oder

Kritik: Pitbull - Exodus (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der polnische Regisseur Patryk Vega ("Petla") verleiht seinem grimmigen Thriller auf sehr unterhaltsame und gelungene Weise satirische Züge. Besonders im ersten Teil, in welchem es um die kriminelle Karriere des Gangsters "Die Nase" geht, wirkt die genüssliche Überspitzung seiner machohaften Posen und seiner bösen Ansichten schwarzhumorig. Auch eine gewisse Selbstironie beweist der Thriller mit seiner Art, auf das Verbrechen zu blicken. Das unterscheidet ihn von so manchen amerikanischen Genrefilmen, die sich im Bestreben, spektakuläre Action zu bieten, selbst zu ernst nehmen. Vega setzt trotz der humorvollen Note auf eine geradlinige, harte Handlung. Er übernimmt den zynischen Ton der Charaktere auf beiden, nicht immer klar zu trennenden Seiten des Gesetzes.

Der sehenswerte, kurzweilige Thriller ist in zwei Versionen entstanden. Die polnische trägt den Namen "Pitbull", die englischsprachige den Titel "Exodus". Die Handlung, die trotz aller Gewalt mit Splatterszenen eher sparsam umgeht, ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Zunächst führt sich der grimmige Gangster Nase selbst ein: Seine schlimme Kindheit und Jugend erklärt durchaus nachvollziehbar, wieso er gefühlskalt wurde und das Bedürfnis hat, sich an der Welt zu rächen. Wenn der betont langsam, mit roboterhafter Entschlossenheit sprechende Kriminelle einen ebenbürtigen Gegner in Gestalt des Polizisten Gebels bekommt, geht die Geschichte in eine neue Phase. Der Krieg der beiden Männer bekommt zunehmend persönliche und damit verbissene, totalitäre Züge.

Genüsslich verweist Vega auf verschiedene, der Realität abgeschaute gesellschaftliche Merkmale und Spielregeln. Der reiche Verbrecher kann seinem Sohn teures Spielzeug kaufen, der schlecht bezahlte Polizist dem eigenen Sprössling jedoch nicht. Gebels sucht Halt in seinem katholischen Glauben und lässt sich vom Alten Testament inspirieren, wobei er sich jedoch selbst zunehmend mit Gott vergleicht. Wie Nase begreift auch er, dass man, um etwas zu erreichen, schon mal die russische Mafia einspannen muss. Besonders gelungen ist die gewitzt inszenierte Passage, in welcher Gebels Sohn und seine Freunde ihre Computerkenntnisse dazu verwenden, in die Häuser reicher Leute einzubrechen. Vega versteht sein Handwerk und platziert diesen Thriller, der den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht, auf hohem Unterhaltungsniveau.

Fazit: Dieser unterhaltsame Thriller des polnischen Regisseurs Patryk Vega muss den internationalen Vergleich mit anderen Filmen des Genres keineswegs scheuen. Die Geschichte, in der sich ein Gangster und ein Polizist einen Machtkampf liefern, der zunehmend persönlich und verbissen geführt wird, zeichnet sich durch kompromisslose Härte aus. Aber die filmische Perspektive erweist sich gleichzeitig als schwarzhumorig und satirisch gefärbt. In dieser gelungenen Kombination wird das mafiöse Verbrechen überspitzt, aber mit realitätsnahen Anspielungen als Teil der gesellschaftlichen Gegenwart präsentiert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.