oder
Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann
Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann
© DCM GmbH

Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann (2022)

The Reason I Jump

Der Dokumentarfilm schildert die Gedanken- und Gefühlswelt autistischer Jugendlicher.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Im Alter von 13 Jahren schrieb der Japaner Naoki Higashida das Buch "Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann: Ein autistischer Junge erklärt seine Welt", das mittlerweile in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde. Darin schilderte der inzwischen 29-jährige Autist, wie er im Kindesalter mit Reizüberflutung, Angst, Anspannung und der Unmöglichkeit, sich durch Sprechen auszudrücken, zu kämpfen hatte. Im Dokumentarfilm werden Passagen aus seinem Buch vorgelesen und junge Autist*innen aus verschiedenen Ländern porträtiert. Die Lektüre des Buches half einigen der Eltern, die im Film zu Wort kommen, ihre Kinder besser zu verstehen.

Die Inderin Amrit zeichnet und malt gerne. Die ausdrucksstarken Bilder der Jugendlichen werden auf einer Ausstellung präsentiert. In England lebt Joss, der oft von Dingen spricht, die seiner Umwelt rätselhaft erscheinen. Er taucht spontan in Erinnerungen ein, hat Freude an Lichtreflexen und Wasser, hört dem Geräusch aus Verteilerkästen zu. Die jungen Erwachsenen Ben und Emma leben in den USA und sind seit der Kindheit befreundet. Sie haben gelernt, sich mit Hilfe einer Buchstabentafel auszudrücken und genießen Schulunterricht. Jestina lebt in Sierra Leone, wo Autist*innen traditionell als vom Teufel besessen gelten. Aber ihre Eltern leisten Aufklärung und haben mit anderen eine Schule für autistische Kinder gegründet.

Bildergalerie zum Film

Warum ich euch nicht in die Augen schauen kannWarum ich euch nicht in die Augen schauen kannWarum ich euch nicht in die Augen schauen kannWarum ich euch nicht in die Augen schauen kannWarum ich euch nicht in die Augen schauen kannWarum ich euch nicht in die Augen schauen kann


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Das Produzentenpaar Stevie Lee und Jeremy Dear gab den Anstoß zu diesem Dokumentarfilm, in dem auch ihr autistischer Sohn Joss vorkommt. Das gleichnamige Buch von Naoki Higashida, einem autistischen Jugendlichen aus Japan, hatte ihnen geholfen, ihren Sohn zu verstehen und mit ihm in einen besseren Kontakt zu treten. So erging es auch David Mitchell, dem Co-Übersetzer des Buchs, der ebenfalls Vater eines autistischen Sohnes ist. Der Regisseur Jerry Rothwell lernte Higashida, der nicht vor die Kamera treten wollte, persönlich kennen. Er konnte sehen, wie der Autor, dem manche Skeptiker nicht zutrauen, das Buch selbst verfasst zu haben, mit der Buchstabentafel und dem Computer umgeht.

Der englische Buchtitel, "The Reason I Jump" oder übersetzt "Warum ich springe", wird von Higashida, aus dessen Buch eine männliche Off-Stimme liest, erklärt: Auf Gefühle reagiere er körperlich oft wie vom Blitz getroffen. Zu springen heißt für ihn, die inneren Fesseln abzuschütteln und die Gefühle in den Himmel steigen zu lassen. Wenn Joss auf dem Trampolin springt, kann er psychischen Stress abbauen. Die Eltern der porträtierten jungen Autist*innen haben durch Higashidas Erlebnisbericht auch erfahren, dass ihre Kinder ein anderes Zeitgefühl als sie selbst besitzen. Sie können spontan Dinge so intensiv erinnern, als geschähen sie jetzt.

Ben und Emma spielen Eishockey in einer Mannschaft und sie nehmen im Unterricht die Ära Perón in Argentinien durch. Die in Fachkreisen umstrittene Buchstabentafel ermöglicht ihnen einen sprachlichen Austausch mit anderen. Und somit erweist sich dieses Hilfsmittel als überaus wichtig, um die Isolation nonverbaler Autisten zu beenden, die oft fälschlich als geistig zurückgeblieben gelten. Auch stilistisch versucht der Film eine Annäherung an das autistische Erleben. Licht- und Schattenspiele an der Wand oder auf der Wasseroberfläche rücken ins Bild. Joss ist in Archivaufnahmen als kleiner Junge zu sehen, der fasziniert das Wasser betrachtet. Dieser sorgfältig gestaltete und sehr berührende Film leistet wichtige Aufklärung. Worunter viele Autisten am meisten leiden, ist nämlich, wie der Film ebenfalls verrät, die Unwissenheit und das fehlende Einfühlungsvermögen ihrer Umgebung, die sich so anders verhält als sie selbst.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Jerry Rothwell nähert sich einfühlsam der Erlebniswelt junger Autisten und Autistinnen an, die große Schwierigkeiten haben, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Die Porträtierten können entweder nicht zusammenhängend sprechen oder geben mit ihren Worten häufig Rätsel auf. Aber einigen hilft das Buchstabenbrett, Worte und ganze Sätze mit dem Finger zu formen und aus ihrer Isolation herauszutreten. Die aus dem gleichnamigen Buchreport eines Betroffenen stammenden Kommentare erklären auf ergreifende Weise, wie sich Autisten trotz Reizüberflutung und emotionalem Aufruhr einen Reim auf die Welt bilden und wie reich ihr Erleben ist.






TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Länge: 82 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 31.03.2022
Regie: Jerry Rothwell
Darsteller: Donna Budway, Stevie Lee, David Mitchell
Verleih: DCM GmbH

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.