oder

Kritik: Jack's Ride (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Reflexionen rund um die Themen Arbeit, staatlicher Einfluss und Arbeitswelt. Einige der Kernthemen und -inhalte in den Werken der portugiesischen Regisseurin Susana Nobre. So auch in "Jack’s Ride". Internationale Premiere feierte der Film in diesem Sommer auf der Berlinale, Ende Oktober folgte die Präsentation auf der Viennale. Die 47-jährige Susana Nobre legte ihr Debüt 2003 mit der Doku "Daycare Hospital" vor.

Susana Nobre stellt einen durch und durch außergewöhnlichen, eigentümlichen aber grundsympathischen Charakter ins Zentrum ihres Films, der schon rein optisch aus der Reihe fällt: Jaoquim trägt Mantel und pomadige Elvis-Tolle, ist stoisch und introvertiert. Aber erträgt die "Mühlen der Bürokratie" anstandslos. Dazu gehört auch, dass er die (vom Amt vorgeschlagenen) und in Frage kommenden Arbeitgeber sowie im ländlichen Raum gelegenen Firmen abfährt und sich dort den Stempel fürs Jobcenter abholt. Dieser beweist, dass sich Joaquin dort vorgestellt hat. Wohl wissend, dass er nie eine echte Chance auf eine Neunstellung hat – aufgrund seines Alters. Das Jobcenter ist sich dessen ebenso bewusst.

"Jack’s Ride" verschränkt mehrere Zeitebenen sowie das Reale und Irreale und fungiert als eine Art Roadmovie durch die Vergangenheit. Und durch die vergangenen (Berufs-)Stationen der kauzigen Hauptfigur. Gleichzeitig ist der Film eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation des Landes und der schwierigen Lage auf dem portugiesischen Arbeitsmarkt. Die Themengebiete und Inhalte, die Nobre gekonnt und ohne moralischen Zeigefinger in der gegenwärtigen Haupthandlung anspricht: der Teufelskreis aus Bewerbungen, Bürokratie und Ämtern, die hohe Arbeitslosenquote im Land und die schwierige Lage für Arbeitsmigranten.

Ein solcher war Joaquin auch, als er einst nach New York kam. Damit schließt sich der inhaltliche Kreis und Nobre spannt den Bogen von den 70ern bis in unsere Zeit. Apropos 70er: Rein technisch bzw. visuell erinnert der Film, gleichsam in Sachen Format und Kamera, an Klassiker des New Hollywood, die in den 70er-Jahren große Erfolge bei Publikum und an den Kassen feierten. Dazu zählen Meilensteine wie "Taxi Driver", "French Connection" und "Die Unbestechlichen".


Fazit: Mehrdeutiges, intelligentes und sinniges Porträt eines schrulligen Hauptcharakters, das auf kluge Weise Zeit- und Handlungsebenen miteinander vermählt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.