oder

Lolita lesen in Teheran (2025)

Reading Lolita in Tehran

Im Iran spielendes Drama über eine Professorin und ihren ganz besonderen Buchclub.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Im Sommer 1979 kehrt die Literaturwissenschaftlerin Azar Nafisi (Golshifteh Farahani) an der Seite ihres Manns, dem Architekten Bijan (Arash Marandi), in den Iran zurück, um sich nach dem Sturz des Schahs in ihrer alten Heimat ein neues Leben aufzubauen. Doch schon bald wird ihre Arbeit als Professorin für englischsprachige Literatur an einer Teheraner Universität vom neuen Regime eingeschränkt. Weil Azar sich weigert, ein Kopftuch zu tragen, verlässt sie die Universität und heuert Jahre später an einer anderen an. Doch auch hier stößt ihr Lehrplan schnell an seine Grenzen.

Mitte der 1990er-Jahre gründet Azar schließlich einen kleinen Lesezirkel, der aus ehemaligen Studentinnen unterschiedlicher Generationen besteht und sich heimlich in ihrer Wohnung trifft. Dort lesen die sehr unterschiedlich eingestellten Sanaz (Zar Amir Ebrahimi), Nassrin (Mina Kavani), Azin (Lara Wolf), Yassi (Isabella Nefar), Mahshid (Bahar Beihaghi) und Manna (Raha Rahbari) verbotene Bücher und ziehen daraus Schlüsse fürs Leben.

Bildergalerie zum Film "Lolita lesen in Teheran"

Lolita lesen in TeheranLolita lesen in TeheranLolita lesen in TeheranLolita lesen in TeheranLolita lesen in TeheranLolita lesen in Teheran

Hier streamen


Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Lolita lesen in Teheran": Befreiende Bücher

In Momenten des Umbruchs scheint alles möglich. Doch oft trügt der Schein. Als Azar Nafisi im Sommer 1979 im Iran ankommt, ist die Islamische Revolution noch in vollem Gange und die junge Professorin davon beflügelt. Immerhin wird sie, die in den USA studiert hat, in Kürze englischsprachige Literatur an einer Teheraner Universität unterrichten und ihre Studierenden zu kritischem Denken und fruchtbarem Diskurs anleiten. Was sollte sie sich mehr vom Leben wünschen? Doch dass es mit dieser Freiheit bald vorüber sein könnte, lässt sich bereits bei der Gepäckkontrolle am Flughafen erahnen. Wie verächtlich ein übel dreinblickender Kontrolleur mit den mitgebrachten Büchern umgeht, gibt einen bitteren Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.

Ausschnitthafte Biografie

Azar Nafisi gibt es wirklich. Ihre Erlebnisse rund um ihre abgebrochene und an anderer Stelle wieder aufgenommene Lehrtätigkeit bis hin zu ihrer endgültigen Ausreise aus dem Iran hat sie in ihrem autobiografischen Roman "Lolita lesen in Teheran" (2003) festgehalten. Der streitbare israelische Regisseur Eran Riklis ("Die syrische Braut", "Lemon Tree") hat ihn verfilmt. Gedreht wurde in Italien, da viele aus dem Schauspielensemble wie Golshifteh Farahani und Zar Amir Ebrahimi keine Arbeitserlaubnis im Iran besitzen.

Im Original trägt die Adaption denselben schönen Untertitel wie die Romanvorlage: "A Memoir in Books" – und genau das hat die Drehbuchautorin Marjorie David daraus gemacht. In vier nach den Literaturklassikern "Der große Gatsby", "Lolita", "Daisy Miller" und "Stolz und Vorurteil" benannten Kapiteln zeichnet David ausschnitthaft den wechselhaften Karriereweg Nafisis nach und geht dabei nicht streng chronologisch vor. Am Rande werden die Schicksale ihrer Studentinnen beleuchtet. Die leiden ebenfalls unter den Repressalien des Regimes. Mithilfe der Bücher lernen sie, sich zumindest von manchen Zwängen zu befreien.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Die größte Schwäche dieser Adaption ist die begrenzte Laufzeit, durch die das Leben der Studentinnen deutlich zu kurz kommt. Eine Umsetzung als Fernsehserie, in der sich jede Episode einer anderen Protagonistin widmet, hätte sich vielleicht eher angeboten. Ein großer Pluspunkt ist indessen, dass Eran Riklis selbst angesichts grausamster Verbrechen ruhig und gelassen, nie übertrieben dramatisch, plakativ anklagend oder gar reißerisch und voyeuristisch erzählt. Das mag dieses Drama seltsam unspektakulär erscheinen lassen, ist jedoch der richtige Weg. Statt der verübten Gewalt setzt Riklis lieber den Traum von einer besseren Zukunft in Szene. Dann sitzt die von Golshifteh Farahani gespielte Professorin gemeinsam mit einem Kollegen, mit dem sie heimlich verbotene Bücher austauscht, auf einer Straßenbank und erinnert sich an einen besseren Iran. Die Hoffnung, dass er irgendwann einmal wieder so aussehen könnte, hat sie noch nicht aufgegeben.

Fazit: Eran Riklis ("Die syrische Braut", "Lemon Tree") hat Azar Nafisis autobiografischen Roman "Lolita lesen in Teheran" verfilmt und daraus ein ruhiges, nachdenkliches Drama gemacht. Wer angesichts der vom iranischen Regime verübten Gräueltaten auf harten Tobak hofft, sitzt im falschen Film. Stattdessen setzt Riklis auf ein weibliches Starensemble und außerordentliche Frauenpower. Die Rechnung geht am Ende auf.




TrailerAlle "Lolita lesen in Teheran"-Trailer anzeigen

Zum Video: Lolita lesen in Teheran

Besetzung & Crew von "Lolita lesen in Teheran"

Land: Israel, Italien, Großbritannien
Jahr: 2025
Genre: Drama
Originaltitel: Reading Lolita in Tehran
Länge: 108 Minuten
Kinostart: 20.11.2025
Regie: Eran Riklis
Darsteller: Golshifteh Farahani als Azar Nafisi, Zahra Amir Ebrahimi als Sanaz, Mina Kavani als Nassrin, Reza Diako als Bahri, Arash Marandi als Bijan Nafisi
Kamera: Hélène Louvart
Verleih: Weltkino Filmverleih

Verknüpfungen zu "Lolita lesen in Teheran"Alle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.