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Mariupolis 2 (2022)

Sechs Jahre nach dem ersten Teil kehrt Filmemacher Mantas Kvedaravičius nach Mariupol zurück. Fortsetzung zum Dokumentarfilm "Mariupolis" von 2016.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Eigentlich hatte der litauische Regisseur Mantas Kvedaravičius nicht vor, nach dem Dreh seiner Doku "Mariupol" (2016) wieder in die ukrainische Großstadt zurückzukehren. Doch als Putins Armee die in der Oblast Donezk gelegene Stadt Anfang des Jahres überfiel, machte sich Kvedaravičius wieder auf die Reise. Im März begab er sich auf den Weg in die Stadt, die vor dem Überfall rund 450 000 Bewohner hatte. Kvedaravičius besuchte eine Gruppe von Bewohnern, die in den Kellerräumen einer Kirche Schutz suchte – und dokumentierte ihren sowie den Alltag anderer Ukrainer zwischen Todesangst, Überlebenskampf und der beständigen Geräuschkulisse von Explosionen und Bombenhagel, der immer näher rückte.

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Ein dunkler Himmel, der von Rauchschwaden durchzogen ist. Zerbombte, verwüstete Stadtviertel und Straßenzüge. In schwach ausgeleuchteten Unterkünften ums Überleben kämpfende Menschen, die dankbar dafür sind, einen weiteren Tag in der Kriegshölle überstanden zu haben. "Mariupolis 2" ist eine Doku direkt aus der hart umkämpften Stadt, die bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn so schwere Schäden davongetragen hatte, wie keine andere ukrainische Großstadt.

Kvedaravičius Mut, sich zu den Überlebenden in der Kirche und überhaupt zurück in die Ukraine zu begeben und den dortigen Alltag einzufangen, ist beeindruckend. Doch er bezahlte seinen Mut mit dem Leben: Er wurde kurz nach Beendigung seiner Aufnahmen beim Versuch, das Land wieder zu verlassen, von der russischen Armee brutal ermordet. Im Anschluss gelang es seiner Verlobten, Hanna Bilobrov, das Rohmaterial über die Grenze zu schmuggeln. Zusammen mit der Cutterin und Editorin Dounia Sicho stellte sie den Film fertig.

Und genau dieser Aspekt ist dem Film anzumerken: Dadurch, dass Kvedaravičius "Mariupolis 2" nicht selber fertigstellte bleibt nur eine Ahnung davon, wie das Endergebnis im Sinne des Regisseurs hätte aussehen können. So wirkt und bleibt vieles fragmentarisch und zusammenhanglos. Eher wie eine Aneinanderreihung loser Ereignisse und Filmschnipsel, die allerdings, und das ist wiederum das große Verdienst aller Macher hinter den Kameras, einen authentischen, glaubhaften Eindruck vom Leben inmitten des Krieges vermitteln: beim Kochen, vor der Kirche beim Aufräumen und Beseitigen des Schutts, in den Räumlichkeiten bei Gesprächen oder im Keller, wenn die Ausharrenden gemeinsam beten und Gott dafür danken, dass sie noch am Leben sind. Inszenatorisch und stilistisch ist "Mariupolis 2" nüchtern und emotionslos. Ohne Off-Kommentar und in langen Einstellungen verzichtet er sogar darauf, die Gefühle und Gesichter der Menschen allzu lange oder ausschweifend zu zeigen. Das zeugt von Respekt und Ehrfrucht vor den tapferen, beherzten Menschen vor Ort.

Fazit: Eindrucksvolle, unmittelbare Doku über den Überlebenskampf im zerstörten Mariupol, die insgesamt etwas zu zusammenhanglos und fragmentarisch geraten ist.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Litauen, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Kinostart: 01.09.2022
Regie: Mantas Kvedaravicius
Verleih: Real Fiction



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