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Museum of the Revolution (2021)

Dokumentarfilm über drei Obdachlose, die in Serbiens Hauptstadt ums Überleben kämpfen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Im Jahr 1961 wurde der Plan geschmiedet, in Belgrad ein Museum zu errichten, das sich ganz der sozialistischen Revolution und dem sozialistischen Jugoslawien widmen sollte. Die Bauarbeiten begannen allerdings erst im Jahr 1978 und kamen über die Errichtung des Kellergeschosses nicht hinaus. 60 Jahre später gibt es immer noch kein Museum, der Keller wird jedoch genutzt. Dort leben Obdachlose.

Der Regisseur Srđan Keča hat drei von ihnen mit der Kamera begleitet. Das Mädchen Milica geht nicht zur Schule, sondern hilft ihrer Mutter Vera bei der Arbeit, die ihr Geld an Straßenkreuzungen mit dem Putzen von Autoscheiben verdient. Im Kellergeschoss hat Milica eine enge Beziehung zu der alten Mara aufgebaut. Mara, die seit Jahren auf der Straße lebt, musste ihre eigene Tochter ans Jugendamt abgeben. Milica und Vera bilden für sie eine Art Ersatzfamilie.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In seinen Dokumentarfilmen und Videoinstallationen beschäftigt sich Srđan Keča mit Orten der Erinnerung. Ein solcher Ort stand auch am Anfang seines neuen Films. Für eine Videoinstallation für den serbischen Pavillon bei der Architekturbiennale in Venedig filmte Keča das 1978 begonnene, aber nie zu Ende gebaute Museum der Revolution in Belgrad. Aus dieser Installation erwuchs schließlich auch ein Dokumentarfilm, der nun konsequenterweise den Namen des Museums im Titel trägt. Denn an diesem unfertigen Ort der Erinnerung begegneten Keča und seinem Filmteam andere Menschen.

Fertiggestellt wurde vom geplanten Museum lediglich der Keller. Dort finden Obdachlose Unterschlupf. Schon dieser Umstand erscheint wie eine Ironie der Geschichte. An dem Ort, an dem der sozialistischen Revolution gedacht werden sollte, hausen inzwischen die Menschen, die nach dem Untergang des Sozialismus nicht zu den Gewinnern, sondern zu den Verlierern des Kapitalismus zählen. Hier unter der Erde, von der Dunkelheit der dicken Betonwände eingehüllt, nimmt der Filmemacher zwei Frauen und ein Mädchen in den Blick: die alte Mara, die junge Milica, die Maras Enkelin sein könnte, und Milicas Mutter Vera.

Keča führt die Kamera selbst und ist dicht dran, weiß aber auch den gebührenden Abstand zu wahren, wenn es die Situation erfordert. Den für den Film gewählten beobachtenden Modus hält der Regisseur bis zuletzt durch. Kommentarlos folgt er den drei Protagonistinnen durch ihren Alltag, hält kleine Freuden und große Sorgen fest und lässt durch den Filmschnitt zusätzlich Leerstellen, die das Publikum selbst füllen muss. An der Stelle, an der einst das Museum der Revolution entstehen sollte, wird irgendwann eine neue Konzerthalle errichtet. Und die dort lebenden Menschen müssen weichen – diesmal der Kultur.

Fazit: Srđan Keča hat einen Dokumentarfilm über drei Obdachlose gedreht, der deren Alltag zwischen kleinen Freuden und großen Sorgen kommentarlos einfängt. "Museum of the Revolution" ist ein visuell betörender Film über drei Menschen, die, obwohl sie keinen Platz in der Gesellschaft haben, sich einen Platz darin erobern und ihn am Ende wieder verlieren. Still beobachtend, berührend und aufwühlend.




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Land: Russland, Tschechien, Ungarn
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 91 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 01.09.2022
Regie: Srdjan Keca
Darsteller: Marija Savic als Mara, Milica Novakov als Milica, Vera Novakov als Vera
Verleih: dejavu filmverleih

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