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Bloody Nose, Empty Pockets (2020)

Liebevoll gestalteter (Semi-)Dokumentarfilm über eine Bar in Las Vegas (eigentlich Louisiana) und deren Besucher, die hier ihre Ersatzfamilie gefunden habenKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Eine Bar, wie es viele gibt, aber in der Form wohl nur in den USA: In "The Roaring 20s" treffen sich Tag um Tag Barflies, für die der Ort ein zweites Zuhause geworden ist, eine Ertsatzfamilie, mit der sie über Probleme, das Leben, die Liebe oder einfach den Alltag sprechen. Die Regisseure Bill und Turner Ross behaupten, diese Bar läge am Stadtrand von Las Vegas und sie würden den letzten Abend vor deren Schließung einfangen, es kursieren jedoch auch andere Informationen über den Dreh eines Werks, das sich Dokumentarfilm nennt: Tatsächlich soll die Spelunke in Louisiana liegen und nicht in Vegas, die Stammgäste sollen zwar "echt", aber aus diversen Bars "zusammengecastet" sein und die Bar gar nicht vor der Schließung stehen. Ungeachtet dessen schickt sich der Film an, ein authentisches Porträt einer Kultur im Niedergang zu sein und einer Gemeinschaft von Trinkern, die zu Freunden wurden - und die es so oder ähnlich auf der ganzen Welt gibt.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Bloody nose, empty pocktes" ist ein höchst sympathischer filmischer Liebesbrief an die Halbwelt der Bars und Spelunken, an die männlichen und weiblichen Barflies, die in ihrer Kneipe des Vertrauens ein Zuhause und eine zweite Familie gefunden haben, in der die kleinen und großen Themen des Lebens gelebt und verhandelt werden. Die Regisseure bewegen sich stets ganz nah an ihren Protagonisten, bis man nach einer Weile den Eindruck hat, selbst Teil eines Mikrokosmos geworden zu sein, dessen Probleme, Gefühle und Sehnsüchte man teilt.

Aufgrund der oben angeführten Hintergrundinfos stellt sich trotzdem die Frage, wie "authentisch" ein "inzenierter Dokumentarfilm" sein kann und ob er in der Lage ist, so etwas wie "Wirklichkeit" oder "Wahrheit" abzubilden. Man kann den Film aber auch als krative Meditation darüber begreifen, wie solche Schicksalsgemeinschaften (weltweit) und insbesondere in den USA aussehen und funktionieren, mit austauschbaren Darstellern und an austauschbaren Orten, aber immer auf die selbe Weise. Die Turner-Brüder nehmen das Spezielle, gruppieren und montieren es, und erschließen so Erkenntnisse über das Allgemeine.

Neben liebevoller Hommage und innovativem Beitrag zu Genretranszendenz ist der Film auch ein Abgesang auf eine ganze Kultur (die US-amerikanische nämlich), und gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Ethnien und Bevölkerungsgruppen respektvoll und auf Augenhöhe (dort und anderswo) funktionieren könnte. Die Bar-Bewohner stellen nämlich stets das Einende über das Trennende und begreifen sich als Gemeinschaft Gleichgesinnter und -gestellter, deren Kraft und Widerstand gegen die Zumutungen einer unfairen Welt und eines beschwerlichen Lebens ebenjener Zusammenhalt ist. Insofern ist "Bloody nose, empty pockets" schließlich trotz aller Dekadenz ein hoffnungsvoller und positiver Film.

Fazit: Ein liebevoller Säufer-Film, bevölkert von einzigartigen Charakteren (ob die nun wirklich "echt" sind, oder nicht...), die man sofort ins Herz schließt, und das Porträt eine Kneipenfamilie und der "Bar" als letztem Zufluchtsort vor der schrecklichen Wirklichkeit: Stilistisch gelungen, interessant konzipiert - und sehr, sehr unterhaltsam.




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Land: USA
Jahr: 2020
Genre: Dokumentation
Länge: 98 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 02.12.2021
Regie: Bill Ross IV, Turner Ross
Darsteller: Peter Elwell als Pete, Michael Martin als Michael, Shay Walker
Verleih: UCM.One

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