oder

Bilder (m)einer Mutter (2021)

Dokumentarfilm: Tochter, Sohn und Vater lassen die Beziehung zur Mutter Revue passieren.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Im Jahre 1973 lernen sich Gabi und Thomas in einer Stadt in Bayern kennen und werden ein Paar. Ihre familiären Hintergründe unterscheiden sich: Während die Eltern von Gabi einfache Angestellte sind und in eher bescheidenen Verhältnissen leben, stammt Thomas aus einer Familie von Geschäftsleuten. Um zusammen Urlaub machen zu können, müssen sich die beiden verloben. Gabi spürt in der Beziehung alsbald eine Abhängigkeit. Sie beginnt ein Lehramtsstudium, entdeckt ihre Leidenschaft für die Maskenbildnerei, entscheidet sich dann aber für eine Ausbildung zur Erzieherin. Gabi bringt zwei Kinder – eine Tochter und einen Sohn – zur Welt. Doch sie kann keine enge Bindung zu ihnen aufbauen.

Bildergalerie zum Film

Bilder (m)einer MutterBilder (m)einer MutterBilder (m)einer MutterBilder (m)einer MutterBilder (m)einer MutterBilder (m)einer Mutter


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In ihrem Dokumentarfilm "Bilder (m)einer Mutter" befasst sich die Regisseurin Melanie Lischker auf ungewöhnliche und zugleich äußerst differenzierte Weise mit dem Thema Mutterschaft. Als Grundlage der Betrachtung ihrer eigenen Mutter Gabi dient ihr das filmische Archiv ihres Vaters Thomas, bestehend aus über 100 Stunden an Super-8-Aufnahmen, in denen die anfängliche Zeit des Kennenlernens und Verliebt-Seins des Paares ebenso eingefangen wird wie das spätere Familienleben mit zwei Kindern. Hinzu kommen die aus dem Off vorgetragenen Einträge in Tagebücher, die Gabi damals führte, sowie einige schriftliche Aufzeichnungen von Thomas.

Interessant ist, wie sich Lischker mit der Entfremdung zwischen Gabi und dem Rest der Familie auseinandersetzt. Familienfotos werden uns zunächst nur verschwommen gezeigt, um zu verdeutlichen, dass die Erinnerungen an die Mutter bereits verwischt sind. Doch die Filmemacherin macht Gabi in ihrem Werk keine Vorwürfe dafür, dass es nie zu einer richtig engen Verbindung kam. Vielmehr sucht sie in den Bildern und den Worten ihrer Mutter nach den Ursachen – und findet diese (auch) in der gesellschaftspolitischen Situation der 1970er und 1980er Jahre.

Der Film zeigt – ähnlich wie der Dokumentarfilm "Die Unbeugsamen" (2021) von Torsten Körner über die Politikerinnen der Bonner Republik, allerdings auf privater Ebene –, mit welchen Abhängigkeiten und Zwängen Frauen im Westdeutschland der damaligen Zeit zu kämpfen hatten. Die Frauenbewegung und ein Bewusstsein für alltäglichen Sexismus hatten in dieser Ära zwar an Fahrt gewonnen, waren indes noch nicht unbedingt im ganzen Land angekommen. "Bilder (m)einer Mutter" macht einfühlsam spürbar, was dies für eine einzelne Person bedeutete.

Fazit: Ein erhellender, sehr persönlicher Film über Mutterschaft, Familie, Selbstverwirklichung – und über die Position der Frau im Westdeutschland der 1970er und 1980er Jahre.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Bilder (m)einer Mutter

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 79 Minuten
Kinostart: 25.11.2021
Regie: Melanie Lischker
Verleih: Koberstein Film

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.