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The Lost Leonardo (2021)

Wunsch und Wirklichkeit: Dokumentarfilm über das teuerste Gemälde der Welt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Am 15. November 2017 war weltweit ein Bild in aller Munde. Selbst wer sich in der Kunstwelt nicht auskannte, wusste nun, dass Leonardo da Vincis um 1500 entstandenes Werk "Salvator Mundi" das teuerste Gemälde der Welt war. Bei einer Auktion erzielte es den Fabelpreis von 450 Millionen US-Dollar. Was die wenigsten wussten, war, dass dieses Werk erst 2005 entdeckt wurde, dass dessen Provenienz lückenhaft ist und dass dessen Zuschreibung bis heute umstritten ist.

Dokumentarfilmer Andreas Koefoed hat über einen Zeitraum von drei Jahren gedreht. Vor seiner Kamera nehmen fast alle wichtigen Akteure Platz. Neben den ursprünglichen Besitzern Alexander Parish und Robert Simon, die das Gemälde bei einer Auktion in New Orleans für 1175 US-Dollar kauften, sind das unter anderem die Restauratorin Dianne Modestini, der New Yorker Kunsthändler Warren Adelson, der Schweizer Geschäftsmann Yves Bovier, der Kunstkritiker Kenny Schachter und zahlreiche Experten.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In Andreas Koefoeds Dokumentarfilm steckt eine Menge: ein spannender Kunstkrimi, eine amüsante Komödie über den Kapitalismus und eine veritable Politfarce. Wer schon immer wissen wollte, was in der Kunstwelt schiefläuft, sollte sich dringend "The Lost Leonardo" ansehen. Die Doku des Dänen ist aber nicht nur ausgesprochen informativ, sie sieht auch ausgezeichnet aus.

Der 1979 in Kopenhagen geborene Koefoed hat Soziologie und Dokumentarfilmregie studiert und bereits mehrere, zum Teil preisgekrönte Dokumentarfilme vorgelegt. In "The Lost Leonardo" verbindet er sein Gespür für Menschen mit einem Kunstsinn. Seine Interviewpartner drapiert er wohlkomponiert vor fein ausgeleuchteten Interieurs, sodass sie selbst wie auf Gemälden Porträtierte erscheinen. Ab und an hakt er aus dem Off kritisch nach. Und wenn er durch Nicolás Nørgaard Staffolanis perfekt getimte Montage nicht die Gesprächspartner einander gegenseitig kommentierten lässt, dann lässt Koefoed deren Aussagen für sich selbst sprechen.

Diese Aussagen sprechen Bände. Es ist gleichermaßen faszinierend, erschreckend und unterhaltend, was die Interviewpartner von sich geben. Manches ist hochnotpeinlich, einiges naiv, anderes dreist und vieles schlicht und einfach nur opportunistisch. Wer hier aufrichtig unterwegs ist und wer lügt, dass sich die Balken biegen, lässt sich letztlich nicht eindeutig entscheiden, es lässt sich aber sehr wohl erahnen. Und wer wollte es den Protagonisten dieses seltsamen Schauspiels auch verübeln? Letztlich befolgen sie lediglich die Regeln eines Kunstmarkts, der schon lange außer Kontrolle geraten ist.

Die Geschichte, wie aus einem Zufallsfund, der für 1175 US-Dollar zu haben war, das teuerste Gemälde der Menschheitsgeschichte werden konnte, hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können. Und wer weiß, vielleicht ist es am Ende tatsächlich ein echter Leonardo. Die Wahrscheinlichkeit liegt jedoch höher, dass hier der Wunsch Vater des Gedankens war. Auch das führt Koefoeds Film ebenso eindrücklich wie witzig vor: Dass Menschen nur das sehen, was sie sehen wollen – und wie sehr sie dafür bereit sind, an den entscheidenden Stellen wegzusehen. Ein echter Augenöffner!

Fazit: Andreas Koefoeds "The Lost Leonardo" über das bis dato teuerste Gemälde der Welt ist mehr als nur ein Dokumentarfilm. Diese Doku ist auch ein erstklassiger Kunstkrimi, eine amüsante Kapitalismuskomödie und eine veritable Politfarce. Es geht um Wunschdenken, Machtstreben und natürlich ums (ganz große) Geld. Ein Film über (mögliche) Lügen, Selbstlügen und die Verlogenheit des Kunstmarkts.




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Land: Dänemark, Frankreich
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 100 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 23.12.2021
Regie: Andreas Koefoed
Darsteller: Martin Kemp, Doug Patteson, Alexandra Bregman
Verleih: Piece of Magic Entertainment

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