oder

Nawalny (2022)

Navalny

Schwarzwald-Thriller: US-Dokumentarfilm über den Giftanschlag auf Alexei Nawalny und die nachfolgenden Recherchen, die von St. Blasien aus koordiniert wurden.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Alexei Nawalny, am 4. Juni 1976 in einem Dorf gute 40 Kilometer westlich von Moskau geboren, ist im Westen vor allem durch seine Opposition zum russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannt. Weltweit in die Schlagzeilen gerät der Rechtsanwalt, Anti-Korruptions-Aktivist und Politiker am 20. August 2020, als er während eines Flugs von Tomsk nach Moskau nur knapp einen Giftanschlag überlebt. Seine Frau Julija sorgt dafür, dass ihr Mann nach Deutschland ausgeflogen und in der Berliner Charité behandelt wird. Danach erholt er sich im Schwarzwald und holt von dort aus mit seinen eigenen Recherchen zum Giftanschlag zum medialen Gegenschlag aus. Im Januar 2021 kehrt er nach Moskau zurück und wird noch am Flughafen festgenommen. Im März 2022 wird er schließlich zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt.

Der Regisseur Daniel Roher hat für seinen Dokumentarfilm einen Großteil der Ereignisse mit der Kamera begleitet und die entscheidenden Akteure, darunter Christo Grozev vom internationalen Recherchenetzwerk Bellingcat, interviewt.

Bildergalerie zum Film

Nawalny - Nawalny auf einer KundgebungNawalny - Nawalny auf seinem Weg zurück nach MoskauNawalny - Alexei Nawalny während eines InterviewsNawalny - Nawalny und seine Frau JulijaNawalny - Nawalny und Maria PevchikhNawalny - Julija Nawalnaja


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Ich darf mich sehr glücklich schätzen, dass ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war", sagt Daniel Roher über seinen Film. Als Alexei Nawalny im August 2020 vergiftet wurde, strich Roher gerade seine Küche in Toronto. Kurze Zeit später traf der kanadische Regisseur den russischen Oppositionellen zum ersten Mal im beschaulichen St. Blasien, wo sich Nawalny mit seiner Familie erholte. Den Kontakt stellte ein Bekannter von Rohers Produzentin her. In den nächsten Monaten drehte Roher dort im Schwarzwald mit einer kleinen Crew im Geheimen und förderte dabei ganz Verblüffendes zutage.

Obwohl die interessierte Weltöffentlichkeit über Alexei Nawalnys Geschichte Bescheid weiß, ist Rohers Film spannend wie ein Thriller. Die Fakten sind alle bekannt, und doch ist die Innensicht spektakulär. Roher ist ganz dicht dran und vermittelt dem Kinopublikum so das Gefühl, bei Nawalnys Recherchen live dabei zu sein. Als es Nawalny und seinem Team gelingt, die am Giftanschlag Beteiligten ausfindig zu machen und einen von ihnen am Telefon sogar zum Reden zu bringen, ist das eine der einprägendsten und wichtigsten Szenen der jüngeren Dokumentarfilmgeschichte.

"Nawalny" ist aber mehr als eine nervenaufreibende Polit-Doku. Der Film ist auch das Porträt eines Medienprofis, der um seine eigene Wirkung weiß. Alexei Nawalny ist eloquent, polyglott, charismatisch und charmant. Dessen ist er sich selbst ebenso bewusst, wie Daniel Roher darum weiß. Der Regisseur geht seinem Protagonisten nicht einfach auf den Leim. Er hinterfragt sowohl Nawalny als auch seine eigene Position und die Herangehensweise seines Films. Auf kritische Fragen zu seiner Vergangenheit, in denen der russische Oppositionelle gemeinsam mit Rechtsextremisten marschierte, hat Nawalny gleichermaßen kluge wie unbequeme Antworten parat. Nawalny polarisiert, heiligt für den Zweck die Mittel und will nicht allen gefallen.

Seine Weltpremiere feiert "Nawalny" Ende Januar 2022 beim Sundace Film Festival, von dem er zwei Preise mit nach Hause nahm. Wenn der Film nun Anfang Mai 2022 in den deutschen Kinos startet, hat die Weltpolitik ihn in Teilen bereits überholt. Inzwischen ist Alexei Nawalny zu neun Jahren Haft verurteilt worden, wie eine am Ende angefügte Texttafel das Publikum wissen lässt, und in der Ukraine tobt ein von Russland begonnener Krieg.

Ob Alexei Nawalny tatsächlich ein besserer Staatsmann wäre als Wladimir Putin, ob er sich nach einer Wahl an seine Versprechen halten und für Demokratie und Meinungsfreiheit einsetzen würde, kann dieser Film nicht beantworten. Er führt aber ein weiteres Mal vor Augen, wie skrupellos (und dreist) Putin agiert, wenn es darum geht, unliebsame Gegner aus dem Weg zu schaffen. Und er macht Hoffnung, weil er zeigt, dass es auch ein anderes Russland gibt.

Fazit: "Nawalny" ist ein Dokumentarfilm und ein Zeitzeugnis fesselnd wie ein Politthriller. Zugleich liefert der Regisseur Daniel Roher das Porträt eines charismatischen Mannes, der sich seiner medialen Wirkung bewusst ist und kein Problem damit hat, zu polarisieren, um seine Überzeugungen durchzusetzen. Angesichts der Lage in Osteuropa könnte "Nawalny" gar nicht aktueller sein.




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Land: USA
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Länge: 98 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 05.05.2022
Regie: Daniel Roher
Darsteller: Alexei Navalny als Self, Yulia Navalnaya als Self, Dasha Navalnaya als Self (as Dasha Navalny)
Verleih: DCM GmbH

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