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Tics   Mit Tourette nach Lappland
Tics Mit Tourette nach Lappland
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Tics – Mit Tourette nach Lappland (2022)

Dokumentarfilm über eine therapeutische Selbsterfahrungsreise in den hohen Norden.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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Daniel, Marika und Leo haben Tourette. Sie neigen zu motorischen und vokalen Tics, die sie nicht kontrollieren können. Alle drei waren schon als Kinder mit dieser neurologischen Störung konfrontiert, die ihr Umfeld nicht verstand. Sie haben eine Vielzahl an Therapien und Behandlungen hinter sich. Marika ist es gelungen, ihre Tics weitgehend zu überwinden oder zu unterdrücken. Daniels Tics äußern sich in kurzen Lauten, die ihm die ungewollte Aufmerksamkeit seiner Umgebung einbringen. Leo muss heftig mit dem Kopf zucken, ihn ruckartig nach hinten oder zur Seite werfen. Das behindert ihn manchmal so sehr, dass er nicht sprechen kann. Diese drei jungen Menschen haben beschlossen, mit zwei Medizinern nach Lappland zu fahren. Sie wollen eine neue Verhaltenstherapie ausprobieren und die Freiheit in der Natur, abseits von Menschenansammlungen, auf sich wirken lassen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Dokumentarische Reiseberichte sind beliebt, von Radtouren durch Afrika über das Pilgern am Jakobsweg bis hin zu Selbsterfahrungstrips in der Wildnis. Die Reise, über die der Dokumentarfilmer Thomas Oswald berichtet, ist zwar auch ein Abenteuer, zugleich aber auch ein therapeutisches Experiment. Drei der Reisenden sind Probanden mit einer neurologischen Störung, dem Tourette-Syndrom. In der menschenleeren Natur Finnlands sollen sie sich auf eine neue Weise kennenlernen. Der Neurologe Alexander Münchau, der auch Produzent des Films ist, begleitet sie zusammen mit dem Psychiater Daniel Alvarez-Fischer. Im nordischen Sommer müssen sich Daniel, Marika und Leo einmal nicht darum kümmern, was ihre Mitmenschen von ihnen denken, wie sie schauen, denn hier gibt es keine Mitmenschen. Der Stress, sich angepasst verhalten zu wollen und es nicht zu können, fällt weg.

Oswalds Film ist wichtig, weil er das Publikum über Tourette informiert und zeigt, wie vielfältig die Tics sein können und wie belastend sie für die Betroffenen sind. Bevor die Reise nach Lappland beginnt, sprechen die drei Probanden mit verschiedenen Neurologen, Forscherinnen und Therapeuten über Tourette. Den Königsweg zur Heilung oder Symptomfreiheit scheint es noch nicht zu geben. Leo hat auch keine Therapie so geholfen wie ein Praktikum in einem Kindergarten. Während der Arbeit kamen die Tics höchstens einmal in der Stunde, sie waren also fast weg – tauchten aber nach Feierabend pünktlich wieder auf.

In der freien Natur Lapplands lassen die Tics der Probanden manchmal nach, tauchen aber in der Enge des Autos oder der Übernachtungshütten wieder auf. Marika, die ihre Tics und Impulse meistens so gut beherrschen kann, fühlt sich von den Tics der anderen beiden gestresst. Zu sehr erinnert sie das alles an ihr vergangenes Leiden. Sollten die Probanden und die Mediziner gehofft haben, dass die Reise, das Naturerlebnis, die Begegnung mit einem Schamanen, die Tics besiegen helfen, dann erfüllt sie sich nicht. Dennoch bleibt diese Erfahrung nicht ohne positive Wirkung, wie die Teilnehmerin selbst bekunden. Offenbar ging es hierbei weniger um einen gründlich durchdachten Therapieversuch, als um einen Erfahrungstrip mit offenem Ergebnis und zugleich um die Gelegenheit, das Leben mit Tourette zu schildern. Denn das Unverständnis und die fehlende Toleranz der Mitmenschen sind es, die den Betroffenen den Alltag so erschweren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Thomas Oswald schildert eine besondere Selbsterfahrungsreise in die Wälder Finnlands. Drei junge Menschen, die am Tourette-Syndrom leiden, erproben in der menschenleeren Natur, wie es ist, nicht immer an die Reaktion der Umgebenden auf ihre Tics denken zu müssen. Begleitet werden sie von zwei Medizinern. Dieser aufgrund seines Themas wichtige Film macht sein Publikum mit der neurologische Störung vertraut und zeigt, wie belastend sie für die Betroffenen ist, vor allem, wenn das Verständnis der Mitmenschen fehlt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Länge: 94 Minuten
Kinostart: 23.06.2022
Regie: Thomas Oswald
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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