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Il mio corpo
Il mio corpo
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Il mio corpo (2022)

Dokumentarfilm: Ein Teenager und ein aus Nigeria geflüchteter junger Mann versuchen, ihren Alltag in Sizilien zu bewältigen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Der jugendliche Oscar und sein älterer Bruder gehen täglich im Auftrag des Vaters auf Müllhalden, um dort nach Altmetall zu suchen, das sich weiterverkaufen lässt. Er leidet unter dem aggressiven Verhalten seines Vaters und träumt von einem besseren Leben. Stanley kam wiederum als Geflüchteter aus Nigeria nach Sizilien und fand in einem Priester einen Menschen, der ihm hilft und ihm Arbeit vermittelt. Er muss jedoch für einen Freund kämpfen, der keine Aufenthaltsgenehmigung erhält.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In seinem Dokumentarfilm "Il mio corpo" befasst sich der Regisseur Michele Pennetta, Jahrgang 1984, in zwei weitgehend parallel verlaufenden Strängen mit dem (Über-)Leben des adoleszenten Sizilianers Oscar und des aus Nigeria geflüchteten Stanley. Das Werk entwickelt dabei eine atmosphärische Dichte und emotionale Spannung, die an episodisch erzählte Spielfilme wie "Amores Perros" (2000) von Alejandro González Iñárritu denken lassen. Pennetta zeigt ein äußerst feines Gespür für Bildkomposition, Montage und Musikuntermalung, wenn er die Stimmungen im Alltag seiner beiden Protagonisten einfängt.

In den Passagen, die sich dem Teenager Oscar widmen, sind es vor allem die stets unangenehmen Interaktionen mit dem Vater, die lange in Erinnerung bleiben. Dieser bezeichnet seinen Sohn als "Nichtsnutz", kommandiert ihn herum und macht ihm immer wieder Vorwürfe. In häuslichen Gesprächen erfahren wir am Rande, dass die Mutter fortgegangen ist; die Beziehungen zur neuen Partnerin des Vaters und zum jüngsten Geschwisterchen bleiben eher im Vagen. Wenn Oscar mit seinem älteren Bruder auf dem Fahrrad durch die Straßen der Region fährt, erinnern die Aufnahmen an Indie-Kino wie "Lucía und der Sex" (2001) von Julio Medem oder "Glue" (2006) von Alexis Dos Santos. "Wann wirst du endlich erwachsen?", fragt Oscars Vater an einer Stelle genervt. Und wir ahnen, dass der Jugendliche unter diesen Lebensbedingungen schon längst erwachsen geworden ist – schlicht und ergreifend weil er es musste.

Und auch die Szenen, in denen Stanleys Situation beleuchtet wird, zeichnen sich durch Pennettas empathischen Blick aus – etwa wenn Stanley gemeinsam mit einem Freund kocht, im Meer badet, Sport treibt oder darüber diskutiert, warum er eigentlich noch hier ist. Das Leben in Armut wird in "Il mio corpo" weder ausgebeutet noch idealisiert. In erster Linie wird in beiden Strängen deutlich, wie einsam sich Oscar und Stanley inmitten der beinahe postapokalyptisch anmutenden Landschaft fühlen.

Fazit: Ein bemerkenswert bebilderter und montierter Dokumentarfilm über den Alltag zweier Menschen in Sizilien, die durch die Hoffnung auf ein erfüllteres Leben miteinander verbunden sind.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Italien, Schweiz
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Länge: 81 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 18.08.2022
Regie: Michele Pennetta
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH



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