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Direct Action (2024)

Die Regisseure Guillaume Cailleau und Ben Russell begleiten über dreieinhalb Stunden das Leben in der ZAD von Notre-Dame-des-Landes. Ein Dokumentar-Epos über den Alltag nach dem Widerstand.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die "Zone à défendre" (ZAD) nahe Nantes galt jahrelang als das Symbol gegen ein geplantes Flughafenprojekt. Doch was passiert, wenn der große Kampf scheinbar gewonnen ist? Direct Action wirft einen radikal entschleunigten Blick auf die autonome Gemeinschaft, die dort geblieben ist. Fernab von Schlagzeilen zeigt der Film in über 200 Minuten den repetitiven Rhythmus eines anderen Lebens: Brot backen, Holz sägen, Landwirtschaft. Erst im letzten Akt bricht die Außenwelt in Form der gewaltsamen Proteste von Sainte-Soline in diese Idylle ein und stellt die Frage nach der Fortführung des Widerstands völlig neu.

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“Direct Action”: Die Poesie der radikalen Entschleunigung

Schon die Eröffnung von "Direct Action" ist eine Herausforderung an unsere Sehgewohnheiten. Wo andere Dokumentationen mit Archivmaterial und schnellen Schnitten Kontext erzwingen, verweilen Cailleau und Russell in der wortlosen Beobachtung. Wir sehen Hände, die Teig kneten – und zwar in voller Länge. Diese "Echtzeit-Arbeit“ erinnert an das Direct Cinema eines Frederick Wiseman, geht aber noch einen Schritt weiter: Der Film nutzt die Zeit als Erfahrungsraum. Es geht nicht um die Verdichtung von Information, sondern um das Spürbarmachen einer Existenz, die sich der Logik von Effizienz und schneller Verwertbarkeit entzieht. Das fordert Geduld, macht aber den Wert manueller Reproduktionsarbeit erst greifbar.

Anonymität als politisches Statement

Ein markantes Merkmal des Films ist die konsequente Verweigerung von Heldennarrativen. In "Direct Action" gibt es keine Leitfiguren, keine Interviews, die das Geschehen einordnen. Die Kamera fokussiert sich oft auf Hände, Werkzeuge und Prozesse, während Gesichter an den Bildrand gedrängt werden. Diese formale Entscheidung ist zutiefst politisch: Sie inszeniert das Kollektiv als funktionierende Einheit und stellt sich gegen die übliche mediale Individualisierung von Aktivismus. Dass dabei die inneren Widersprüche und die komplexe Geschichte der ZAD für Uneingeweihte im Diffusen bleiben, nimmt der Film bewusst in Kauf – er setzt ein gewisses Vorwissen voraus oder akzeptiert die Leerstelle als Teil seiner Ästhetik.

Zwischen Kontemplation und Repression


Der Film vollzieht eine interessante Perspektivverschiebung: Weg von der Mobilisierung, hin zur permanenten Pflege einer Lebensform. Die ZAD erscheint hier als Raum der sozialen und körperlichen Reproduktion. Diese fast schon meditative Stimmung kippt jedoch drastisch, wenn die Bilder von Sainte-Soline in das Gefüge einbrechen. Tränengas und Polizeigewalt bilden einen scharfen Kontrast zur vorherigen Ruhe und machen ein Kontinuum von Alltag und staatlicher Repression sichtbar. Besonders stark ist der Moment, in dem eine Aktivistin die Kamera direkt hinterfragt – eine seltene Sekunde der Selbstreflexion, die verdeutlicht, dass Cailleau und Russell eher beobachtende Zeugen als klassische Agitatoren sind.

Fazit: "Direct Action" ist keine klassische Dokumentation, sondern eine monumentale Studie über das Durchhalten. Die radikale Form des Films funktioniert als Einladung zum eigenen Denken, läuft aber Gefahr, vor allem jene zu erreichen, die bereits Teil der Bewegung sind, wirkt jedoch auch abschreckend.




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Besetzung & Crew von "Direct Action"

Land: Frankreich, Deutschland
Jahr: 2024
Genre: Dokumentation
Länge: 213 Minuten
Kinostart: 09.04.2026
Regie: Guillaume Cailleau, Ben Russell

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