die Monotonie des Landlebens einzufangen, hätte es keiner knapp zwei Stunden Laufzeit bedurft. Vor allem dann nicht, wenn das Publikum schon nach zwanzig Minuten kapiert hat, was der Film ihm sagen will. Und ganz besonders dann nicht, wenn das Mäandern der Protagonistin sich in den immer gleichen Bildern wiederholt, anstatt sie an neue Orte zu bringen oder zumindest die zigfach gezeigten in ein neues Licht zu rücken. Diesem Drama über die Perspektivlosigkeit einer vernachlässigten Landjugend mangelt es schlicht an Perspektive.

Fazit: Sabrina Sarabi hat Alina Herbings gleichnamigen Debütroman verfilmt und dabei das Glück, dass ihre Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl einmal mehr so umwerfend spielt, dass das Kinopublikum bis zum Schluss im Saal ausharrt. "Niemand ist bei den Kälbern" ist schlicht eine halbe Stunde zu lang und nur mittelmäßig geschrieben. Die solide Inszenierung macht zu wenig aus der Vorlage. Insbesondere fallen dem Film für die im Roman geschilderte Monotonie, Perspektiv- und Ausweglosigkeit keine Bilder ein, die auf irgendeine Weise herausragen oder im Gedächtnis haften bleiben.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollMit wenigen, sonnendurchfluteten Bildern skizziert Sabrina Sarabi in ihrem Film NIEMAND IST BEI DEN KÄLBERN eine beklemmend kleine Welt, die sich aller Weite der nordostdeutschen Landschaft zum Trotz, als bedrückend klein und einengend erweist. [...mehr]

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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 114 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 20.01.2022
Regie: Sabrina Sarabi
Darsteller: Saskia Rosendahl als Christin, Rick Okon als Jan, Godehard Giese als Klaus
Verleih: Filmwelt

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