oder
W. - Was von der Lüge bleibt
W. - Was von der Lüge bleibt
© Der Filmverleih GmbH

Kritik: W. - was von der Lüge bleibt (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In seinem Dokumentarfilm "W. – Was von der Lüge bleibt" widmet sich der 1957 geborene Regisseur Rolando Colla einem überaus komplexen Fall. Es geht um den Musiker Bruno Wilkomirski, der 1941 in Biel als Bruno Grosjean geboren wurde. Als uneheliches Kind wuchs er in einem Waisenhaus in Adelboden auf, ehe er später von dem wohlhabenden Paar Dössekker aus Zürich adoptiert wurde. Unter dem Namen Binjamin Wilkomirski veröffentlichte er das Buch "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948", das er als autobiografische Schilderung einer Kindheit in polnischen Konzentrationslagern ausgab – eine Lüge, die schließlich durch den Schweizer Journalisten Daniel Ganzfried aufgedeckt wurde.

"Ich wollte den Menschen verstehen, an seine Geschichte und seine Persönlichkeit herankommen", sagt der Regisseur bezüglich seiner Motivation. Und genau dies gelingt Colla in "W. – Was von der Lüge bleibt" auch. Die Akribie der Recherche ist dem Werk ebenso anzumerken wie die Empathie des Machers. So schafft es Colla, dass sich der viele Jahre in völliger Zurückgezogenheit lebende Wilkomirski vor der Kamera zu seinem Handeln äußert. Bereits im Jahre 2012 begann das Projekt; am Ende hatte Colla 200 Stunden Material, bestehend aus Interviews und Archivaufnahmen.

Ein Gewinn sind zudem die animierten Schwarz-Weiß-Illustrationen des Schweizer Comiczeichners Thomas Ott, die Wilkomirskis (verzerrte) Schilderungen in Bilder fassen. Der Film ist in mehrere Abschnitte unterteilt und liefert einen nachvollziehbaren, facettenreichen Einblick in die Geschehnisse.

Fazit: Ein beeindruckender Dokumentarfilm, dem es nicht um Verurteilung oder um einfache Antworten geht, sondern der sich der Komplexität seiner Materie vollauf bewusst ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.