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Geborgtes Weiß (2021)

Beziehungen sind eine Baustelle: deutsches Drama über eine Mutter, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Marta (Susanne Wolff), ihr Sohn Nathan (Elia Gezer) und ihr Partner Roland (Ulrich Matthes) führen ein beschauliches Leben in einem alten Haus mitten in der Natur. Gegenüber dem albanischen Wanderarbeiter Valmir (Florist Bajgora) scherzt Roland einmal, Marta und Nathan seien ihm zugelaufen. Denn Roland ist nicht Nathans Vater. Die Ärztin Marta brachte ihn mit in die Beziehung. Bislang war das kein Problem. Durch Valmirs Auftauchen verschieben sich jedoch allmählich die Verhältnisse.

Roland hat Valmir angeheuert, um das Badezimmer im Haus zu sanieren. Wo der Arbeiter herkam und weshalb er ausgerechnet auf Rolands Türschwelle aufkreuzte, bleibt zunächst ein wenig mysteriös. Schnell wird jedoch klar, dass Valmir und Marta eine gemeinsame Vergangenheit haben, die das beschauliche Leben gehörig durcheinanderwirbeln könnte.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Sebastian Kos neuer Film ist voller Bilder, die über das Abgebildete hinaus noch für etwas anderes stehen. In einem kurzen Prolog sehen wir eine Frau, die mit einem Baby in ihren Händen durch eine Reihe Panzersperren flieht. Kurz darauf, im eigentlichen Auftakt zu diesem Drama trägt die von Susanne Wolff gespielte Frau das nun deutlich ältere Kind auf ihrem Rücken. Am Filmende flieht sie erneut, doch sie kommt nicht weit. Der Junge ist zu schwer, sie kann ihn nicht länger tragen.

Die Last der Vergangenheit, an der die Protagonistin schwer zu tragen hat, ist nur eines von mehreren Motiven, die Ko nach einem Drehbuch von Karin Kaçi ("1000 Arten Regen zu beschreiben") und einer Idee von Kaçi und ihm ins Bild rückt. Das Leben als Baustelle ist ein anderes; dass man sich gut überlegen sollte, wem man die Tür öffnet und in sein Haus und Leben lässt, ein weiteres. All diese Motive sorgen dafür, dass wir beim Zusehen von vornherein das Gefühl haben, hinter den Dingen stecke noch etwas anderes. Was das ist, erfahren wir erst nach und nach.

Schon in Kos erstem Kinofilm "Wir Monster" (2015) ging es um eine Lüge, die eine Familie immer weiter an ihre Grenzen bringt, bis sie an den Folgen der Lüge zerbricht. Auch diesmal erzählt der Regisseur dieses Auseinanderbrechen ganz gemächlich, ohne Hektik, ohne künstlich erzeugte Aufregung. Sein Kameramann Andreas Köhler fängt Häuser, Landschaften und Gesichter ruhig und unaufgeregt ein. Die Figuren fahren nie aus der Haut, auch wenn sie allen Grund dazu hätten. Einzig Frans Baks Musik setzt je nach Stimmungslage mit nervösen Streichern Kontrapunkte dazu.

So geerdet all das ist und so glaubwürdig die Entwicklung der Figuren auch sein mag, das täuscht nicht über die unglaubwürdige Ausgangslage und das aufgesetzte Ende hinweg. Die zu Beginn gezeigten Panzersperren werden umgangssprachlich auch Drachenzähne genannt. Letzten Endes kann die Protagonistin den Fängen des Monsters, das sie selbst erschaffen hat, nicht entgehen. Das passt zwar zum Gesamtkonzept, ein wenig übertrieben ist es trotzdem.

Fazit: Sebastian Kos zweiter Spielfilm nach "Wir Monster" handelt vom Monster der Vergangenheit, das die Hauptfigur selbst schuf und von dem sie in der Gegenwart eingeholt wird. Ruhig gespielt und inszeniert steigert sich dieses Drama ganz allmählich und behält dabei stets einen Hauch Unbestimmbares bei. Gewisse erzählerische Unglaubwürdigkeiten kann es aber nicht verbergen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 99 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 21.07.2022
Regie: Sebastian Ko
Darsteller: Ulrich Matthes als Roland, Susanne Wolff als Marta, Florist Bajgora als Valmir
Verleih: farbfilm verleih

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