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The 12th Suspect (2019)

Detektivisches Debüt: südkoreanischer Kriminalfilm um einen Mord an einem Dichter.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Seoul im Herbst 1953: Der Koreakrieg ist soeben zu Ende gegangen. Wie jeden Tag schaut der Maler Park In-seong (Kim Dong-young) auf einen Sprung in einem orientalischen Teehaus vorbei. Das Etablissement, das von No Seok-hyun (Heo Sung-tae) und seiner Madam (Park Seon-yeong) betrieben wird, ist ein Treffpunkt für Intellektuelle. Weitere Maler, Dichter und Schriftsteller sowie Professoren gehen dort aus und ein. Doch an diesem Tag ist etwas anders.

Der Schriftsteller und Stammgast Baek Doo-hwan (Nam Sung-jin) wurde in der vorangegangenen Nacht in einem nahegelegenen Park ermordet. Als die Nachricht die Runde macht, haben die anwesenden Gäste kaum Zeit, sich vom Schock zu erholen, denn einer von ihnen gibt sich als Militärfahnder Kim Gi-chae (Kim Sang-kyung) zu erkennen. Nach anfänglich harmlosen Gesprächen nimmt er einen nach dem anderen in die Mangel.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Dass aus Südkorea sehenswerte Filme kommen, ist kein Geheimnis. Regisseure wie der vor zwei Jahren gestorbene Kim Ki-duk, wie Lee Chang-dong, Park Chan-wook, Hong Sang-soo und Bong Joon-ho waren bzw. sind mit ihren Autorenfilmen auf renommierten Festivals Dauergast. Doch auch das südkoreanische Genrekino hat es in sich und drängt mit Vertretern vom Serienkiller-Thriller "The Chaser" (2008) bis zur Zombie-Trilogie "Seoul Station" (2016), "Train to Busan" (2016) und "Peninsula" (2020) verstärkt auch auf den deutschen Markt. Beim breiten Publikum haben Südkorea als Lieferanten feinster Bewegtbildunterhaltung aber erst zwei Produktionen aus jüngster Vergangenheit verortet: Bongs Oscargewinner "Parasite" (2019) und der Netflix-Serienhit "Squid Game" (2021). Einer der Hauptdarsteller ist nun auch im Langfilmdebüt von Ko Myoung-sung zu sehen.

Heo Sung-tae, der in "Squid Game" den Gangster Jang Deok-su spielte, verkörpert in "The 12th Suspect" den Besitzer eines Teehauses, das er mit seiner von Park Seon-yeong gespielten Frau betreibt und in dem die Krimihandlung über die Bühne geht. Ko hat sein Debüt als klassisches Whodunit und kammerspielartig angelegt. Die Kamera verlässt das Teehaus nur für wenige, an Akira Kurosawas "Rashomon" (1950) erinnernde Rückblenden. Fast die gesamte Handlung spielt sich in einem einzigen Raum ab, was denn auch den Filmtitel erklären könnte. So wie einst Sidney Lumet in seinem Regiedebüt "Die zwölf Geschworenen" (1957; Originaltitel: "12 Angry Men") zwölf wütende Männer in einem Raum zusammenpferchte, prallen auch bei Ko die Emotionen aufeinander. Der alles entscheidende Unterschied ist, dass bei ihm nicht zwölf unschuldige Männer über die Schuld oder Unschuld eines anderen entscheiden sollen, sondern alle Anwesenden verdächtig sind.

An die Klasse eines Sidney Lumet oder die seiner oben angeführten südkoreanischen Kollegen reicht Ko Myoung-sung noch nicht heran. Dafür fehlt es seinem Film insgesamt etwas an Intensität. Dennoch ist sein Debüt beachtlich. Die Stimmung im Teehaus ist so heruntergedimmt wie die Farbgebung. Ausstattung wie Kostüme sind in dunklen Tönen gehalten. Einzig das rote Kleid der Besitzerin sticht hervor. In langen, häufig ungeschnittenen Szenen entfaltet Ko ein Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, das aus heutiger Sicht tief in die Geschichte Südkoreas reicht. Es geht um den gerade zu Ende gegangenen Krieg und all seine Verstrickungen, von denen bis heute nicht alle aufgeklärt zu sein scheinen.

Ko hat das Drehbuch selbst verfasst. Darin legt er die Puzzleteile des Verbrechens erst nach und nach auf den Tisch und hält so die Spannung hoch. Gleichermaßen souverän geschrieben ist die Figur des Ermittlers, der vom netten Mann unvermittelt zum brutalen Monster mutieren kann. Kim Sang-kyung verkörpert ihn, und nicht zuletzt seine Leistung machen dieses ambitionierte Debüt sehenswert.

Fazit: Mit "The 12th Suspect" gibt Ko Myoung-sung ein ambitioniertes und beachtliches Regiedebüt. Die Handlung ist ausgeklügelt, die Kameraarbeit versiert. Am meisten beeindruckt jedoch das Schauspiel. Ein spannender Kriminalfilm mit historisch-politischen Untertönen.




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Land: Südkorea
Jahr: 2019
Genre: Drama, Krimi, Kriegsfilm
Länge: 106 Minuten
Kinostart: 23.06.2022
Regie: Myoung-Sung Ko
Darsteller: Sang-kyung Kim als Kim Gi Chae, Heo Sung-tae als No Seok Hyun, Kim Dong-young als Park In Seong
Verleih: Tricorder Universe

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