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Loving Highsmith (2022)

Filmischer Liebesbrief: Schweizer Dokumentation über das Privatleben der weltbekannten amerikanischen Autorin Patricia Highsmith.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Patricia Highsmith (1921-1995) zählt zu den bekanntesten Autorinnen der Welt. Ihre 22 Romane verkauften sich millionenfach; fast alle davon wurden verfilmt, einige mehrfach. Den Anfang machte Alfred Hitchcock, der Highsmiths Debütroman "Zwei Fremde im Zug" (1950) ein Jahr nach dessen Erstveröffentlichung als Adaption auf die große Leinwand brachte. Seither haftete Highsmith das Etikett der Kriminalautorin an, obwohl sie ihre Romane nie als Krimis verstanden hat. Ihre bekannteste Figur ist Tom Ripley, dessen Leben fünf Bücher füllte.

Mit "Salz und sein Preis" (1952; später unter dem Titel "Carol" neu aufgelegt), den Highsmith unter Pseudonym veröffentlichte, erzählte sie eine der wenigen lesbischen Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts, die für die Protagonistinnen gut ausgehen. Dass auch Highsmith Frauen liebte, wussten nur wenige. Erst ihre 2021 veröffentlichten Tagebücher brachten Licht in ihr zu Lebzeiten stets unter Verschluss gehaltenes Privatleben. Die Tagebücher dienten diesem Dokumentarfilm als Ausgangsmaterial.

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Die Entstehungsgeschichte dieses Dokumentarfilms reicht weit zurück und könnte einem der Romane Patricia Highsmiths entnommen sein. Die Regisseurin Eva Vitija war bereits als Siebenjährige von Highsmith fasziniert. "Als ich mit meiner Familie die Sommerferien im Tessiner Dorf Tegna verbrachte, erzählten mir meine Eltern: In diesem Dorf lebt auch eine sehr berühmte Schriftstellerin – alleine mit ihren Katzen", erinnert sich Vitija. "Und schon diesem belanglosen Satz haftete ein wohliger Schauder an, aufregend und etwas furchteinflößend." Der eigentliche Auslöser für ihren Film waren Highsmiths Tagebücher und private Notizen. Vitija liebte die Romane der Schriftstellerin, nach der Lektüre der Tagebücher hat sie sich schließlich auch in den Menschen hinter der Schriftstellerin verliebt. Ihr Film ist ein dokumentarischer Liebesbrief.

Dafür ist Vitija in die USA, nach Frankreich und Berlin gereist, hat ehemalige Lebensgefährtinnen von Patricia Highsmith und deren texanische Verwandte (Highsmith entstammt einer Rodeo-Familie) getroffen und sich mit ihnen unterhalten. Und sie ist tief in die Archive gestiegen und hat Film- und Fernsehaufnahmen der Schriftstellerin zutage gefördert. Gepaart mit Passagen aus den Tagebüchern, die Maren Kroymann aus dem Off vorträgt, und Ausschnitten aus all den Highsmith-Adaptionen – von "Zwei Fremde im Zug" (1951) über "Der amerikanische Freund" (1977) und "Der talentierte Mr. Ripley" (1999) bis zu "Carol" (2015) – ergibt sich eine aufschlussreiche Korrespondenz. Highsmiths eigene Aussagen über ihr Leben und Werk treten in einen Dialog mit den Aussagen anderer über sie und mit den von ihr erdachten Figuren.

Elegant montiert und klug miteinander verwoben, zeichnet Eva Vitija das Porträt einer Frau, die ihren Lebens- und Karriereweg unbeirrt beschritten hat, an der die private Heimlichtuerei aber nicht spurlos vorübergegangen ist. "Loving Highsmith" zeigt eben auch, wie aus einer wunderschönen jungen Frau, die sich furchtlos und lebensfroh ins lesbische Nachtleben des Nachkriegs-New-Yorks gestürzt hat, durch hohen Alkoholkonsum und bittere Enttäuschungen die eingangs beschriebene alleinstehende Frau mit den Katzen wurde. Und last but not least zeigt der Film ein wenig von Highsmiths Arbeitsweise, für die die Schriftstellerin eine poetische Formulierung gefunden hat: "Ideen fliegen mir zu wie Vögel, die ich aus dem Augenwinkel beobachte."

Eva Vitijas Film steckt voller Ideen, beobachtet aber nicht nur aus dem Augenwinkel, sondern sieht genau hin. Am Ende teilt das Publikum ihre Faszination für diese Ausnahme-Autorin.

Fazit: Die Regisseurin Eva Vitija hat einen dokumentarischen Liebesbrief an die Schriftstellerin Patricia Highsmith verfasst. Elegant montiert entsteht ein Bilderfluss, der vor Augen führt, was diese Autorin abseits ihres ohnehin schon faszinierenden Werks auch als Privatperson so faszinierend macht.




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Land: Schweiz, Deutschland
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Länge: 83 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 07.04.2022
Regie: Eva Vitija-Scheidegger
Darsteller: Patricia Highsmith als Self (archive footage), Marijane Meaker als Self, Monique Buffet als Self
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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