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Monobloc (2021)

Aus dem Leben eines Plastikstuhls: deutscher Dokumentarfilm über das meistverkaufte Möbel aller Zeiten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

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Das meistverkaufte Möbelstück der Welt ist nicht etwa ein Holzregal aus einem schwedischen Möbelhaus, sondern der Plastikstuhl eines Franzosen: der Monobloc. In den 1970ern erfunden und in einem Stück und einem Arbeitsgang produziert, gibt es in all seinen Varianten davon heute mehr als eine Milliarde Exemplare. Ursprünglich als Designmöbel entworfen, haftet ihm in den westlichen Industrienationen heute der Ruf eines Billig- und Wegwerfmöbels an. In Afrika, Indien oder Brasilien sieht das ganz anders aus. Der Filmemacher Hauke Wendler ist dem Plastikstuhl nachgereist – von seinen Ursprüngen über seine Re-Imaginationen und Reinkarnationen bis zu seiner Entsorgung und Wiederverwertung.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Alle Welt kennt diesen Stuhl. Selbst wer keinen eigenen besitzt, hat garantiert schon einmal einen gesehen. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, auch schon einmal auf einem gesessen zu haben – bei Bekannten im Garten, beim Zelten auf dem Campingplatz, in einem Straßencafé, am Kiosk oder am Strand während einer Urlaubsreise. Dieser in einem Block gefertigte, stapelbare und in Deutschland meist in Weiß verkaufte Plastikstuhl ist überall zu finden. Doch wo kommt er eigentlich her?

Der Filmemacher Hauke Wendler ist dieser Frage über mehrere Jahre nachgegangen und dafür mit seiner Crew um die halbe Welt gereist. Wir begleiten ihn nach Italien, nach Frankreich, nach Uganda und in die USA, nach Indien, nach Brasilien und durch Deutschland, wo er die Ursprünge des Möbelstücks erforscht, Meinungen über den Stuhl einholt und ganz erstaunliche Geschichten zutage fördert. Seine Sicht auf dieses vermeintliche Wegwerfprodukt ändert sich schnell, weil Wendler seinen Blickwinkel ändert und auch uns Zuschauenden neue Perspektiven ermöglicht.

Wendlers Dokumentarfilm ist in einem locker-leichten Ton gehalten, was dem Ernst und der Bedeutung einiger Themen aber nie im Weg steht. Mit einer beschwingten Melodie, die je nach Drehort von anderen Instrumenten gespielt wird, und einem selbstkritischen Off-Kommentar geht es einmal um die halbe Welt. Die Entstehung des Films ist dabei stets Teil der Erzählung.

In Kombination ergibt sich daraus das kleine Kunststück, zu informieren, zu amüsieren und den Blick auf die Welt zu verändern. Wer hätte gedacht, dass ein so unscheinbares Möbelstück wie ein Plastikstuhl so große Bedeutung für einen Großteil der Welt haben könnte? Dass wir das bislang nicht gesehen haben oder nicht so sehen wollten, hängt wiederum mit unserem eurozentristischen Blickwinkel zusammen. Wendlers Films bietet eine erfrischend andere Perspektive, die uns unseren eigenen Standpunkt hinterfragen lässt.

Fazit: Hauke Wendler ist das kleine Kunststück geglückt, einen ebenso informativen wie unterhaltsamen und augenöffnenden Dokumentarfilm zu drehen, der sich dabei nie anbiedert. "Monobloc" ist mehr als nur eine Geschichte über einen Plastikstuhl. Es ist ein Film über die Globalisierung und unseren eurozentristischen Blick darauf. Danach werden Sie diesen Stuhl mit anderen Augen sehen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 27.01.2022
Regie: Hauke Wendler
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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