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Aheds Knie (2021)

Ahed's Knee

Sensationeller Schnellschuss: Auf den in Berlin preisgekrönten Film "Synonymes" lässt Regisseur Nadav Lapid dieses in Cannes ausgezeichnete Drama folgen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Der Regisseur X (Avshalom Pollak) castet in Tel Aviv die Hauptdarstellerin für sein nächstes Projekt. Er plant einen Film über die palästinensische Aktivistin Ahed Tamimi, die im Gefängnis landete, weil sie einen israelischen Soldaten ohrfeigte. Doch das Projekt kommt nicht recht voran. Eine Filmvorführung in der Wüste Arava scheint wie eine willkommene Abwechslung. Yahalom David (Nur Fibak), stellvertretende Leiterin der israelischen Bibliotheken im Kulturministerium, hat X dorthin eingeladen. Doch dann kommt alles anders als geplant.

X weigert sich, ein Formular zu unterschreiben, das ihn dazu verpflichtet, bestimmte unliebsame Themen im Anschluss an die Filmvorführung nicht mit dem Publikum zu diskutieren. Er gerät in ein Streitgespräch mit Yahalom, tritt in einen inneren Dialog mit sich selbst und treibt seinen Kampf für Meinungsfreiheit so weit, dass alle an ihre Grenzen geraten.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Vor der Berlinale 2019 kannten Nadav Lapid nur eingefleischte Festivalgänger. Danach stand der 1975 in Tel Aviv geborene Regisseur und Drehbuchautor schlagartig im Rampenlicht. Denn sein Drama "Synonymes" gewann den Goldenen Bären. Lapid erzählt darin die Geschichte eines jungen Israelis, der nach Paris kommt, um aus Verzweiflung über sein Heimatland seine Sprache zu verlernen. In seinem neuen Film setzt Lapid diese Erfolgsstory mit noch rabiateren formalen Mitteln fort.

Auch "Aheds Knie" wurde in den Wettbewerb eines großen Filmfestivals eingeladen und ausgezeichnet. Das Drama erhielt im vergangenen Jahr in Cannes den Preis der Jury. Lapid erzählt darin die Geschichte eines nicht mehr ganz so jungen Israelis, dessen Verzweiflung über sein Land in Wut umschlägt. Statt in der Stadt der Liebe spielt Lapids neuer Film in der Wüste. Hier ist alles eine Schippe wüster und wilder als im Vorgängerfilm.

In nur 15 Tagen geschrieben und an gerade einmal 18 Tagen gedreht, nimmt sich dieser Film wie ein Schnellschuss aus. Aber welch sensationeller! Die Kamera ruckelt, zuckt und schwenkt, dass es einen schwindelt. Die Handlung hüpft munter zwischen Erzählebenen hin und her. Es gibt tolle Tanzeinlagen und kontemplative Konversationen. Und jede Menge Momente des Unbehagens – immer dann, wenn sich der unsympathische Protagonist, unschwer als Lapids Alter Ego zu erkennen, in Rage redet.

Filmemachen ist bei Nadav Lapid nicht nur Auseinandersetzung mit seinem Heimatland und dessen (Kultur-)Politik, sondern auch immer Familienangelegenheit. Sein Vater Haim Lapid arbeitet oft an den Drehbüchern mit, seine Mutter Era Lapid montierte all seine Filme. Nachdem sie "Synonymes" geschnitten hatte, starb sie an Lungenkrebs. Der Film ist ihr gewidmet. In "Aheds Knie" taucht sie in den Telefonaten des Regisseurs mit seiner krebskranken Mutter auf.

"Aheds Knie" ist ein wilder, wüster und wütender Film. Ein Film, der sein Publikum mit einem unsympathischen Protagonisten konfrontiert, der seiner Umwelt seinen Schmerz über die gegenwärtigen Verhältnisse entgegenkotzt. Ob das notwendig oder selbstgerecht ist, muss das Publikum für sich selbst entscheiden. Vielleicht bleibt in einer immer zynischer werdenden Welt am Ende nur Zynismus.

Fazit: Nach dem Berlinale-Sieger "Synonymes" legt Regisseur und Drehbuchautor Nadav Lapid den nächsten Gewinnerfilm nach. Die Herzen der Zuschauer dürfte dieses formal experimentierende Drama zwar nicht im Sturm erobern. Dafür ist es zu wild, wüst und wütend. Ein Kritikerliebling ist "Aheds Knie" aber schon jetzt. Ein sensationeller Schnellschuss!




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Land: Frankreich, Israel, Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 109 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 17.03.2022
Regie: Nadav Lapid
Darsteller: Avshalom Pollak als Y, Nur Fibak als Yahalom david, Oded Azulay als Soldat
Verleih: Grandfilm

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