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Endlich unendlich (2021)

Who Wants to Live Forever: deutsch-österreichischer Dokumentarfilm über Transhumanismus und Biohacking.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie die Menschheit. Transhumanisten glauben, dass er noch zu unseren Lebzeiten erreicht werden könnte. Sie begreifen das Altern und letzten Endes das Sterben nicht als unausweichlichen Prozess, sondern lediglich als Krankheit, die wie andere Krankheiten besiegt werden kann.

Der Regisseur Stephan Bergmann hat sie besucht, sich ihre Theorien angehört und ihnen bei der Arbeit zugesehen. Neben prominenten Vertretern der Szene wie dem Bioinformatiker Aubrey de Grey und dem Zukunftsforscher Max More kommen auch Biohacker zu Wort, die dem Milliardengeschäft mit dem ewigen Leben ihre Do-it-yourself-Methoden entgegensetzen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Jahrtausendelang trieb Philosophen die Frage um, ob es ein Leben nach dem Tod gebe. Inzwischen lautet die Frage "Gibt es ein Leben ohne Tod?". Transhumanisten glauben fest daran. Für manche wie den in Stephan Bergmanns Film porträtierten Mormonen Lincoln Cannon lässt sich dieser Wunsch nach der irdischen Ewigkeit sogar mit seinem Glauben an Gott und mit der Bibel vereinen. Cannon bleibt nicht der letzte schräge Charakter, den Bergmann für seinen Dokumentarfilm vor die Kamera gebeten hat. Einer davon dürfte einem breiteren Publikum bekannt sein, ein weiterer ist zumindest für all jene, die sich schon einmal mit Transhumanismus beschäftigt haben, ein vertrautes Gesicht.

Der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder ("Neununddreißigneunzig", "Der romantische Egoist") führt als eine Art Erzähler und Stimme der Vernunft durch Bergmanns Film. Wie der Regisseur selbst traute sich auch der Schriftsteller nicht, seinen Kindern zu sagen, dass sie irgendwann einmal das Zeitliche segnen müssen und beschäftigte sich deshalb mit den Ideen des Transhumanismus. Wer das wie Beigbeder und Bergmann tut, läuft irgendwann dem englischen Philosophen und Zukunftsforscher Max More über den Weg, der bereits in diversen Dokumentarfilmen und Fernsehbeiträgen zum Thema zu sehen war. Die in riesigen Tanks eingefrorenen Körper und Köpfe, die More gemeinsam mit seiner Frau, der studierten Medienkünstlerin und Designerin Natasha Vita-More, verwaltet, sind dabei bei Weitem nicht das Absonderlichste, das Bergmanns Film zu bieten hat.

Der 1980 in Graz geborene Regisseur zeigt auch Biohacker wie Tim Cannon, der sich im Selbstversuch Computerchips unter die Haut setzen lässt, oder die Unternehmerin Liz Parrish, die sich mittels Gentherapie jung zu spritzen versucht. Dabei schont Bergmann die Zuschauenden nicht. Die Prozeduren sind äußerst unappetitlich anzusehen. Was von all dem zu halten ist und welche Ergebnisse es zeitigt, ob Parrish etwa tatsächlich jünger aussieht, darf das Kinopublikum selbst entscheiden. Denn Bergmann kommentiert nichts. Einordnende Stimmen, etwa von Medizinern fehlen ebenso wie kritische Nachfragen, beispielsweise nach der Finanzierung all des Gezeigten. Immerhin ist der Wunsch nach einem ewigen Leben für viele Porträtierte auch ein Geschäftsmodell.

Die Welt der Transhumanisten und Biohacker, in die Stephan Bergmann sein Publikum entführt, ist faszinierend und schauderhaft zugleich. Dabei schneidet Bergmann unzählige Themenfelde an, die nicht immer ganz zusammenpassen, auch wenn manch schönheitsoperiertes und aufgespritztes Gesicht eine frappierende Ähnlichkeit zur im Film gezeigten BINA 48, einer künstlichen Intelligenz mit Siliconkopf, aufweist.

Fazit: Stephan Bergmanns Dokumentarfilm ist gleichermaßen faszinierend und schauderhaft. Ob wir wirklich ewig leben wollen, muss jede/r im Kinopublikum für sich selbst beantworten. Nach diesem Film fällt die Antwort darauf womöglich leichter.




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Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2021
Genre: Dokumentation
Länge: 92 Minuten
Kinostart: 16.06.2022
Regie: Stephan Bergmann
Verleih: Real Fiction

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