oder

In den besten Händen (2022)

La fracture

Französisches Drama über Menschen in der Notaufnahme eines Pariser Krankenhauses.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Die Comiczeichnerin Raphaela, genannt Raf (Valeria Bruni Tedeschi), möchte ihre Lebensgefährtin, die Verlegerin Julie (Marina Foïs), unbedingt davon abhalten, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Doch Julie scheint fest entschlossen zu sein, ihr setzen die ständigen Streitereien mit Raf zu. Raf läuft ihr auf der Straße nach, stürzt und bricht sich den Ellenbogen. Sie landet in der Notaufnahme eines Pariser Krankenhauses, das wegen eines Streiks gerade völlig unterbesetzt ist. Die Krankenschwester Kim (Aissatou Diallo Sagna) schiebt wieder eine Sonderschicht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aber Raf, die Schmerzen hat und zwischen unzähligen Kranken und Verletzten in einem Saal liegt, muss sich auf eine Wartezeit von vielen Stunden einstellen.

Julie kommt, um der leidenden Raf zur Seite zu stehen, aber dabei flammt auch ihr Streit immer wieder auf. Raf legt sich auch mit dem Lkw-Fahrer Yann (Pio Marmaï) an, der auf einer Demonstration der Gelbwesten am Bein verletzt wurde. Wütend knallen sich Raf und Yann all die Vorurteile an den Kopf, die sie als Angehörige verschiedener sozialer Schichten gegeneinander hegen. Im Laufe der aufreibenden Wartezeit aber entwickeln Raf und Yann auch Sympathien füreinander. Die Situation spitzt sich zu, als Demonstranten Zuflucht vor der gewalttätigen Polizei im Krankenhaus suchen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Die Krise des heruntergesparten Gesundheitswesens gibt es nicht nur in Deutschland und auch nicht erst seit der Corona-Pandemie. Dieser französische Spielfilm, dessen Handlung vor Corona-Zeiten, aber schon während der Ära des gegenwärtigen Präsidenten Macron angesiedelt ist, mutet wie eine eindringliche Warnung vor dem Besuch der Notaufnahme eines öffentlichen Krankenhauses an. Die Zustände, die in der bestreikten Pariser Klinik herrschen, sind eines Katastrophenfilms würdig und dennoch nahe genug an der Realität, die auch ein deutsches Publikum kennt oder erleben könnte. Die sonstigen Themen, die die Regisseurin Catherine Corsini ("La Belle Saison: Eine Sommerliebe") verfolgt, wie die Konflikte zwischen der Künstlerin Raf und dem Lkw-Fahrer Yann oder die Beziehungskrise zwischen Raf und ihrer Partnerin Julie, werden von der Wucht der Klinik-Eindrücke ziemlich an die Wand gespielt.

Wenig Chancen, sich zwischen verletzten, fiebernden oder unter Atemnot leidenden Patienten zu entfalten, hat auch der Humor. Dennoch spielt Valeria Bruni Tedeschi die von Trennungsangst geplagte Raf als überspannte Person, die laut nach ihrer Partnerin Julie ruft und sogar wiederholt von ihrer Liege fällt. Die verbalen Scharmützel, die sie sich mit dem wütenden Gelbwesten-Demonstranten Yann liefert, sind auch zuweilen amüsant. Pio Marmaï spielt den Mann, der um seinen Job bangt, weil er seinen Lkw nicht fahren kann, als ernsthaft beseelt vom sozialen Protest gegen die Regierung Macron.

Die interessanteste Figur aber ist die Krankenschwester Kim, die von einer Angehörigen ihres Berufs gespielt wird. Kim muss überall sein, Raf beruhigen, nach einer sterbenden alten Dame schauen, einen Mann nach einer Herzattacke wiederbeleben. Wie sie es schafft, trotz der Hektik mütterliche Fürsorge auszustrahlen, ist großartig. Allerdings stilisiert der Film sie im Laufe der Handlung schon zur schier überlebensgroßen Heldin. Corsini betont auch um Kim herum die menschliche Solidarität, die sich in der Not entwickelt. Diese gewollt wirkenden emotionalen Töne aber schaden dem Realismus, den der Film ebenfalls anstrebt und mit seinen anstrengenden Eindrücken der Unruhe und des Mangels auch vermittelt. In einem Dokumentarfilm wäre diese Systemkritik vielleicht besser aufgehoben gewesen.

Fazit: Unter der Regie von Catherine Corsini gerät dieser Spielfilm über Menschen in der Notaufnahme einer bestreikten und unterbesetzten Pariser Klinik zum Katastrophenszenario. Die Zustände, die Wartende wie eine Zeichnerin mit gebrochenem Ellenbogen und ein verletzter Gelbwesten-Demonstrant zu ertragen haben, wirken dabei durchaus realitätsnah. Der Film erinnert mit wuchtiger Kraft daran, dass es die Krise des Gesundheitswesens schon vor der Corona-Pandemie gab, aber er meint es zu gut, wenn er eine sich abrackernde Krankenschwester zur fast übermenschlichen Heldin verklärt. Die anderen Charaktere und ihre Konflikte und Probleme verblassen unter den anstrengenden Eindrücken dieser Ausnahmesituation.




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Land: Frankreich
Jahr: 2022
Genre: Drama, Komödie
Länge: 98 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 21.04.2022
Regie: Catherine Corsini
Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi als Raphaëlle Catania dite Raf, Marina Foïs, Pio Marmaï als Yann Caron
Verleih: Alamode Film

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