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Alcarrás - Die letzte Ernte (2022)

Alcarràs

Im diesjährigen Berlinale-Gewinner geht es um eine spanische Familie, die sich von ihrer Pfirsich-Plantage verabschieden muss, weil diese modernen Solar-Anlagen weichen soll.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Seit Generationen lebt die Familie von Quimet (Jordi Pujol Dolcet) von ihrer Pfirsichfarm in einem kleinen Ort in Katalonien. Der Urgroßvater besiegelte die Pacht für die Plantage vor langer Zeit nur per Handschlag – und genau diese Leichtsinnigkeit wird der Familie nun zum Verhängnis. Denn: ein schriftliches Dokument existiert nicht. Der offizielle Grundbesitzer Pinyol hat nun neue Pläne mit dem Land und teilt Quimet und seiner Familie mit, dass die Plantage nach der letzten Ernte modernen, gewinnbringenden Solar-Panels weichen muss. Für Quimet, seine Frau Dolores (Anna Otin) und die drei Kinder steht ein schwieriger Sommer bevor, der der letzte auf der Farm sein könnte.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Auf ein höchst mögliches Maß an Authentizität und Realismus setzt Filmemacherin Carla Simón in ihrem leise und intim erzählten Drama, das die diesjährige Berlinale-Jury begeisterte. So vertraut die 35-Jährige etwa auf Laiendarsteller, die sich gewissermaßen selber spielen. Und das titelgebende, im tiefsten Katalonien gelegene Dorf existiert tatsächlich – Simón selbst wuchs dort auf einer Pfirsichfarm auf.

Die Erlebnisse und Ereignisse, um die es in Alcarràs geht, schildert sie zu weiten Teilen aus Sicht der Kinder. Gewissermaßen aus der Sicht der kleinen Carla Simón. Und diese Perspektive verleiht dem Film etwas zutiefst Magisches und Unschuldiges. Man beobachtet die Geschwister dabei, wie sie sich die Plantage mit ihren Parzellen und verzweigten, Labyrinth-artigen Wegen zu eigen machen. Wie sie das inmitten des Feldes stehende Familienhaus, die Farm und die nahe Gegend in einen riesigen Abenteuerspielplatz verwandeln – samt Citroen 2 CV-Autowrack, das zum Raumschiff umfunktioniert wird.

In ruhigen, geduldigen Aufnahmen und mit viel Feingefühl zeigt Simón aber auch den allmählichen Zusammenbruch des fragilen familiären Gefüges und des Zusammenhalts. Dies bleibt natürlich auch den Kindern nicht verborgen, gerade weil sich das zu Beginn stoische, sture Verhalten des Vaters, der das drohende Ende der Familientradition nicht wahrhaben will, allmählich ändert. Die Wutausbrüche nehmen zu, die Streitigkeiten mit der Frau ebenso.

Entfernt man sich einmal vom Mikrokosmos der Familie, erzählt "Alcarràs" aber natürlich von ganz universellen, übergreifenden Themen und Ängsten: von der Verdrängung der "kleinen Leute" und hart arbeitenden Landbevölkerung durch gewinnorientierte Konzerne. Von Wandel und dem Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne. Von sich rasant verändernden Zeiten, die neue, ergiebigere Formen des Arbeitens, Wirtschaftens und der Landnutzung (Stichwort: Klimawandel und erneuerbare Energien) nötig machen – und in denen viele Menschen nicht mehr mitkommen, Schritt halten können und sich abgehängt sowie hilflos fühlen.

Kritik: Ein zutiefst menschliches, äußerst authentisch erzähltes Drama, das auf angenehm nüchterne Weise und ohne künstliche Betroffenheit von gegenwärtigen Veränderungen und typischen Ängsten sowie Problemen unserer Zeit erzählt.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Spanien, Italien
Jahr: 2022
Genre: Drama
Länge: 120 Minuten
Kinostart: 11.08.2022
Regie: Carla Simón
Darsteller: Jordi Pujol Dolcet als Quimet, Anna Otin als Dolors, Xènia Roset als Mariona
Verleih: Piffl Medien

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