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Holy Meat (2025)

Blühende Blasphemie: deutsche Komödie über einen windigen Dorfpfarrer, eine rachsüchtige Metzgerin und einen abgehalfterten Regisseur, die sich an einer Theateraufführung verheben.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.6 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 14 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der katholische Priester Oskar Iversen (Jens Albinus) lässt sich von Dänemark in die schwäbische Provinz versetzen. Im Örtchen Winteringen angekommen, bringt er eine Theateraufführung auf den Weg, die den Bischof begeistern und vom Erhalt der kleinen Kirchengemeinde überzeugen soll. Der eigens aus Berlin engagierte Regisseur Roberto (Pit Bukowski) soll den Leidensweg Christi auf die Bühne bringen. Doch Iversen hat sich in kürzester Zeit eine Feindin im Ort gemacht, die das Stück untergräbt.

Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Mia (Homa Faghiri) aus Stuttgart heim, um die Vormundschaft ihrer Schwester Merle (Amelie Gerdes) und die Metzgerei der Familie zu übernehmen. Dort findet sie heraus, dass sich Iversen und die Kirchengemeinde ihr Erbe unter den Nagel gerissen haben. Um sich am Gottesmann zu rächen, heuert Mia bei Roberto an und beeinflusst den Regisseur. Geht es nach ihr, dann wird Christi Passion eine blasphemische Feier der Fleischeslust. Mias alte Bekannte Nadine (Lou Strenger) hegt derweil den Verdacht, dass Iversen wegen unsittlichen Verhaltens nach Winteringen strafversetzt wurde und unterstellt ihm ein Verhältnis mit dem Messdiener Niklas (Jeremias Meyer).

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Holy Meat": Corpus Christi

Die Zeiten ändern sich. Wenn schon nicht im richtigen Leben, so zumindest in Alison Kuhns Spielfilmdebüt, in dem der sadomasochistisch dargebotene Leidensweg Christi auf der Bühne eines kleinen Dorftheaters keine Proteste, sondern Begeisterung im Publikum auslöst. Und das mitten in der schwäbischen Provinz. Da sage noch einer, die sparsame Hausfrau und ihr kleinkarierter Ehemann hätten zwischen all dem "Schaffe, schaffe, Häusle baue" keinen Sinn für Humor! Einzig der zur Uraufführung eingeladene Bischof ist angesichts des blasphemischen Treibens auf der Bühne erzürnt. Ende der 1990er-Jahre sah das in Baden-Württemberg noch ganz anders aus.

Als Terrence McNallys skandalträchtiges Theaterstück "Corpus Christi" im September 1999 ausgerechnet am Theater in Heilbronn seine Europapremiere feierte, geriet die 50 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegene Großstadt bundesweit in die Schlagzeilen. Erst protestierten Christen, dann Muslime. Mahnwachen wurden abgehalten, Drohbriefe und gar Bombendrohungen verschickt. Weshalb? Weil Jesus und seine Jünger, von McNally in die Gegenwart und in die texanische Stadt Corpus Christi versetzt, in seinem Stück homosexuell sind, was militanten Gläubigen ein Dorn im Auge war. Wie gesagt, bleibt eine solche Reaktion in der Handlung von Kuhns Film aus. Was nicht heißt, dass eine solche Reaktion nicht auf Kuhns Film erfolgen könnte. Denn ausreichend Stoff, um religiöse Fanatiker auf den Plan zu rufen, hat "Holy Meat" zu bieten.

Perspektivwechsel in der Provinz

In ihrer Wut auf den neuen Pfarrer nagelt die von Homa Faghiri mit Wucht und überzeugendem Dialekt gespielte Metzgerin Mia unter anderem ein Schwein ans Kreuz der Dorfkirche. Dass die Messer in diesem Konflikt gewetzt sind, macht sich schon vorher und perfekt auf den Bildschnitt abgestimmt auf der Tonspur bemerkbar. Wie die Debütantin Alison Kuhn die von ihr selbst geschriebene Geschichte überhaupt einfallsreich in Szene setzt. Etwa legt sie die Handlung als Triptychon an, um sie aus drei unterschiedlichen Perspektiven, erst aus Sicht des Geistlichen, dann aus dem Blickwinkel der Metzgerin und schließlich durch die Augen des Theaterregisseurs erzählen zu können. Wodurch klar wird, dass es in diesem Film weder Helden noch Bösewichte gibt. Jede der drei Hauptfiguren ist Prota- und Antagonist zugleich.

Die 1995 geborene Regisseurin und Drehbuchautorin weiß, wovon sie spricht. Sie ist in einem kleinen, sehr katholischen Dorf in Süddeutschland aufgewachsen und hat eine Klosterschule besucht, die von einem Missbrauchsskandal erschüttert wurde. "Es wäre naheliegend gewesen, die dadurch ausgelösten Gedanken in einem dokumentarischen oder dramatischen Format zu verarbeiten", sagt Kuhn. "Doch gerade die Entscheidung, das komödiantische Genre zu wählen, schien mir die weitaus spannendere Herausforderung." Womit sie recht behalten hat. Mit Jens Albinus als dänischem Priester und Pit Bukowski als Berliner Regisseur besetzt, weht ein weltläufiger Flair durch die schwäbische Provinz, die unter Kuhns Regie weder spießig noch bräsig, sondern ausgesprochen lässig, amüsant und (selbst-)ironisch ist.

Fazit: Alison Kuhn legt mit "Holy Meat" ein gelungenes Spielfilmdebüt vor. Die von ihr selbst geschriebene Geschichte über die Kirche, Kunst und Fleischeslust in der Provinz ist eine schwarze schwäbische Komödie, in der die Häuslebauer sich von ihrer lockeren Seite zeigen.




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Besetzung & Crew von "Holy Meat"

Land: Deutschland
Jahr: 2025
Genre: Komödie
Länge: 110 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 01.01.2026
Regie: Alison Kuhn
Darsteller: Pit Bukowski als Roberto Dalon, Homa Faghiri als Mia Abele, Jens Albinus als Pater Oskar Iversen, Lou Strenger als Nadine, Jeremias Meyer als Niklas
Kamera: Matthias Reisser
Verleih: Camino

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