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Schlachthäuser der Moderne (2022)

Slaughterhouses of Modernity

Die filmische Betrachtung unterschiedlicher Bauwerke, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Darunter ein Schlachthaus in der argentinischen Pampa und das wiederaufgebaute Berliner Stadtschloss.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Regisseur Heinz Emigholz untersucht in seiner neuen Doku unterschiedlicher Bauwerke, die sich alle im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Politik ansiedeln und unter diesem Gesichtspunkt ebenso einer genauen Betrachtung unterziehen lassen. Anschauungsobjekte sind unter anderem: das Berliner Stadtschloss mit Humboldt-Forum, die Schlachthäuser des argentinischen Architekten Francisco Salamones in dessen Heimat und die Bauwerke von Freddy Mamani Silvestre in El Alt (Bolivien). Was haben diese Bauwerke gemeinsam, worin unterscheiden sie sich? Und wie politisch sind sie und ihre Geschichte?

Bildergalerie zum Film "Schlachthäuser der Moderne"

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Schon oft befasste sich der Filmemacher und Künstler Heinz Emigholz in seinen Kurz-, Experimental- und Dokumentarfilmen mit Architektur und Politik. Oder mit beiden Sujets, wie im Falle von "Schlachthäuser der Moderne". Die Kernfrage, die der Film aufwirft: Wie intensiv waren Architektur und die architektonische Vision, die einst hinter den bespielhaft im Film präsentierten Gebäuden und Bauwerken standen, mit Politik und politischer Ideologie verknüpft?

Die Beispiele, die Emigholz wählt, sind sehr unterschiedlich, aber gerade deshalb so interessant. Darunter die öffentlichen Gebäude, vor allem die mächtigen Rathäuser, aber auch die rein funktionalen, meist am Stadtrand angesiedelten Schlachthäuser von Francisco Salamone. Oder die bunten, fantasievollen Gebäude Freddy Mamanis, dessen Architektur an die Bauten und Kunst Hundertwassers denken lässt. Und tatsächlich: Politische Verflechtungen arbeitet Emigholz bei beiden Beispielen heraus und stellt sie in einen größeren Zusammenhang.

Entweder waren (oder sind) mit der Errichtung bestimmter Gebäude Prestige und ein Aufstieg in die höheren Kreise, quasi als Gegenleistung der Politik, verbunden. Oder, wie etwa im Falle von Salamone, eine direkte Huldigung menschenverachtender Ideologie. Die üppigen Stadt- und Rathäuser Salamones erinnern nämlich nicht zufällig an einige von Benito Mussolini in Auftrag gegebene Entwürfe und Bauten. Was all dies mit deutschen Faschisten in Südamerika oder dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu tun hat, versucht der Film aufzuarbeiten und darzulegen. Bisweilen wirken Emigholz‘ Thesen und Argumente aber absichtlich provozierend, polemisch und etwas weit hergeholt.

Zudem stiftet er – auch das typisch Emigholz – mit einigen (sarkastischen) Äußerungen sowie Behauptungen Verwirrung. Gerade wenn es dem Betrachter an Vorwissen und Kenntnis der Materie fehlt. Einige Szenen wirken außerdem Fehl am Platz und fügen sich nur bedingt stimmig in den Rest ein, darunter jene mit Schauspieler Stefan Kolosko als Mann im Taucheranzug, der einen literarischen Text darbietet.

Fazit: Architektonische Moderne oder moderne Architektur im Spannungsfeld zwischen Fortschritt und politischer Propaganda – die essayistische Doku "Schlachthäuser der Moderne" enthält interessante Denkansätze und kluge Überlegungen, wirkt bisweilen aber etwas reißerisch und zu provokativ.




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Land: Deutschland
Jahr: 2022
Genre: Dokumentation
Originaltitel: Slaughterhouses of Modernity
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 19.01.2023
Regie: Heinz Emigholz
Darsteller: Arno Brandlhuber, Susanne Bredehöft, Heinz Emigholz
Verleih: Filmgalerie 451



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