oder

Schmetterlinge im Ohr (2021)

On est fait pour s'entendre

Dann klappt's auch mit dem Nachbarn: französische Liebeskomödie über einen eitlen Mann, der sich eine körperliche Schwäche eingestehen muss.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Der gutaussehende Geschichtslehrer Antoine (Pascal Elbé) wirkt auf seine Mitmenschen ignorant. Weder seinen Schülern noch den Kollegen um seinen besten Freund Francis (François Berléand) hört er richtig zu. Und wenn seine Nachbarin Claire (Sandrine Kiberlain) jeden Morgen auf der Matte steht, um sich über seinen zu lauten Wecker zu beschweren, dann zuckt Antoine nur mit den Achseln. Das Problem ist derweil viel simpler als gedacht. Antoine ist nicht ignorant, sondern schwerhörig. Ein lange hinausgezögerter Besuch beim Ohrenarzt schafft Abhilfe.

Für ein Hörgerät fühlt sich der Mittfünfziger zwar viel zu jung, doch schlagartig nimmt er wieder am Leben teil. Plötzlich nimmt er Dinge wahr, die an ihm vorbeigegangen sind, wie Claires Tochter Violette (Manon Lemoine), die seit dem Tod ihres Vaters kein Wort mehr gesprochen hat, oder die zunehmende Demenz seiner Mutter Angèle (Marthe Villalonga), um die sich seine Schwester Jeanne (Emmanuelle Devos) fortan nicht mehr allein kümmern muss. Dank seines wiedererlangten Gehörs steht schließlich auch einem Date mit Claire nichts mehr im Weg.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Schauspieler Pascal Elbé, Jahrgang 1967, ist auch hinter der Kamera tätig. Seit knapp 20 Jahren schreibt er Drehbücher für Kinofilme und Fernsehserien. Drei davon hat er als Regisseur selbst verfilmt. Auf den Kriminalfilm "Tête de turc" (2010) und die Krimikomödie "Je compte sur vous" (2015) folgt jetzt eine Liebeskomödie.

Obwohl in der Ausgangslage jede Menge Tragik steckt, hat Elbé einen leichtfüßigen Film gedreht. Gemäß dem Motto, dass Humor nichts anderes als Tragödie plus Zeit sei, liegen zu Beginn des Films die tragischen Momente bereits so lange zurück, dass man getrost über sie lachen kann. Der von Elbé selbst verkörperte Protagonist hat seinen Hörverlust so lange ignoriert, dass er von einer tragischen längst zu einer lächerlichen Figur geworden ist. Seine nervende Nachbarin Claire – wie von Sandrine Kiberlain nicht anders zu erwarten großartig gespielt – steht ihm in nichts nach. Nach dem Tod ihres Mannes ließ sie sich so lange hängen, dass auch sie zu einer Karikatur ihrer selbst verkommen ist. Und selbst in der Entscheidung ihrer Tochter, kein Wort mehr zu reden, liegt in Elbés Umsetzung stets mehr Humor als Drama.

Elbés Drehbuch birgt indessen kaum Überraschungen. Unerwartet trifft das Publikum lediglich die Tonspur, die der Filmemacher wiederholt in den Vordergrund rückt, um die veränderte Sinneswahrnehmung seiner Hauptfigur nachvollziehbar zu machen. Dann hört sich ein Biss in einen Apfel auf einmal wie ein ohrenbetäubendes Krachen an und der Griff in eine Chipstüte wie ein Geröllabgang in den Bergen. Die Geschichte erzählt Elbé hingegen ebenso so routiniert, wie er sie inszeniert. Wie das Aufeinandertreffen eines eitlen Mannes und einer selbstbewussten Frau auf der einen Seite und eines (fast) Tauben und einer (freiwillig) Verstummten auf der anderen Seite enden wird, ist ziemlich vorhersehbar.

Der Weg dorthin macht aber Spaß. Was zum einen an den gut geschriebenen, mehrdimensionalen Figuren liegt und den kleinen witzigen Szenen, in die Elbé seine Figuren immer wieder wirft. Zum anderen hat das Ensemble einen großen Anteil am Gelingen dieses Films. Die Chemie stimmt selbst in der kleinsten Nebenrolle; bei Elbé und Sandrine Kiberlain, die sich seit 20 Jahren kennen, sowieso. Das ungleiche Paar, das trotz oder gerade wegen ihrer eigenen Schrullen zueinanderfindet, nimmt man den beiden jederzeit ab.

Fazit: Pascal Elbés dritter Spielfilm als Regisseur ist eine waschechte Wohlfühlkomödie. Der 1967 geborene Schauspieler, der selbst die Hauptrolle übernommen hat, erzählt von einem eitlen Mann, der durch einen wiedergewonnenen Sinn wieder im Alltag ankommt. Routiniert und ohne große Überraschungen inszeniert, überzeugt "Schmetterlinge im Ohr" durch seine Leichtfüßigkeit und zwei herausragende Hauptdarsteller.




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Land: Frankreich
Jahr: 2021
Genre: Komödie, Romantik
Länge: 93 Minuten
Kinostart: 16.06.2022
Regie: Pascal Elbé
Darsteller: Sandrine Kiberlain als Claire, Pascal Elbé als Antoine Serano, Valérie Donzelli als Léna
Verleih: Neue Visionen

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