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Der Alpinist (2021)

The Alpinist

Vermächtnis eines Medienscheuen: Dokumentarfilm über den 2018 verunglückten Bergsteiger Marc-André Leclerc.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Marc-André Leclerc, 1992 in Kanada geboren, ist einer der besten Solo-Kletterer der Welt – und größtenteils unbekannt. Denn anders als prominente Kollegen wie Alex Honnold ("Free Solo") oder Tommy Caldwell ("Durch die Wand") erklimmt Leclerc völlig unbeobachtet die Gipfel unseres Planeten. Er klettert allein, ohne Seil und ohne Kameras, die seine Aufstiege dokumentieren würden. Er besitzt weder ein Handy noch ein Auto oder einen festen Wohnsitz, sondern lebt mit seiner Freundin Brette Harrington, die ebenfalls professionell klettert, in einem Zelt im Wald. Und noch etwas unterscheidet ihn von den oben genannten Freikletterern: Leclerc besteigt auch alpine Berge, bekommt es also mit Eis und Schnee zu tun, und klettert stets nur auf Sicht, probt seine Routen also nicht vorab.

Die Regisseure Peter Mortimer und Nick Rosen haben Marc-André Leclerc über einen Zeitraum von zwei Jahren mit der Kamera begleitet. Dabei bricht er einen Rekord nach dem anderen an Bergen wie dem Mount Robson oder dem Torre Egger. Mehr als einmal kommt ihnen der medienscheue Bergsteiger währenddessen abhanden, weil er einfach abhaut und abseits aller Kameras sein eigenes Ding durchzieht. Neben Leclerc und Harrington kommen die Mutter des Bergsteigers und bekannte Kollegen wie Alex Honnold, Reinhold Messner, Barry Blanchard und Bernadette McDonald zu Wort. Noch bevor der Film im Schneideraum fertiggestellt ist, ereignet sich ein tragischer Unfall, der schließlich ebenfalls Eingang in den Film findet.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Filme übers Bergsteigen handeln häufig von Rekorden. Und weil dieser Sport jederzeit in einer Tragödie enden kann, erzählen viele auf einer zweiten Ebene davon, was die Männer und Frauen, die ihr Leben an der Wand aufs Spiel setzen, umtreibt. Es geht nicht nur ums Klettern und die spektakulären Kinobilder, die sich daraus ergeben, sondern auch um die Menschen dahinter. Im Idealfall entsteht aus diesem wohlvertrauten Mix aus Interviews, Archivmaterial-Montagen und schwindelerregenden Einstellungen ein rundes Porträt. Die Frage nach dem Antrieb bleibt dabei allerdings meist unbeantwortet. Denn die Bergsteiger wissen oft gar nicht so genau, warum der Berg sie ruft.

Peter Mortimer kennt dieses Gefühl. Der 1974 geborene US-Amerikaner ist selbst Bergsteiger, lebt in Boulder, Colorado und ist inzwischen hinter die Kamera gewechselt. Er erschafft atemberaubende Bilder übers Klettern. In den deutschen Kinos war zuletzt sein Dokumentarfilm "Durch die Wand" (2017) zu sehen, den er gemeinsam mit Josh Lowell umgesetzt hat. Bei seinem neuen Film ist Nick Rosen sein Co-Regisseur. Zwar versucht das Gespann auch diesmal, in den Kopf ihres Protagonisten zu blicken, sie haben jedoch das Glück, dass er sich ihnen und dem Film beständig entzieht. Marc-André Leclerc ist schlicht nicht zu fassen.

Was von diesem jungen Mann – zu Drehbeginn war Leclerc 23 Jahre alt – vor der Kamera zu sehen ist, ist grundsympathisch. Der Kanadier macht sich schlicht keinen Kopf, lebt unbeschwert und ungezwungen. Im Klettereldorado Squamish in Kanada wohnte er eine Zeit lang im Haus eines Bekannten unter dessen Treppe – erst allein, später mit seiner Freundin Brette Harrington. Von dort zogen die zwei in ein Zelt in den Wald. Er liebt es, gemeinsam mit Brette zu klettern, klettert aber am liebsten allein. In den wenigen Worten, die er ans Publikum richtet, kann man seine Grundidee, die hinter all dem steckt, vollkommen nachvollziehen. Wie so viele Kletterer lebt auch er im und für den Moment und ist sich bewusst, dass jeder erlebte Moment sein letzter sein könnte.

Der Tod schwingt in jeder Einstellung mit. Und die prominenten Interviewpartner, die das Regieduo vor ihre Kamera gebeten hat, äußern neben Zuneigung und Bewunderung auch die Sorge, dass dieser junge Ausnahmesportler die Grenzen zu weit verschieben und sein Glück dabei überstrapazieren könnte. Am Ende kommt es genau so und doch ein wenig anders als erwartet. Und trotzdem verlässt man diesen Film nicht mit einem unguten Gefühl. Dafür war sein Protagonist einfach zu liebenswert und erfrischend anders.

Die einen werden seine Art des Kletterns als leichtsinnig und verantwortungslos verurteilen, andere seinen Mut und seine Waghalsigkeit loben. Eines war Marc-André Leclerc, der 2018 mit gerade einmal 25 Jahren beim Bergsteigen starb, aber nicht: lebensmüde. "Der Alpinist" ist sein Vermächtnis und es zeigt, wie lebensbejahend man im Angesicht des Todes sein kann. Allein daraus lässt sich viel für das eigene Leben mitnehmen.

Fazit: Peter Mortimer und Nick Rosen porträtieren den früh verstorbenen Bergsteiger Marc-André Leclerc (1992-2018). Anders als vergleichbare Dokumentarfilme setzt das Regieduo weniger auf Spannungselemente und mehr auf den Charme ihres Protagonisten, was auch daran liegt, dass sich ihr Protagonist dem Film mehrfach entzieht und von den Kameras unbeobachtet klettert. "Der Alpinist" ist das filmische Vermächtnis eines Ausnahmesportlers und grundsympathischen Menschen – und für Fans von "Free Solo" und "Durch die Wand" ein Must-See.




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Land: USA
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 92 Minuten
Kinostart: 17.02.2022
Regie: Peter Mortimer, Nick Rosen
Darsteller: Peter Mortimer, Alex Honnold, Reinhold Messner
Verleih: Piece of Magic Entertainment

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