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Sigmund Freud - Freud über Freud (2020)

Sigmund Freud, un juif sans Dieu

Ein Leben in den eigenen Worten: französischer Dokumentarfilm über den berühmten Psychoanalytiker.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Sigmund Freud gilt gemeinhin als Vater der Psychoanalyse. Am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren (tschechisch: Příbor) als Sohn eines jüdischen Wollhändlers geboren, siedelte er mit seinen Eltern noch im Kindesalter zunächst nach Leipzig, dann nach Wien über. Dort besuchte er das Gymnasium und studierte im Anschluss Medizin. 1886 eröffnete er eine eigene Praxis. Freuds grundlegendes Buch "Die Traumdeutung" erschien 1899 und läutete ein Jahrhundert der Psychoanalyse ein.

David Tebouls Dokumentarfilm zeichnet all diese Stationen und Freuds weiteren Werdegang bis zu seinem Tod am 23. September 1939 in London nach. Dabei arbeitet er wichtige Beziehungen Freuds, etwa zu seiner Tochter Anna Freud und zu seinen Kollegen Wilhelm Fließ, C. G. Jung und Lou Andreas-Salomé heraus.

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Sigmund Freud - Freud über FreudSigmund Freud - Freud über Freud


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Am 6. Mai 2022 wäre Sigmund Freud 166 Jahre alt geworden. Das ist zwar kein rundes Jubiläum, aber dennoch Anlass genug, David Tebouls bereits zwei Jahre alten Dokumentarfilm endlich in die deutschen Kinos zu bringen. Das Warten hat sich gelohnt. Denn der französische Regisseur präsentiert seinem Publikum keine gewöhnliche Doku.

Auf die üblichen Erklärungen, einordnenden Kommentare und Expertenstimmen verzichtet Teboul beinahe gänzlich. Lediglich ein sporadisch eingesetzter Erzähler stellt Zusammenhänge her, wo Freud und seine Wegbegleiter nicht in ihren eigenen Worten sprechen können. Der Rest des Films stützt sich komplett auf Freuds eigene Schriften und seine Korrespondenzen mit seinen Zeitgenossen. Neben ihm selbst kommen seine Tochter Anna, seine Kollegen C. G. Jung und Lou Andreas-Salomé und Freuds Kollegin und Gönnerin Marie Bonaparte, eine Urgroßnichte Napoleon Bonapartes, zu Wort.

Teboul war es dabei wichtig, Freud nicht als Psychoanalytiker, sondern als Denker jenseits der Psychoanalyse und als atheistischen Juden, der sich zeitlebens zu seinem Judentum bekannte, es aber nicht praktizierte und kritisch hinterfragte, in den Fokus zu rücken.

Im französischen Original konnte Teboul wahre Schauspielgrößen als Stimmen gewinnen. Mathieu Amalric spricht Sigmund Freud, Isabelle Huppert Freuds Tochter Anna und keine Geringere als Catherine Deneuve Marie Bonaparte. Deren Stimme hört nun auch das deutschsprachige Publikum, weil Deneuve im Original ja eine Französin spricht. Für die Österreicher Sigmund und Anna Freud konnten Johannes Silberschneider und Birgit Minichmayr, für den Schweizer Carl Gustav Jung Roland Koch gewonnen werden.

Herausgekommen ist ein steter Bilder- und Gedankenfluss. Unter die aus dem Off gesprochenen Überlegungen, Analysen und Korrespondenzen hat David Teboul eine organische Montage an Bildern gelegt, die zum Teil noch nie veröffentlichtes Archivmaterial zeigt. Formal erinnert das an einen Traum oder das Vordringen ins Unbewusste. Laut eigener Aussage wollte Teboul einen Film machen, der "in seinem Wesen einer Freud'schen Therapiestunde gleicht". Das ist ihm eindrücklich gelungen.

Fazit: Wie der Untertitel bereits vermuten lässt, ist "Sigmund Freud – Freud über Freud" ein Dokumentarfilm, in dem der Vater der Psychoanalyse selbst zu Wort kommt. Regisseur David Teboul ist ein eindrücklicher Bilder- und Gedankenstrom geglückt, der an eine Therapiesitzung erinnert.




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Land: Frankreich
Jahr: 2020
Genre: Dokumentation
Länge: 97 Minuten
Kinostart: 05.05.2022
Regie: David Teboul
Darsteller: Mathieu Amalric als Sigmund Freud, Jeanne Balibar als Lou Andreas-Salomé, Catherine Deneuve als Marie Bonaparte
Verleih: Film Kino Text

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