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JFK Revisited: Die Wahrheit über den Mord an John F....nnedy
JFK Revisited: Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy
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Kritik: JFK Revisited: Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Oliver Stone zählt zweifelsohne zu den wichtigsten amerikanischen Regisseuren. In zehn beachtlichen Jahren reihte er einen starken Film an den nächsten, die heute allesamt als Klassiker gelten: "Salvador" (1986), "Platoon" (1986), "Wall Street" (1987), "Geboren am 4. Juli" (1989), "JFK: Tatort Dallas" (1991), "Natural Born Killers" (1994), "Nixon" (1995). Selbst die schwächeren Werke aus dieser höchst produktiven Phase – "Talk Radio" (1988), "The Doors" (1991), "Zwischen Himmel und Hölle" (1993) – sind weit besser als der Durchschnitt. Seither haben die Abstände zwischen den Filmen zu- und deren Qualität abgenommen. Dem politischen Kino ist Oliver Stone aber treu geblieben, wie sein jüngster Film beweist.

Stones Werke sind nicht nur preisgekrönt, sondern werden auch kontrovers diskutiert. Der politischen Rechten war der Filmemacher durch seine regierungs-, behörden- und wirtschaftskritische Haltung und seine Sympathien für Politiker wie Fidel Castro und Wladimir Putin schon immer ein Dorn im Auge. Doch auch vielen Linken sind Stones politische Ansichten und Theorien mitunter zu krude. Der 1946 geborene Regisseur, Drehbuchautor und Produzent schreckt vor brisanten Themen nicht zurück und scheut keine Auseinandersetzung, auch wenn er immer häufiger über das Ziel hinausschießt, je älter er wird. Dass Stone zu den Dingen eine Haltung hat – egal ob einem diese gefällt oder nicht – und zu dieser Haltung steht, muss man ihm jedoch zugutehalten in einer Zeit, in der viele bereits beim Anflug von Gegenwind einknicken.

Sein neuer Film vereint seine besten und schlechtesten Eigenschaften als Filmemacher. Wie der Titel bereits verrät, kehrt Oliver Stone ein weiteres Mal zu John F. Kennedy zurück, dem er sich bereits in seinem mehr als dreistündigen Drama "JFK: Tatort Dallas" (1991) und in einer Episode seiner TV-Serie "The Untold History of the United States" (2012/2013) gewidmet hatte. Das Attentat auf den 35. US-Präsidenten ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt, was nicht nur viele seiner Landsleute, sondern auch den Filmemacher weiterhin umtreibt. In seinem Dokumentarfilm tritt Stone sowohl als Erzähler als auch als Fragesteller in Erscheinung.

Der investigative Teil des Films kann sich sehen lassen, bietet aber auch wenig Neues. Dass Kennedy nicht von einem Einzeltäter (der lediglich drei Schüsse abgab, von denen einer sein Ziel verfehlte) ermordet worden sein kann, ist längst gemeinhin akzeptiert. Wer indessen tatsächlich hinter der Tat steckt, kann auch dieser Film nicht klären. Der deutsche Untertitel führt folglich in die Irre. Stattdessen gibt sich die Doku nicht belegbaren Spekulationen hin, für die Stone anfällig ist. Das ist in weiten Teilen reichlich plump und plakativ, aber auch ziemlich unterhaltsam.

Kurz vor Schluss schwenkt Stone urplötzlich komplett um, was nicht recht zum bis dahin Gezeigten passen will und ein wenig angeklatscht wirkt. Hier wechselt dann auch die Tonlage vom überkritisch Konspirativen zur überschwänglichen und völlig unkritischen Lobhudelei. Statt um den Mord an JFK geht es auf einmal um dessen Politik (die ein mögliches Mordmotiv gewesen sein könnte). Vielleicht wäre das ja eine Idee für einen neuen Film, sich einmal (kritisch) mit Kennedys Politik und Außenwirkung zu beschäftigen. Es wäre sicherlich spannender, als sich zum x-ten Mal mit dem Attentat auf ihn zu befassen.

Fazit: Oliver Stones neuer Film vereint die besten und die schlechtesten Eigenschaften des kontroversen Regisseurs. Drei Jahrzehnte nach "JFK: Tatort Dallas" (1991) beleuchtet Stone den Mord am 35. US-Präsidenten noch einmal – diesmal in einem Dokumentarfilm. In seinen besten Momenten ist das eine intensive investigative Recherche, in seinen schlechtesten ein krudes, wenn auch stets unterhaltsames Verschwörungsgeschwurbel.




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