oder

FBW-Bewertung: Bigger Than Us (2022)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: ?Tue Gutes und rede darüber? besagt ein Sprichwort, was aktuell vor allem in PR-Kreisen verbreitet ist. Und wenn eine Bewegung der letzten Jahre dies erreicht hat, dann ist es ?Fridays for Future?. Die jungen Aktivist:innen haben es geschafft, ihr Engagement nicht nur hörbar, sondern auch global sichtbar zu machen. Kennen wir nicht alle die Bilder von Greta Thunberg mit dem Pappschild, die Massen an jungen Menschen auf den Straßen, die sich gegen die Zerstörung unseres Planeten einsetzen? In Kino und Fernsehen hat seitdem durch die ? zu Hundertprozent gerechtfertigte ? Präsenz des Themas ein Film-Genre den Siegeszug angetreten: Dokumentarfilme über jugendliche Aktivist:innen. In der Regel werden Einzelpersonen oder Gruppen vorgestellt, Expert:innen schildern die Dramatik der Situation, man begleitet Aktionen und ist am Ende frustriert, dass insgesamt zu wenig passiert. Aber der Dokumentarfilm BIGGER THAN US ist ein bisschen anders.

BIGGER THAN US ist in Kooperation der Regisseurin Flore Vasseur und der indonesischen Aktivistin Melati Wijsen (18) entstanden, die sich seit ihrem 12. Lebensjahr gegen Plastikmüll engagiert. Mit Erfolg! Und dies ist die Prämisse des Films: Melati hat auf Bali tatsächlich die Abschaffung der Plastiktüten eingeleitet. Und so trifft sie sich rund um die Welt mit anderen etwa gleichaltrigen Aktivist:innen, die erfolgreich erstaunliche Projekte umgesetzt haben. Sei es Mohamad, der als Kind im Libanon eine Schule für Geflüchtete gegründet hat und diese heute noch mit über 200 Schüler:innen leitet. Oder Memory, durch die in Malawi das gesetzliche Alter für eine Ehe auf 18 Jahre hochgesetzt wurde, um Kinderehen und Zwangsverheiratungen von Mädchen zu verhindern. Oder Rene, der in Brasilien einen Nachrichtendienst und Zeitung betreibt, um in seiner Nachbarschaft für mehr Sicherheit vor Bandenkriminalität und Polizeigewalt und eine von der Politik unabhängige Berichterstattung zu sorgen.

In den sieben beeindruckenden Episoden auf verschiedenen Kontinenten geht es um spezifische Probleme in ganz unterschiedlichen Bereichen (Menschen- und Frauenrechte, Ökologie, Pressefreiheit, humanitäre Hilfe). Das gelungene Engagement, das nicht selten ungewöhnliche Wege geht, spendet Trost und ermutigt selbst aktiv zu werden, sei es auch noch so ein kleiner Beitrag. Melati führt authentisch durch die Geschichte, trifft ihre Gegenparts in dialogischen Gesprächen auf Augenhöhe. Erwachsene und ihre Perspektive werden bewusst komplett außen vor gelassen, was die Leistung der jungen Menschen noch mehr zur Geltung kommen lässt. Es ist klar: die Protagonist:innen sprechen direkt zu ihrem Publikum ? jungen Menschen, wie sie.



Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.