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All eure Gesichter (2023)

Je verrai toujours vos visages

Im französischen Drama "All eure Gesichter" begegnen sich Opfer von Straftaten und Täter zum Gespräch in einem geschützten Raum.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Judith (Élodie Bouchez), Fanny (Suliane Brahim) und Michel (Jean-Pierre Darroussin) sind als Mediator*innen beim Projekt "Restorative Justice" tätig. Dieses bringt Opfer von Straftaten und für ähnliche Fälle inhaftierte Täter in Gesprächsgruppen zusammen. Die Opfer können erzählen, wie sie das Erlebte aus der Bahn warf und den Tätern begreiflich machen, dass beispielsweise ein Raubüberfall jahrelange psychische Not verursachen kann. Die Täter sollen sich mit ihren Handlungen aus neuer Perspektive auseinandersetzen. So kann die Begegnung für beide Seiten hilfreich sein.

Judith bereitet die junge Chloé (Adèle Exarchopoulos) auf das Treffen mit ihrem Halbbruder (Raphaël Quenard) vor, der sie in ihrer Kindheit jahrelang sexuell missbrauchte. Fanny und Michel leiten eine Gruppe, die sich im Gefängnis zu Gesprächen trifft. Nawelle (Leïla Bekhti) wurde als Kassiererin eines Supermarkts überfallen und hat Angst, dass der nie gefasste Täter wiederkehrt. Bei Grégoire (Gilles Lellouche) drangen Diebe ins Haus ein und bedrohten seine kleine Tochter mit einem Messer. Sabine (Miou-Miou) wurde auf der Straße beraubt und verwundet. Den Opfern sitzen die verurteilten Einbrecher und Diebe Nassim (Dali Benssalah), Issa (Birane Ba) und Thomas (Fred Testot) gegenüber.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse3 / 5

"All eure Gesichter": Wenn Gewaltopfer mit Straftätern reden

Ein Raubüberfall, der wenige Minuten dauert, löst bei den Opfern nicht selten jahrelange seelische Qualen aus. Manche Menschen sind so traumatisiert, dass sie nicht mehr zur Arbeit gehen können und sich völlig zurückziehen. Täter wiederum meinen oft vorschnell, dass die Haft schon Strafe genug ist und sie sich mit ihrer Tat folglich nicht weiter auseinandersetzen müssen. Das Konzept der "Restorative Justice" geht neue Wege, indem es, flankiert von ausgebildeten Mediator*innen, die Opfer- und die Täterseite zu Gesprächen zusammenbringt. Wie sinnvoll das sein kann, zeigt der französische Spielfilm "All eure Gesichter" der Regisseurin und Drehbuchautorin Jeanne Herry ("In sicheren Händen").

Seelisch verwundet und voller Wut

Das Drama erzählt im Wechsel zwei verschiedene Geschichten. Zur Mediatorin Judith kommt die junge Chloé, als sie erfährt, dass ihr Halbbruder aus der Haft entlassen wurde. Sie möchte dem Menschen, der sie in ihrer Kindheit sexuell missbrauchte, im Alltag nicht mehr begegnen. Im Gespräch mit ihm will sie vereinbaren, wann wer ins Kino, ins Schwimmbad, auf den Friedhof geht. Adèle Exarchopoulos spielt Chloé sehr bewegend als ernste, entschlossen wirkende junge Frau, die von ihren wieder aufflammenden Erinnerungen gepeinigt wird und ihre Wut kaum bändigen kann. Judith möchte das Treffen verhindern, weil sich der Mann von Chloé zu Unrecht angeklagt sieht. Aufschlussreich sind die kurzen Szenen, in denen die Mediatoren ihr eigenes Verhalten trainieren und besprechen. Es ist gar nicht so einfach, hauptsächlich zuzuhören.

Denkprozesse in Gang setzen

Die Gruppengespräche zwischen Opfern von Raubüberfällen und Männern, die für ähnliche Taten in Haft sitzen, fördern ebenfalls starke Gefühle zutage. Anfangs geben sich die Inhaftierten abgebrüht und unbeteiligt, doch die Schilderungen Naweens, Sabines und Grégoires gehen nicht spurlos an ihnen vorbei. Sabine, die sich kaum mehr aus dem Haus traut, erfährt von der ganzen Gruppe viel Mitgefühl. So findet sie aus ihrer Isolation heraus. Naween und Grégoire greifen verbal zum Angriff, wenn sich einer der Häftlinge als Opfer sozialer Benachteiligung hinstellt. Über die einzelnen Charaktere erfährt man nur, was sie selbst in der Gruppe vorbringen. Man hätte gern noch genauer erfahren, welche Denkprozesse vor allem bei den einzelnen Vertretern der Täterseite in Gang gesetzt werden.

Fazit: Das Drama der französischen Regisseurin Jeanne Herry schildert anhand zweier Beispiele, wie professionell begleitete Gespräche zwischen Opfern und Tätern bei der Aufarbeitung von Straftaten helfen können. Adèle Exarchopoulos beeindruckt in der Rolle einer jungen Frau, die dem Angehörigen, der sie sexuell missbrauchte, gegenübertreten will. Um die traumatischen Folgen von Raubüberfällen geht es in einer Gesprächsgruppe, in der Häftlinge auf Geschädigte treffen. Das Drama verlässt sich weitgehend auf die Spannung, die das Thema und die Dialoge mit sich bringen, nähert sich aber vor allem den Charakteren in der Gruppe nur zögerlich an.




FBW-Bewertung zu "All eure Gesichter"Jurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvoll?La justice restaurative c?est un combat?, also etwa ?Restaurative Justiz ist ein Kampf?, heißt es gleich zu Beginn von ALL EURE GESICHTER. Damit ist das vielleicht Wichtigste zum Film gesagt: Denn wenn bei dieser Art der Wiedergutmachung etwas [...mehr]

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Zum Video: All eure Gesichter

Besetzung & Crew von "All eure Gesichter"

Land: Frankreich
Jahr: 2023
Genre: Drama
Originaltitel: Je verrai toujours vos visages
Länge: 118 Minuten
Kinostart: 14.12.2023
Regie: Jeanne Herry
Darsteller: Birane Ba als Issa (as Birane Ba de la Comédie Française), Leïla Bekhti, Anne Benoit, Dali Benssalah, Élodie Bouchez
Kamera: Nicolas Loir
Verleih: Studiocanal

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